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Der Israelit · 1892-06-23 · Heft 50 (23.6.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 50 (23.6.1892)
Date
1892-06-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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906 feit im Genüsse des Fleisches befleißigen, erscheint die Schechitagebühr von 15.000 Frcs. jährlich ziem« lich drückend. Es gibt kaum eine Mtzwah, welche nicht besteuert ist, als Milah, Kiduschin, Schechita re. Besonders hoch zu steben kommt die hohe Mizwah des Pessichat-Aron. Ob bei der jetzt eingetretenen kritischen Zeit, wo zahlreiche Familien ihre Befchäf« tigung verloren, die Sofioter Gemeinde ihre bisherigen Lasten zu ertragen im Stande sein wird, muß die Zunkunft lehren. Spanien. Lissabon, im Juni. Vor Kurzem erhielt unsere Regierung eine Depesche vom General-Gouverneur des portugiestschen Congogebtetes mit der Meldung, daß dort mehrere jüdische Familien, die aus Südamerika und zwar aus Argentinien kamen, eingetroffen seien und nun verlangen, man möge ihnen gestatten, sich in den afrikanischen Besitzungen Portugals anzusiedeln, um dort Acker- und Plantagenbau und Viehzucht betreiben zu können. Er, der General-Gouverner, bitte nun um Verhaltungsmaßregeln. Daraufhin telegraphirte das Colonialministerium gleich zurück, der General-Gouverneur möge diese Fremdlinge freundlichst aufnehmen und ihnen auch einen geeigneten Landstrich zur Ansiedelung darauf anweisen. Der General-Gouverneur benachrichtigte nun die jüdischen Emigranten, daß er ihnen gestatte, sich auf der Hochebene von Mossamedes, die ein gemäßigtes Klima besitzt und auch über einen großen Quellenreichthum verfügt, anzusiedeln und werde ihnen die Regierung das zu ihren Culturen nöthige Land gratis anweisen. Die jüdischen Einwanderer vernahmen nun mit Jubel diese frohe Botschaft und mit Kind und Kegel zogen sie dann nach der genannten Hochebene, die ihre neue Heimath werden sollte. Diese jüdische Ansiedelung befindet sich in der Nähe der Stadt Kavangombu und nicht allzuweit vom Meere entfernt. So wird nun baldigst im Innern Südafrikas eine neue jüdische Gemeinde entstehen, die hoffentlich blühen und gedeihen wird. Uebrigens sind die Juden dort nicht ganz so vereinsamt, denn in der portugiesischen Hafenstadt Loando existirt schon seit Langem eine jüdische Ansiedelung und in der nahen englischen Capcolonie gibt es auch jüd. Gemeinden. Egypten. Alexandrien, 8. Juni. Die Dampf-Nacht „Israel" befindet sich gegenwärtig im hiesigen Hafen. Friedmann hat sich heute auf dem Lloyddampfer „Poseidon" nach Triest eingeschifft und hat vorige Woche die egyptische Regierung auf 25,000 Pfund Sterling etngeklagt: er verlangt Schadenersatz wegen der Ausweisung von dem Midjan'schen Territorium. Man ist auf den Ausgang dieses Prozesses gespannt. I. M. > Vermischtes. < Oleiwih, 12. Juni. In der heutigen Sitzung des oberschlesischen Synagogen-Verbandes wurde der Ban eines Waisenhauses beschlossen. Eine sehr lebhafte Debatte entspann sich über den Antrag des Rabbiner Dr. Münz: in den Statuten ausdrücklich zu erklären, daß die Verwaltung der Anstalt und die Erziehung der Kinder auf religiöser Grundlage beruhen. Ans die Bemerkung des Vorsitzenden, daß dies bei einem jüdischen Waisenhause selbstverständlich sei, wies der Antragsteller auf gewisse jüdische Waisenhäuser in Berlin hin, wo die Kinder zur Verletzung der Religionsgesetze, wie zur Sabbat-Entheiligung angehalten würden: solche schmachvolle Zustände müssen beim oberschlesischen Waisenhause von Vornherein ausgeschlossen werden. Nach längerer Debatte nahm die Versammlung den Antrag an. Prag, 12. Juni. Der Operncomponist und Militär- Kapellmeister des 88. Infanterie-Regimentes Freiherr von Rzeznicek, ein Antisemit, wurde heute auf dem Platzcommando von der Polizei einem Verhör unterzogen, weil er gestern in einem Garten-Restaurant, wo er mit der Regimentskapelle concertirte, einen Juristen, Namens Bondy mit Säbelhieben rücklings auf dem Kopf und an der Hand schwer verwundete, angeblich um einem Hausfreunde beizuspringen. Das äußerst zahlreiche Publikum, welches Zeuge der Gewaltthat war, wollte Rzeznicek lynchen, dem es jedoch gelang, durch die Garten- Hinterpsorte zu flüchten. Der Vorfall hat heftige Erbitterung in der Stadt hervorgerufen. Das Simon Reiß'sche Ehepaar in Oppenheim a. Rh. feierte am 12. Juni das Fest der goldenen Hochzeit. Herr R. bekleidete 30 Jahre lang das Amt eines Kantors und Religionslehrers in der dortigen jüd. Gemeinde und ist vor 7 Jahren in wohlverdienten Ruhestand getreten. In Lodz, Rusiisch-Polen, wurde dieser Tage die von Herrn Hermann Kanstadt gegründete Altersversorgungsa'nstalt unter entsprechender Feierlichkeit eingeweiht. Feuilleton. Per Günstling des Azaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jo«. Lehma««, vr. phil. (50. Fortsetzung.) „Und warum nicht, was hält Euch denn zurück?" fragte Iwan in ärgerlichem Erstaunen. „Ich well schreiben Sender Jtsche'), was ruft stach of Prost-jüdisch *)," erwkederte der Getaufte, sich über seine Schlauheit fteuend. 1) Wie er sich im Jargon nennt. 2) Jargon.

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