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Der Israelit · 1892-06-23 · Heft 50 (23.6.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 50 (23.6.1892)
Date
1892-06-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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905 Erbpacht genommen, und stolz drapkren sie sich als Netter des Vaterlands. Nur ihnen ist es zu verdanken, wenn die heimische Erde nicht an den auswärtigen Feind von den vaterlandslosen Juden verrathen worden ist. Ahlwardt hat die Judenflinten herausgcbracht und Drumont hat es noch rechtzeitig aufgedeckt, daß die „Banque de France", dieser Kriegsschatz Frankreichs, an die Allgewalt des deutschen Juden Rothschild ausgeliefert werden sollte. Für Drumont genügt es, daß Burdeau vor vielen Jahren über die Verwaltung der Banque de France anders gedacht hat als heute, um diese Meinungsänderung sofort auf eine angebliche Bestechung durch Rothschild mit einer Million zurückzuführen. Es fehlt ihm jeder Beweis für diese Behauptung, aber er schmettert sie in die Welt hinaus. Was das Resultat einer untcrlageloscn Kombination ist, wird ihm zur Gewißheit, zur Thatsache, und mit der Hartnäckigkeit eines von einer fixen Idee behafteten boshaften Menschen kämpft er für diese Autosuggestion. Ein in strikter Ehrenhaftigkeit, unter der Anerkennung und dem Beifall der Mitbürger geführtes Leben macht ihn nicht stutzig. Er kann cs sich offenbar nicht denken, daß ein solches Leben bis zum Ende der Tage, namentlich der Versuchung einer Million gegenüber, geführt werden kann. Und das läßt den Schluß zu, daß er selber vor einer Million vermuthlich schwach werden würde, denn nur an dem eigenen Maßstabe mißt man den Werth Anderer. Ganz so verhält es sich mit Ahlwardt. Auch er hat keine positiven Beweise gegen das Haus Loewe. Unzufriedene, verabschiedete Arbeiter und Beamte haben ihm einen Floh ins Ohr gesetzt und gleich ist seine Meinung fertig. Selbst der Versuchung gegenüber schwach — seine Geldaffairen haben es erwiesen — zeigt er sich ungläubig der stärkeren Ehrenhaftigkeit der Anderen gegenüber. Die Herren Antisemiten sollten vorsichtig mit ihren Anklagen sein. Ihr eigenes Ich zeigt sich in ihnen wie in einem Spiegel. Das Sprichwort von dem Busche, hinter welchem man nur Jemand sucht, wenn man selber dahinter gestanden hat, trifft auf sie zu. Im Uebrigen sollten sich die Herren einen bekannten Satz aus der Logik merken, daß Jnduktionsbeweise nur dann apodiktische Gewißheit haben, wenn die Prämissen richtig sind. In den Ahlwardtschen und Drumontschen Schlüssen waren die Prämissen falsch. Das ist nun dem Herrn Drumont sehr theuer zu stehen gekommen. Außer drei Monaten Gefängniß hat der Gerichtshof ihm eine Geldstrafe von 3000 Francs und dem Kläger die Publikationsbcfugniß in 80 französischen Zeitungen auferlegt, doch darf der Jnsertionspreis für jede Zeitung 1000 Francs nicht übersteigen. Mit den Kosten wird dieser Jnduktionsschluß Herrn Drumont also um die Kleinigkeit von annähernd 100,000 Francs erleichtern. Bulgarien. Sofia, 2. Juni. Die hiesige Stadt wird von Grund auf wieder aufgebaut. Hierdurch ist auch die jüdische Gemeinde zu Neubauten gezwungen, was hier äußerst kostspielig ist. Auch in dieser Beziehung that der Magistrat sein Möglichstes. Er überließ der jüdischen Gemeinde ein großes Grundstück in Utsch brunar (dem neuen Ansiedlungsorte), ebenso ein zweites in der Stadt selbst, auf welchem mit einem Aufwande von 150.000 Frcs. eine Synagoge und Schule im Vororte und eine prächtige Schule in der Stadt selbst aufgeführt wurden. Von den früheren vier Synagogen blieben noch erhalten die Synagoge der spaniolistrten Aschkenasim. Außer dieser gibt cs kein anderes Bethaus von dem Umfang der zerstörten, weshalb die Gemeinde daran gehen muß, einen neuen Tempel zu erbauen, und zwar nach europäischem Muster. Die Deckung dieser Baukosten verursacht der Gemeinde schwere Sorgen, und schon stand man an dem Punkte, die neuaufgebaute Schule mit einem Aufwand von 82.000 Frcs., den Baugrund nicht mitgerechnet, wegen der schuldenden 20.000 Frcs. veräußern zu müssen. Die Gemeindemitglieder setzen Alles daran, um den Unternehmern den Rest zu bezahlen. Hier muß sich noch manches lreiche Mitglied zu einem schweren Opfer verstehen. Was die Opferwilligkeit der spanioltschen Gemeinde anbelangt, so muß man gestehen, daß dieselbe weit größer ist, als bei den europäischen Juden, welche unter gleichen pecuniären Verhältnissen leben. So z. B. trägt die Sofiaer Judengemeinde ungefähr folgende Lasten: die Erhaltung der Schule mit 1500 Kindern mit einem Kostenaufwand von 34.000 Frcs., zu deren Deckung der Staat nur 8000 Frcs. beiträgt. Die Allianz besoldet den Direktor mit 4000, überdies einen französischen Lehrer mit 1000 Frcs. Die Anglo Jewish Association betheiligt sich mit 1875. Es verbleiben der Gemeinde 21.250 Frcs., die Schulhäuser abgerechnet, aus eigenen Mittel zu beschaffen. Die Erhaltung der Gotteshäuser, der Chasanim und Dienstpersonal wird von einem eigenen Comite synagogal besorgt, welches auch für die Aufbringung des Gehaltes des Landesrabbiners mit 15.000 Frcs. sorgen muß. An diese reihen sich noch andere Wohlthätigkeit - Institutionen: der Bikur Cholim-Verein, welcher ein Budget von 2—3000 Frcs. hat, die Chewra-Kadlscha, Vertheilung von Peßachmehl, Holz und Kleidung für die armen Familien rc. Bei dem Umstande, daß unsere spaniolischen Brüder sich der möglichsten Sparsam-

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