Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1892)
- Date
- 1892-06-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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903 stellt; er versprach, wie alle Volksbeglücker dieser Art, seinen Anhängern golvne Berge. Kehren diese Korachs mit ihren Dathan und Abiram nicht zu allen Zeiten wieder? Ist doch die Gegenwart durch ihr schmähliches Treiben geschändet? Erheben sie nicht auch gegen viel Bessere ihre Lästerzungen mit Anklagen und neigt nicht die blöde Masse auf ihre Seite? Das ist betrübend. Doch das Spiel der Korachs, der Dathans und Abtrams — es wächst nur eine Spanne Zeit, dann erfüllt sich ihr Geschick. — Wenn wir mit Moses sagen können: .rrnv in» n» 'njnn ühö nn» non ’nwtto »7 „Ich habe keinem nur einen Esel entrissen und niemandem irgend welch' Nebel zugefügt, wenn wir alles meiden, was des echten Juden unwürdig ist, alles thun, was zur Ehrung unseres Glaubens beiträgt, dann werden die Hetzer und Verleumder, die uns — gleich Korach dem Moses -- Ausbeutung der Armen und Schwachen zur Last legen, von der Bildfläche verschwinden. Diejenigen aber, die ähnlich der 250 Mann'unser Hetligthum verletzen, unseren Glauben schmähen, sie werden von dem Strafgericht der gekränkten Sittlichkeit getroffen, vernichtet werden, pn» .ivm der Stamm Abrons aber, das Volk Israel, wird gleich dem Priesterstabe, von dem im Wochenabschnitte die Rede ist, wunderbar fortblühen — wenn es seines Priesterberufes eingedenk bleibt und auch seine Kinder zu demselben erzieht. — Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Aus Hessen. Geehrte Redaction! Zu dem Artikel „Aus dem Badischen" in Nr. 48 des „Israelit", in welchem berichtet wird, daß im Aufträge des Badischen Oberrath der Israeliten ein Rabbiner von der Kanzel herunter verkündet habe, „man solle auf Meisen nicht mehr öffentlich Tesillin legen, weil dies der judenfeindltchen Strömung Vorschub leiste", erlaube ich mir folgende Remtniscenz zum Besten zu geben. Im Kriegsjahre 1866 fuhr ich mit meinem Bruder in einem Nachtzuge, Coupö 2. Elasse gen Stuttgart. Wir waren 5 Fahrgäste. Die ganze Nacht unterhielten wir uns lebhaft von den Kriegsereignissen. Ich war Gymnasiast, mein Bruder Reisendcp für ein Haus einer bedeutenden Stadt am Rhein und unsere Mitreisenden waren, ein höherer Militär, ein Student und ein Schauspieler. Als wir noch ungefähr eine halbe Stunde von Stuttgart — dem neuen Jerusalem, wo man kein Tallis und keine Tesillin in der Synagoge legen darf — entfernt waren, wurde es Tag. Wir baten unsere Reisegefährten um Entschuldigung, daß wir jetzt unser Gebet verrichten wollten, nahmen unsere Tefillin zur Hand und setzten sie auf und verrichteten unser rrinio - Gebet. Unsere Reisegefährten sahen verwundert unseren Vorbereitungen (dem Tesillinlegen) zu, stellten aber rücksichtsvoll eine halbe Stunde lang ihre Unterhaltung ein, bis wir mit unserem Gebete fertig waren. Und nun erkundigten sich alle Drei, was denn diese Riemen bedeuteten. Wir erklärten ihnen ausführlich die Bedeutung und den Inhalt der Tesillin. Hierauf setzten wir unsere Unterhaltung fort und merkten, daß wir in der Achtung unserer Mitreisenden nicht das Mindeste eingebüßt hatten, weil wir unserer Religion gemäß unser Gebet verrichtet hatten. Vielleicht wird der badische Oberrath auch empfehlen, auf Reisen nicht mehr öffentlich ibo zu essen? Auch dazu kann ich ein kleines Geschichtchen erzählen. In einer Realschule sollte eine höhere Klasse einen größeren Ausflug machen. Es waren ziemlich viel jüdische Schüler in derselben. Da das Essen am Ziele des Ausflugs im Voraus bestellt werden mußte, so frug der Klassenlehrer: „Wer von den jüdischen Schülern -rao essen will, soll sich stellen." Sechs Schüler standen auf. Und nun sagte der Lehrer, in Gegenwart der andern jüdischen Schüler, die sitzen geblieben waren: „Wenn ich Jude wäre, ich würde auch nieo essen; es ist schön, daß Ihr Eure Religion haltet." Berlin. 16. Juni. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg hat dem geschäftssührenden Ausschuß des deutschen Eentralkomites für die russischen Juden in Berlin die Genehmigung ertheilt, in der Zeit bis zum 1. Oktober d. I. in der Provinz Brandenburg und Berlin bei den Deutschen jüdischen Glaubens eine Haussammlung zum Besten seiner Zwecke zu veranstalten. Berlin. 18. Juni. Wie die Antisemiten sich zu helfen wissen, dafür liefert eine Briefkastennotiz in der letzten Nummer der „Antisemitischen Korresp." wieder einmal einen heiteren Beitrag. Bekanntlich hat der Führer der Antisemiten in Köln, Herr Grüner, sich allerlei nicht recht saubere Manipulationen zu Schulden kommen lassen. Die „Antisemitische Korrespondenz" versucht diesen Herrn damit von den Rockschößen der Antisemiten abzuschütteln, daß sie sagt, Grüner habe auf sie den Eindruck eines „Judenabkömmlings" gemacht, der unter antisemitischer Flagge sein Unwesen zu treiben suchte. Köln. Gegen die Versuche, den Antisemitismus auch nach dem Niederrhein hinüberzuspielen, nimmt die „Kölnische Volks-Zeitung" in sehr entschiedener Weise Stellung. Sie schreibt: „Jeden-