Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1892)
- Date
- 1892-06-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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903 Stille trat ein. Kaleb Nutzte diese Pause. Er sprach: „Das, was ihr da gegen Moscheh vorgebracht, ist es noch nicht allein, was der Sohn Amrams an euch gethan hat!" Wie mochte bet diesen Worten allen Unheilstiftern der Kamm schwellen! Doch augenblicklich erfolgte die Abkühlung, als nun Kaleb in schneller Folge die Aufzählung der wesentlichsten Verdienste des großen Führers um sein Volk gab. v'iLvv utyn «Vn, hat er uns nicht aus Egypten geführt? mn yap xSa, theilte er uns nicht die Wogen des Meeres? hn Mb mn nbr\, sorgte er nicht für das Mannah? wy aoiN Nim mm baa rvbsa ,v'L^a ltyi r\übo. (Siehe Raschi zur Stelle.) „Wenn er sagen würde, machet Euch Leitern und steiget in den Himmel, wir müßten ihm aus Dankbarkeit und wohlverdienter Zuversicht gehorchen." So schloß Kaleb seine Schutzrede. Das Volk nahm dieselbe sehr unwillig auf; doch als sich seine Aufregung gelegt, als ihm das Bewußtsein seines Unrechts gekommen, da b. kannte es reumüthig: *pi '“6 wen, wir haben gegen den Herrn und dich gefehlt. Wenn cs nun Korach und seinen Helfershelfern so leicht gelingt, ohne jeden ersichtlichen Anlaß die Menge mit neuem Unmuthe gegen Moscheh und Ahron zu erfüllen, so erkennen wir daraus einerseits den wankelmüthigen Sinn des großen Haufens, andererseits gestattet uns die tiefgehende Umstimmung desselben einen Schluß auf das große Talent Korachs zur Bearbeitung der Massen, auf seine Fähigkeit die geeigneten Helfershelfer um seine Fahne zu schaaren. Die U-berlieferung hat Dathan und Abirom zu Unheilestiftern gestempelt. Nach ihr waren die Männer, die einst in Egypten mit einander haderten und deren Streit Moses zu schlichten trachtete, keine anderen als Dathan und Abiram, und so führt die Ueberlieferung die Entstehung jedes Zwiespaltes, jeder unglücklichen Verirrung des wandernden Volkes auf die Anstiftung dieser Unholde zurück. Mit solchem Gesindel verband sich Korach, die Seele des Aufstandes. Wiederum entwirft der Midrasch ein lebendiges Gemälde dieses Urtypus aller nichtswürdigen Volksverhetzer. Er läßt den Korach folgende erdichtete Geschichte der Gemeinde vortragen: In meiner Nachbarschaft wohnte eine Wittwe mit ihren zwei unmündigen Töchtern. Der Ertrag eines kleinen Feldes reichte zur Ernährung dieser kleinen Familie. Sie bestellte ihr Land mit einem Zweigespann, aus einem Ochsen und Esel bestehend, sie bepflanzte es mit zweierlei Arten von Getreide. Da kam Moses und sagte zu der Frau: mm a»nai awa »ann n*> : Da darfst nicht Ochs und Esel zusammenspannen. Kaum hatte sie dem Verbote entsprochen, da erschien Moses schon 'wieder und verkündete: n'N^a yarn xb -pty Du sollst Dein Feld nicht mit zweierlei Arten bepflanzen. Als die Zeit der Ernte kam, hieß es asp^ -pff hnd nVan nb Du sollst die Ecke Deines Feldes den Armen überlassen. Als die Ernte zur Tenne gebracht war, stellte sich der Levite ein und verlangte nvian und atryo. Dieser endlosen Plackerei müde, verkaufte die Wittwe ihr Feld und erwarb aus dem Erlös einige Schafe. Als dieselben Junge warfen, erschien Ahron und sprach: Das Erstgeborene gehört mir. Als die Zeit der Schur eintrat, verlangte er die Wolle der erstjährigen Schafe. Das war der geplagten Wittwe zu viel, und sie schlachtete die Schafe. Wiederum stand der Priester bereit und verlangte Schulter, Kniestück und Magen — als die Theile des Schlachtviehes, die ihm gesetzlich zustehen. In lebhaftem Unwillen über diese zahllosen Anforderungen rief die Wittwe^aus:Mun, so will ich gar nichts von meine Thieren haben, sie mögen van sein. „Dann gehört ja alles mir", sagte der Priester kaltblütig und nahm die ganzen Thiere mit fort. — Da ist die Uebertreibung Korachs und aller Hetzer trefflich gezeichnet, es ist gezeigt, wie diese Vy^a ya die Massen durch ein Phantom zu erregen wissen. Korachs ganze, so wahrscheinlich klingende Erzählung war eine Dichtung. In der Wüste konnten sich diese Dinge, mangels bestellbaren Landes — gar nicht abspielen und damit fiel alles hinweg, was Korach ausgemalt. Wie leicht konnte sich das Volk diese Erkenntniß verschaffen, wie nahe lag ste dem einfachsten Verstände. Aber strebt denn der Hause nach Wahrheit? Zieht er ihr nicht die Verketzerung, bei der er seinen rohen Instinkten Luft machen kann, vor? Darum allein verfehlen die Hetzreden der Korachs in alter und jetziger Zeit ihre Wirkung nicht. Welche Motive aber bewogen Korach und seinen Anhang zu ihrem Treiben? Das Volkwohl ist dem Demagogen doch immer am gleichgiltigsten? Die Bibel läßt uns diese Motive erkennen; bei Korach ist es der Ehrgeiz. Er selbst wollte an die Stelle der verdienten Männer, darum beschuldigte er Moses und Ahron der Ueberhebung yno 'n Pnp t>y wann. Um die Entfernung der beiden Männer aus ihrer leitenden Stellung zu bewirken, scheute Korach nicht die Verbindung mit so zweifelhaften Elementen, wie sie Dathan und Abiram darstcllten. Diese Wichte hofften, bet einem Aufstande zu gewinnen, sich zu bereichern. Sie hätten es mit jedem gehalten, der ihnen Befriedigung ihrer Genuß- und Habsucht zugesagt hätte. Der ganze Makel, der in ihren Augen an Moses Person haftet, besteht darum darin: ub jnm uriN’an B'aai a^n nar pN bt< xb .Daai na» r6m Das alles hatte ihnen Korach in Aussicht ge-