Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1892)
- Date
- 1892-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 50. XXXIII. Jahrgang. Der Israelit! Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Audenkhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 23. Juni 5652 (1892). Da mit dem 1. Juli 1892 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Wir beginnen mit dem nächsten Quartal mit der Veröffentlichung von ——„Fürftengunst" _einer größeren Erzählung von S. Kvhrr, Verfasser von Gabriel. Wir können unbedenklich die neueste Erzählung des gefeierten Verfassers als eines der spannendsten Erzählungswerke, welches die moderne Literatur hervorgebracht, bezeichnen und unsere gesch. Leser werden schon nach wenigen Kapiteln erkennen, daß wir nicht zu viel behauptet haben. Den Mittelpunkt derselben bildet der Kaiserliche Oberhosrmd Oberkriegssaktor Samson Wertheimer, der noch jetzt in der dankbaren Erinnerung seiner Glaubensgenossen und in einer zahlreichen Nachkommenschaft fortlebt. Alle Träger des illustren Namens (Wertheimer, Wertheimber, Edle von Wertheimstein) in Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich sind diesem edlen Stamme entsprochen. Die Handlung des Romans ist innig mit den großen, welterschütternden, geschichtlichen Ereignissen verknüpft, welche das Schicksal der Helden beeinflußt haben, das Auftreten historischer Persönlichkeiten, Kaiser Karls, des Prinzen Eugen von Savoyen, der Erzherzogin Josefa, u. A. die Schilderung der politischen Kämpfe und diplomatischen Kabalen am Wiener Hofe, verleihen dem Werke das höchste Interesse und unschilderbaren Reiz. Es ist überreich an erschütternden Scenen von höchster dramatischer Wirkung, die Lösung des wundersamen Räthsels, welches den Knoten der Erzählung bildet, ist ebenso überraschend als befriedigend. Der berühmte Verfasser hat mit seiner bestrickenden Erzählungskunst scheinbar Ungleichartiges zu einem harmonisch schönen Ganzen verschmolzen. Es erfüllt uns mit inniger Freude, diese Erzählung, die dem Besten, was S. Kohn geschrieben, würdig an die Seite gestellt werden kann, den geehrten Lesern unseres Blattes darbieten zu können. ____ Redaetion des „Israelit". Leitender Artikel. Vergangenes md Gegenwärtiges. Betrachtung zu mp 'D ‘W von 8. - Fr onhausen. Der gesittete Mensch kann niemals Freude daran empfinden, wenn die rohe, vernunftlose Gewalt sich gegen Ordnung und Autorität auflehnt. Darum ist es auch kein erquickliches Bild, das der diesmalige Wochenabschnitt vor unseren Augen entrollt. Ein großer Theil der Gemeinde befindet sich im Aufstande, oder doch in sehr bedenklicher Stimmung gegen den hochverdienten Führer Moscheh und seinen friedliebenden Bruder. Und diesmal ist es nicht der Mangel an den elementarsten Bedürfnissen, an Wasser und Brot, auch keine Bedrohung durch einen übermächtigen Feind, was die Massen in Gährung bringt. — Die Aufwiegelung eines ehrgeizigen Mannes, der im Bunde steht mit einigen skandalsüchtigen, genußgierigen Gesellen, bringt es zuwege, das ganze Volk wankend zu machen in seiner Treue und Unterwürfigkeit gegen den erprobten Führer — die große Masse ist unzuverlässig, wetterwendisch. Auch im vorigen Abschnitte wird uns erzählt, wie das Volk Klagen gegen Moscheh erhebt, wie es sich von dem Brüderpaare abwendet und andere Führer zu erküren gedenkt, die es nach Egypten zurück geleiten sollen. In dieser ernsten Situation unternimmt Kaleb das Wagniß einer Beschwichtigung des Volkes. Nach dem Midrasch wandte er bei dem allerdings mißlungenen Versuche folgendes Verfahren an. Das Volk, welches ihn als Anhänger von Moses kannte, würde ihn nach den aufwiegelnden Reden der Kundschafter nicht angehört haben. vrn da nahm auch Kaleb die Miene an, als sei auch er zu den Gegnern Moschehs übergetreten. Das war ganz nach dem Sinne des meuternden Hausens, und lautlose