Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1892)
- Date
- 1892-06-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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892 Dame zu ermöglichen, so wird sie ihren früheren Bräutigam Haffen, wegen seiner Untreue gegen sie selbst und gegen seinen angestammten Glauben. Ihr Herz wird frei und ich vermag es für mich zu erobern. Ob sie dem Knecht Boleslaw diese merkwürdigen Berichte glauben wird? Ich muß es eben geschickt anfangen und ihr solche Beweise bringen, die kein Richter für falsch halten könnte, geschweige denn ein junges, unerfahrenes Mädchen. Wenn ich aber auch durch List Nichts bei ihr erreiche, durch Gewalt werde ich es sicherlich können, und ist sie erst mein, so wird die Länge der Zeit das Bild des ungetreuen Bräutigams verblassen machen und ihre Seele wild mir gehören. Iwan Alexandrowitsch Oststone wird ihr Geliebter,;iüirb ihr Abgott sein. Der Gedankengang des jungen Mannes wurde durch einen Diener unterbrochen, der einen rothhaarigen, getauften Juden herbeiführte; es war derselbe, der seiner Zeit im Gefängniß die Rolle des Berräthers gespielt hatte. „Ihr vermögt Hebräisch zu schreiben?" fragte Iwan, „das will ich wohl glauben, ob Ihr indessen auch im Stande sein werdet, eine hebräische Schrift täuschend nachzuahmen, bezweifle ich sehr." „Soll der Herr gesund sein und leben", entgegnete der getaufte Jude, der einer gesellschaftlich niedrig stehenden Klasse der Juden angehört hatte und in der deutschen sowohl als auch in der russischen Sprache das Mauscheln nicht zu unterlassen vermochte, „soll der Herr leben und gesund sein, wie ich kann machen noch jedes K'saw'). Hot der Ptertz*) Chaischik') zu bekümmen Rubeln gemohlt uf Gasettenpapter*), was ist awade a grauße Sach-" 1) Schrift. 2) Herr. 3) Gelüste. 4) Zeitungspapier. „Schwatze nicht, Hebräer! Hier nimm diese Briefe und versuche mir sofort eine Probe dieser Schrift zu geben." Der Rothhaarige nahm die Briefe Alexeis in die Hand und prüfte die Handschrift einige Sekunden lang. „Hot Ihr a Penn?5)", fragte er den jungen Mann. Iwan wies ihn an den Schreibtisch. Der Mann prüfte einige der daliegenden Schreibwerkzeuge. „Za spitz, zu spitz", murmelte er ärgerlich, zog aus seinem Rock eine in einem schmutzigen Papierchen eingehüllte Feder hervor, warf einige hebräische Sätze auf das Papier und überreichte sie Iwan. Dieser blickte erstaunt auf die grausen Schriftzüge, er vermochte kaum mehr zu unterscheiden, was Original, was Nachahmung war, denn der Schriftkünstler hatte geschickter Weise seine eigenen Buchstaben da auf dem Papier beginnen lassen, wo diejenigen Alexeis aufhörten. „Vortrefflich!" rief Iwan mit einer gewissen Begeisterung. „Ihr seid mein Mann. Schreibt mir einen Brief an ein Mädchen, das Rosa heißt. Der Verfasser des Briefes soll ihr Pflegevater Alexei Chatmowitsch Horwitz sein." „Ueh!" sagte der Getaufte, der diese Person offenbar zu kennen schien. „Was habt Ihr?" rief Iwan. „Ich well doch nit schreiben Alexei Chaimowitsch", entgegnete der Mann. (Fortsetzung folgt.) 5) Haben Sie eine Feder? Der .JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preßt des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirl ganzstihrtg, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhandri f» brsirhra »et E. /. Kleinackrr, Leipzig, Nostplah IS. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland u»d Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Schweizer. Presse über die Schächtfrage (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Danzig. Aus Sachsen. München. Würzburg. Köln. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. — Rußland: Moskau. — England: London. — Frankreich: Paris. — Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (Fortsetzung). Inhalt der Vellage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Darmstadt. Berlin. Breslau. Kleve. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich: Paris. — England: London. — Holland: Amsterdam. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.