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Der Israelit · 1892-06-20 · Heft 49 (20.6.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 49 (20.6.1892)
Date
1892-06-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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891 Afka schlug die blutunterlaufenen, vor Schmerz thränenden Augen zu ihm auf. „Noch einen Tag will ich Dir Zeit lassen, Dich zu besinnen. Willfahrst Du mir morgen nicht, so schwöre ich Dir bei dem allmächtigen Gott, ich lasse Dich zu Tode peitschen und Deine Leiche in den Dnjeper werfen. Morgen thust Du mir meinen Willen, oder der nächste Tag ist der letzte, den Du zu leben hast." Iwan eilte davon; im Abgehen befahl er noch, daß Jakow, an Händen und Füßen gefesselt, in jene Geheimzelle zurückgebracht werden solle, die er früher inne gehabt. In einem leerstehenden Gemache des Gefängnisses versah sich Iwan mit einem rothen Vollbarte, dann eilte er in seinen geschlossenen Wagen und fuhr nach seiner Wohnung. Das Telegramm, das in Chifferschrift, durch Verstellung der Buchstaben, abgefaßt war, meldete , daß der Gcheimrath Bluwo einen der Beamten einer chemischen Fabrik gefangen genommen habe, der bereits eingestanden hätte, die Dynamitpatronen, die man beim Fürsten Gutcsow vorgefunden hätte, gestohlen zu haben. Sollte jener Schurke etwa den Verräther spielen? Sollte der ganze mühsam aufgebaute Plan durch die Dummheit eines Einzigen zu Schande werden? Das war ja unmöglich, das konnte nicht sein! Was schadet das auch, wenn jener Beamte gegen ihn aussagte. Iwan müßte ihn als einen Nihilisten bezeichnen, dem nur daran gelegen sei, den Entdecker der großen nihilistischen Verschwörung zu verdächtigen oder zu vernichten. Aber um das behaupten zu können, war es nöthig, daß Iwan sich in Petersburg befand. Sollte er wiederum dorthin zurückkehren und seine hiesigen Angelegenheiten in Stich lassen? Und dann wieder in die Provinzialstadt reisen, um dieselben zum gewünschten Ende zu führen? Nein, das ging unter keinen Bedingungen. Er mußte hier vollenden, was er erstrebte und dann seine Beute nach Petersburg bringen. Ein neuer Plan durchzuckte ihn, er führte die Papiere bei sich, die man nach der Verhaftung Alexei Chaimowttsch's in dessen Wodnung mit Beschlag belegt. Es waren hebräische Aufzeichnungen in großer Menge, sie waren von der Hand Alexei's geschrieben. Kolascheff erschien in dem Arbeitszimmer Jwan's und meldete, daß der Befehl seines Herrn hinsichtlich des Gefangenen vollzogen sei. Auch berichtete er, daß ein Telegraphcnbeamter, der von ihm bestochen worden war, damit er ihm Kenntniß von allen Depeschen gäbe, die für seinen Herrn etwa von Interesse sein könnten, ihm verrathen habe, daß die Fürstin Lydia von dem Geheimrath Bluwo ein Telegramm erhalten habe, sie möge sich in der bewußten Angelegenheit sofort nach Petersburg begeben. Iwan wußte nicht, was das zu bedeuten hatte, er fürchtete aber Alles, was der Geheimrath unternahm. Uebrigens war es ihm nicht unangenehm, wenn die Fürstin verreiste; denn so hatte er freie Hand für sein Spiel. „Habt Ihr einen getauften Juden unter Euren Leuten?" fragte er Kolascheff. „Ich kann mit mehreren aufwarten", entgcgnete Jener. „Auch mit einem, der eine hebräische Handschrift täuschend nachzuahmen versteht?" „Einer von ihnen schrieb früher Bibelrollen für die Juden!" „Holt ihn herbei, und dann sorgt dafür, daß die Nachricht, die ich Euch jetzt mitgebe, morgen oder spätestens übermorgen in allen Tageszeitungen dieser Stadt zu lesen ist." Iwan ergriff eine Feder und warf hastig folgende Zeilen auf das Papier: Judentaufe. Dem Bemühen der Missionäre unserer heiligen Synode ist es gestern gelungen einen jungen, und diesmal sogar einen vornehmen und reichen Juden, für den reinen Glauben zu gewinnen. Jakow Alexandrowitsch Horwitz beißt der Apostat, dessen Taufe gestern in einer Vorstadt- Kirche stattgefunden. Wie man sagt beabsichtigt derselbe, sich demnächst mit einer vornehmen russischen Dame zu vermählen." Iwan überreichte seinem Werkzeuge das Papier; Kolascheff legte es zusammen, beförderte es in seine Tasche, er wollte gehen. „Noch eins, mein Lieber", rief Iwan, „ich werde Euch königlich belohnen, wenn meine Plane gelingen. Sorgt dafür, daß heute Nacht um 12 Uhr der junge Jude im Gcfängniß, sorgfältig gekleidet, meiner wartet; wir wollen ihn taufen lassen!" Kolascheff eilte davon, um den hebräischen Schreiber herbeizuholen; Iwan warf sich auf das Sopha. „Es wäre viel bequemer gewesen, den Nebenbuhler zu tödtcn. Was hätte ich dann gehabt? Hätte Rosa seinen Tod nicht erfahren, so würde es mir gewiß nichts genützt haben, und hätte sie ihn erfahren, so hätte sie sehr getrauert und es wäre mir lange Zeit nicht gelungen, das Bild des Verstürbe, nen aus ihrem Herzen zu verdrängen. So aber erreiche ich einen ganz anderen Eindruck bei ihr. Wenn ich ihr die unwiderleglichen Beweise bringe, daß Lydia Petrowna seit langer Zeit in den Gefangenen verliebt ist, und daß Jakow Alexandrowilsch nun die Taufe empfangen hat, uni eine Vermählung mit jener

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