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Der Israelit · 1892-06-20 · Heft 49 (20.6.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 49 (20.6.1892)
Date
1892-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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890 die Erhaltung dc§ coitfefftottcUeu Friedens hervorhob und hinzufügte, daß auch seinerseits sein Bestreben wie bisher dahingehen werde, daß derselbe durch Niemand und in keiner Weise gestört werde. Höchst a. M., im Juni. Bei den jüngsten Stadtrathswahlen wurde Herr Siegmund Ettinghausen in die Stadtverordnetenversammlung berufen. Die Gunst der Behörden wendet sich auch den hier bestehenden jüdischen Institutionen zu; so wird unsere Religionsschule nicht allein durch die unentgeltliche Ueberlassung eines Lokals und die nöthige Beheizung derselben bedacht, sondern sogar noch materiell unterstützt. Es ist wohl am Platze diese so überaus schönen Züge der hiesigen städt. Verwaltung öffentlich bekannt zu geben und damit den Wunsch zu verbinden, daß dieses friedliche Verhältniß der Consessionen zu einander in ungetrübter Weise fortbestehen möge. S. Rülzheim, Pfalz, 29. Mai. Selten bringt der „Israelit" Berichte aus unserer Pfalz; ich will es daher nicht versäumen, von einer Feier seltener Art Notiz zu nehmen, welche zu Ehren des Herrn Lehrers N. Salomon, der während 31 Jahren an der Oberschule dahier gewirkt, am 24. ds. statthatte. Nachdem sich eine stattliche Anzahl Herren verschiedener Eonfessionen zur Betheiligung im großen Saale des Gemeindehauses eingefunden, wurde Herr Salomon, von einer Deputation abgeholt, eingeführt. Zuerst ergriff der kgl. Distriktsschulinspector, Herr Luttenberger, das Wort und zeichnete in meisterhafter Rede das Leben, Streben und Wirken des Gefeierten, so daß dieser mit hoher Befriedigung ans die 47jährige, höchst erspießliche und gesegnete Berufsthätigkeit zurückblicken könne. Es habe deshalb auch die königliche Regierung in dem Erlasse, worin dieselbe die Pensionirung des Hrn. S. gütl. bewährte, diesem Herrn ihre „Anerkennung für seine vieljährige, treue Dienstleistung" ausgesprochen. Hieran reihte Hr. Synagogenvorstand Haas warme Worte der Anerkennung, wie Herr S. nicht nur in der Schule, sondern auch durch religiöse Vorträge und Interpretationen in der Synagoge belehrend und erbauend in der Gemeinde gewirkt, und überreichte im Aufträge der Cultusgemeinde als Zeichen der Anerkennung ein Geschenk. Gerührt und tief bewegt drückte Hr. S. in schwungvoller Rede seinen tiefgefühlten Dank ans. Daran schloß sich eine gesellige Zusammenkunft, die bis Mitternacht dauerte. Karlsruhe. Herr Dr. I. Schwarzstein dahier, der auf dem Gebiete des oriental. Schriftlhums schon manches verdienstvolle Werk heransgegeben und dem auch von maßgebender Seite — namentlich auch von dem nationalen Orientalen-Congreß in Stockholm — große Anerkennung zu Theil wurde, hat dem Großherzoge eine originelle Jubiläumsfestgabe gewidmet. Dieselbe bestand aus einem Werk, das arabische Sentenzen iu metrisch deutscher Uebersetzung enthielt. Sämmtliche Sprüche bezogen sich auf die Stellung des Fürsten dem Volk gegenüber: sie priesen die Tugenden weiser Herrscher ic. 2c. und waren der arabischen Bibelinterpretation der Sabbi-Saadia-Fayma entnommen. Herr Schwarzstein hat nun von dem Geheimen Habinet Sr. König!. Hoheit des Großhcrzogs ein anerkennendes Dankschreiben erhalten. Bern, 1. Juni. Der Bericht über die Ergebnisse der letzten Volkszählung ist jetzt im Druck erschienen. Die Zahl der anwesenden Bevölkerung betrug 2,933,334, davon: Protestanten 1,716,548, Katholiken 1,183,828, Israeliten 8069, anderen Consessionen Angehörende 9309. In Hidalmas (Siebenbürgen) wurde am ri"np YD ein D"iyn dvd feierlichst begangen. Oberrabbiner Samuel Panßth hielt in der Synagoge vor einem zahlreich versammelten Publikum eine längere, mit großem Beifall aufgenommene nism, in der er sehrgeistreich die hohe Bedeutung des rvD-Festes und der Ö'^n noD '-an schilderte. Nach dem nmv-Gebete und nachdem jedes Mitglied die ihm zu Theil gewordene 'roDa geschlossen hatte, nahm die n^D miyD ihren Anfang, welche volle 6 Stunden dauerte und mit geistreichen Vorträgen gewürzt wurde. In Algier entstand vorige Woche zwischen Juden und Arabern ein blutiges Handgemenge. 2 Juden und 3 Araber wurden gctödtet. Die Polizei verhaftete 25 Ruhestörer. Feuilleton. Der HünMng des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (49. Fortsetzung.) „Wer draußen", ries Iwan erschrocken. „Ich bin es nur, Herr". Iwan erkannte die Stimme seines Kammerdieners. Er ließ die Thüre ein klein wenig öffnen, durch die Spalte überreichte ihm der Diener ein dringendes Telegramm. Die Thüre wurde wieder verschlossen. Iwan riß die Depesche auf, nahm von ihrem Inhalt Kenntniß und erbleichte. „Ich muß gehen!" flüsterte er, „ich muß hin, unbedingt." Er blieb unschlüssig stehen und überlegte: „So sehr eilt es nicht, daß ich nicht die Exekution vorher zu Ende führen lassen könnte! Sonderbar, wie mich dieses Telegramm verstört. Ich habe die richtige Stimmung verloren. Die ganze Prügelei macht mir heute keinen Spaß mehr. Vielleicht ist es auch für meine Zwecke besser, wenn ich die Fortführung bis morgen verschiebe. Er hat heute alle Schrecken einer bevorstehenden Knutung durchkostet und diese Schrecken werden in der Nacht als Gespenster zu ihm wiederkehren. Das macht ihn vielleicht mürber, als es der augenblickliche Schmerz vermöchte." Er kehrte zu dem Gefesselten zurück. „Sieh mich an, Jakow," befahl er.

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