Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1892)
- Date
- 1892-06-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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888 Verwandten und Bekannten fortleben oSny p'nrr rw, wie auch die allseitige Verehrung in der außerordentlichen Theilnahme bei dem Hinscheiden und dem Leichenbegängnisse entsprechenden Ausdruck fand. So möge er auch dort der höchsten göttlichen Gnade theilhaftig werden, wie sie ihm hier so sichtbar beigestanden; möge sein verklärter Geist segnend aus die lieben Seinen herabschauen, er selbst in ihnen sortleben und sein Haus in dem echtjüdischen Geiste sortbestehen. Der edlen Gattin aber, die dem Heimgegangenen in allen Bestrebungen treu und liebevoll beigestanden, möge der Allgütige Trost und Stärkung senden und sie noch recht lange in Glück und Freude erhalten! Irnub man ybi Köln, 16. Juni. Herr Grüner, der frühere Vorsitzende des hiesigen Antisemiten-Vereins, wurde gestern wieder verhaftet, und zwar auf Grund eines von der Staatsanwaltschaft in Magdeburg unter dem 9. September 1891 gegen ihn wegen Betruges erlassenen Steckbriefes. Die Freilassung desselben war nur dadurch möglich, daß der hiesigen Staatsanwaltschaft die Acten gegen Grüner nicht Vorlagen. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 9. Juni. Eine Wiener Gewerbegenossenschaft hat die Aenderung ihrer Statuten in dem Sinne beschlossen, daß es christl. Meistern gestattet sein solle, nur christliche, jüdischen Meistern dagegen nur jüdische Lehrlinge auszunehmen. Die niederösterreichtsche Statthalterei hat jedoch die Bewilligung zu dieser Statutenänderung nicht ertheilt, da eine Einschränkung der geltenden Bestimmungen über das Lehrlingswesen in der Richtung, daß für die Annahme von Lehrlingen konfessionelle Schranken gezogen werden sollen, im Gesetze nicht begründet ist und eine Einschränkung der Rechte der Genossenschaftsmitglieder, beziehungsweise des Zutritts zum Gewerbe darstellen würde. Wien, 14. Juni. (Abgeordnetenhaus.) Präsident Smolka verweigerte die Verlesung der Interpellation des Abg. Hauck, welche Stellen aus konsiscirten antisemitischen Druckschriften enthielt. Unter lebhaftem Proteste der Antisemiten und Jungczechen schloß der Präsident die Sitzung. Budapest. Gelegentlich der jüngsten Anwesenheit des Bischofs Dr. Schlauch in Szarvas machten Deputationen aller Kirchengemetnden, auch der israelitischen, ihre Aufwartung. Auf die Ansprache des Rabbiners Dr. Reichhardt erwiederte der Kirchenfürst, daß er während seines ganzen Lebens die Liebe ohne Unterschied der Confession verkündigt habe. Rußland. Die russische Regierung genehmigte, der „Köln. Ztg." zu Folge, den Plan des Barons von Hirsch, in 25 Jahren 3,500,000 Juden aus Rußland in eine neue Heimath auswandern zu lassen. Es ist dabei eine vollkommene Unterordnung der Hirsch'schen Organisation unter die Regterungscontrolle vorgesehen. Im Jahre 1892 werden zunächst 25,000 Juden auswandern. Im weiteren Verlauf soll dann jährlich die Anzahl der Auswanderer gesteigert werden. In Petersburg übernimmt ein Hirsch'schrr Centralausschuß die Hauptleitung, in einigen anderen russischen Städten werden Lokalcomitös errichtet. Die auswandernden Juden treten vollkommen aus dem russischen Unterthanenverband aus, erhalten unentgeltlich die nöthigen Papiere und sind von der Wehrpflicht entbunden, ohne daß die zurückbleibenden Glaubensgenossen zur Zahlung von Strafgeldern für sie verpflichtet sind. Um der Rückkehr der Ausgewanderten vorzubeugen und zur Deckung von Unkosten muß die Association 100,000 Rubel bei der Regierung hinterlegen, die stets wieder voll zu ergänzen sind, sobald sie bis auf 25,000 R. verausgabt worden. Das Ministerium des Innern übernimmt die Ueberwachung der gesammten Angelegenheit. Moskau. Ein Jude Namens Silber heirathete im Jahre 1887 in dem Dorfe Nikolajewka. Obwohl sein Weib in diesem Orte geboren wurde und daselbst das Ansiedlungsrecht besaß, wurde Silber doch vertrieben; sein Weib durfte bleiben. Sie hatte ein 18 Monate altes Kind, und nun erhob sich die Frage, ob das Kind in dem Dorfe bleiben dürfe. Die Behörden entschieden, das Kind müsse zum Status des Vaters und nicht zu dem der Mutter gehörig betrachtet werden. Der Vater wurde idemzufolge gezwungen, dem Kinde außerhalb des Dorfes eine Amme aufzunehmen und es zu derselben zu geben, so daß die Mutter es jetzt nur von Zeit zu Zeit sehen kann. Silber hofft natürlich, er werde bald in der Lage sein, sich an einem Orte niederzulassen, wo er seinen Unterhalt finden und mit seiner Familie wieder vereint werde leben können. Dies ist ein ganz merkwürdiger Fall von der Austreibung eines 18 Monate alten Kindes. Wie man aus Warschau berichtet, werden bereits mit Genehmigung der russischen Regierung in Petersburg, Warschau, Kiew, Moskau und Odessa Comitös zur Regelung der JudenAuswanderung aus Rußland organtsirt, welche in allen wichtigeren Fällen sich mit dem Comits des Freiherrn v. Hirsch in Paris ins Einvernehmen zu setzen haben. Am 8. September soll die erste größere Parthie jüdischer Auswanderer nach Argentinien gehen. England. London, 15. Juni. Das Jewish Chronicle veröffentlicht ein Antwortschreiben Mr. Chamber-