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Der Israelit · 1892-06-16 · Heft 48 (16.6.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 48 (16.6.1892)
Date
1892-06-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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874 schutzes sich für ihre Ansicht, auf gleichwertige Fachmänner berufen könnten. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Herren Guillebau und Heß, Professoren an der hiesigen Thierarzneischule äußern sich hierüber in dem „Schweizer-Archiv für Thierhetlkunde" (Bd. 28, Heft 5) in einer Abhandlung: „Ist das Schächten auf dem Wege der Bundesgesetzgebung zu untersagend" in folgender Weise: „Die Angabe, es bestehe zwischen den Vertretern der Wissenschaft keine Einigkeit über die Frage, ob das Schächten qualvoller als die andern Schlachtmethoden sei, ist eine Behauptung, die auf Mißverständniß beruht. Die zahlreich abgegebenen Gutachten werden seit einer Reihe von Jahren gesammelt und gedruckt und sind daher leicht zugänglich. Nun sind allerdings die einen zu Gunsten, die andern zu Ungunftcn des Schächtens ausgefallen. Frägt man aber nach der Kompetenz der verschiedenen Autoren, die zur Feder gegriffen haben, so fällt auf, daß die Männer, deren volle Zuverlässigkeit in biologischen Fragen durch zahlreiche Arbeiten sich erwiesen hat — wir greifen unter den vielen bedeutenden Namen nur diejenigen von Birchow in Berlin, Fick in Würzburg, Chauveau in Lyon, Zangger heraus — sämmtlich die Ansicht vertreten, das Schächten sei nur scheinbar, nicht aber in Wirklichkeit eine Thierquälerei. Im andern Lager treffen wir keine einzige in der Biologie maßgebende Persönlichkeit. Bei dieser Sachlage dürfen wir wohl sagen, daß die Wissenschaft in Wirklichkeit ihr Urtheil gesprochen hat, und zwar zu Gunsten des Schächtens." (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Frankreich. Paris, 7. Juni. Dre „Alliance Jsraelite Universelle" und die jüdische Wissenschaft haben durch den vorige Woche erfolgten Tod des Herrn Isidore Loebeinen großen Verlust erlitten. Die Erstere sieht sich eines ihrer thätigsten Agenten, eines ihrer ergebensten Mitarbeiter beraubt, welcher mehr als zwanzig Jahre als Sekretär ihr Centralbureau in Paris mit außerordentlichem Eifer und in seltener Umsicht leitete. Unter dem bescheidenen und einfachen Titel eines Secretärs war der Verstorbene gleichsam die Seele der „Alliance." Er war es auch, der nebst Munk und Derenbourg, die jüdische Wissenschaft in Frankreich zu Ehren brachte. Geboren in Sulzmatt (Elsaß) als der Sohn eines frommen Rabbiners, widmete sich Isidore 2oeb dem Rabbinerstande, besuchte die Vorbereitungsschule des verstorbenen Oberrabbiners Klein inKolmar, von wo aus er in die Rabbinerschule zu Metz eintrat und feine Studien in Paris vollendete, als diese Rabbinerschule nach dieser Stadt verlegt worden. Einige Jahre war er Rabbiner in Saint-Etienne, von wo aus er nach Paris übersiedelte und die Stelle als Secretär der „Alliance" annahm. Seine literarische Thätigkeit erstreckte sich auf die jüdische und politische Presse, und verschiedene von ihm verfaßte Werke verschafften ihm in der wissenschaftlichen Welt einen berühmten Namen. Am isr. Seminar ertheilte er den jüdischen Geschichtsunterricht. Kurz nach der Berliner Conferenz für das russische Hilfswerk im Herbste, an deren Berathungen er sich in hervorragender Weise betheiligt hatte, überfiel ihn eine schwere und unheilbare Krankheit, die vorige Woche seinen Tod herbeiführte. An seinem Grabe sprachen sein Freund und Studiengenosse Grand-Rabbin Zadok Kahn, Narcisse Leven, Vicepräsident der Alliance Jsraelite, Theodore Reinach, Vicepräsident «äeZLtuäes llulks« und Grand-Rabbin Lehmann, Direktor des israel. Seminars. Paris. Der Oberrabbiner von Frankreich Zadok Kahn hat an die Oberrabbinen des Landes ein Circular ergehen lassen, behufs Mitwirkung zur Errichtung eines jüdischen Centralwaisenhauses für die Provinzen. Ein ähnliches Institut existirt in Holland, wo neben den Waisenhäusern in Amsterdam, Haag und Rotterdam ein solches in Utrecht für die Provinzen errichtet worden ist. vermischtes. Mainz, 4. Juni. In der heute Vormittag stattgehabten Verhandlung des Beleidigungsprozeffes des Lieutenants Leydhecker gegen die beiden Frl. Wocker, erlaubte sich der als Zeuge vernommene Lieutenant Fischer II. vom 87. Infanterie-Regiment eine Aeußerung, die doch festgenagelt zu werden verdient. Die beiden Damen Wocker waren nämlich beschuldigt, den Lieutenant Leydhecker dadurch beleidigt zu haben, daß sie ihrer Familie gegenüber behaupteten, er habe sie am 28. April durch unpassendes, aufdringliches Benehmen auf dem Wege nach Gonsenheim beleidigt. Diese Mittheilung der beiden Mädchen war nun insofern unrichtig, als nicht Lieutenant Leydhecker, sondern Lieutenant Fischer II. sie belästigt hatte. Bei der heutigen Zeugenvernehmung erklärte nun dieser Offizier, daß er die beiden Angeklagten für Jüdinnen gehalten habe. Nach den Begriffen des Herrn Lieutenant müßten sich also Jüdinnen solche Belästigungen gefallen lassen. Wiesloch, 7. Juni. Diese Woche starb in Flehingen bei Bretten, wenige Tage nach einem Sturze in den Keller, die verwittwete Frau Nan-

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