Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1892)
- Date
- 1892-06-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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870 Stellen iwthigt mich folgende öffentliche Erklärung abzugeben: Auf Seite 40, Zeile 18, soll ich in Bezug auf die Colonisation gesagt haben, „daß sich verhältnißmäßig ein sehr klägliches Resultat verzeichnen läßt." In Wirklichkeit handelt es sich jedoch an dieser Stelle nicht um die Colonisation im Allgemeinen, sondern um die von 1884—1890 in Rußland zu Colonisationszwecken aufgebrachte Summe von ca. 400,000 Mark, welche im Verhältniß zu der dort herrschenden Begeisterung für Palästina in der That als ziemlich geringfügig bezeichnet werden konnte. Ferner soll ich behauptet haben, daß von allen palästinensischen Colonien sich einzig und allein „Ekron" selbstständig erhalten kann. Die eigenthümliche Behauptung soll sich auf S. 45 meiner Schrift „Wo hinaus?" befinden. Dieselbe ist aber weder auf Seite 45 noch sonst irgendwo in meiner Schrift zu finden. Sie i st eins ach gefälscht. Ich halte es für meine Pflicht gegen derartige Nutzanwendungen meiner Schrift „Wo hinaus?" ohne Ansehung der Personen hiermit öffentlichen und ganz energischen Protest einzulegen. Paul D i m i d o w. Rand. Als der jüngst verstorbene Handelsminister Baroß, das eiserne Genie, das letztemal in Raab weilte, stattete er auch dem hiesigen Stationschef Bezöredy einen Besuch ab. Unter Anderem befragte er ihn auch, wie er mit seinem Eisenbahnbeamten-Personal zufrieden sei. „Excellenz", antwortete der Stationschef, „ich bin mit meinem Personal überaus zufrieden, und muß nebenbei bemerken, daß sich zahlreiche Israeliten darunter befinden." „Jawohl", versetzte der Minister, „auch ich habe die Israeliten als emsige, kluge, fleißige, ernste und verläßliche Leute kennen und schätzen gelernt." — Bekanntlich ist es in vielen Ländern Usus bei jeder Eingabe auch der Confession der Einzelnen Erwähnung zu thun. Minister Baroß schaffte sich von solchen Aberrationen vollkommene Ruhe, indem er den strengsten Auftrag ertheilte, ihm nur die Namen der Personen sammt deren Vorzüge zu notiren, nicht aber auch deren Confession, die im Dienste des Vaterlandes nicht berücksichtigt werden kann. Also bewahrte dieser Minister sein Ressort vor Ungerechtigkeiten. Wien. Anl 18. v. M. verschied nach längerem Leiden an einer heimtückischen Krankheit der Militär- Oberrechnungsrath I. Classe in Activität, Herr Friedrich Brannschweig, im 63. Jahre seines an Thaten reichen Lebens. Daß der leider allzufrüh Dahingeschiedene eine Capacität und ein hervorragender Mensch war, beweist wohl der Umstand schon zur Genüge, daß es derselbe beim Militärstande „von Pick auf" zum Range eines Obersten brachte, in einem Ressort, bei welchem man es nur durch eigenes Verdienst, durch Eifer, Fleiß und Hingebung an feinem Berufe zur höchst erreichbaren militärischen Stellung bringen kann. Trotz seiner großen Begabung und großem Talente war Braunschweig eine bescheidene Natur, die jede Ostentation vermied. Noch kurz vor seinem Tode verbat er sich bei seinem Leichenbegängnisse einen militärischen Conduct. Trotzdem fanden sich bei der am 22. v. M. am israelitischen Friedhofe stattgefundenen Bestattung seiner irdischen Ueberreste über 60 hohe Militärs, Kaineraden und Freunde aus der Militär-Rechnungs-Verpflegungsbranchc, der Intendanz und der Armee ein. Es waren unter Anderem auch erschienen Hofrath Lang, Hofrath Pistauer vom Kriegsministerium, die Oberrechnungsräthe Jonas, Kohlroß, Lekort, Zippert u. s. w. Braunschweig war Zeit seines Lebens dem Glauben seiner Väter ergeben und blieb demselben trotz aller Versuche treu bis zu seinem Tode. Braunschweig liefert ein eclatantes Beispiel, daß der allerhöchste Kriegsherr das Verdienst ohne Rücksicht auf die Confession würdigt. Beweis dessen seine rasche Carriöre und die allerhöchste Auszeichnung mit dem Franz Josefs-Orden. Dessen mögen alle diejenigen eingedenk sein, welche durch eine ehrvergessene, eines Mannes und Charakters unwürdige Convertirung vermeinen, zu einem schnellen Avancement zu gelangen. Feuilleton. Der Hünstking des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jo«. Lehmann, vr. phil. (48. Fortsetzung.) Draußen gab Iwan dem Obergefängnißwärter Auftrag, den Gefangenen so gut als möglich zu halten; was er nur wünsche, solle ihm gewährt werden, außer der Freiheit. Auch habe er jetzt jeden Tag ein Bad zu nehmen und feine Parfümerien seien ihm reichlich zur Verfügung zu stellen. — An dem Abend desselben Tages wurde der sanfte, stille Knecht Boleslaw als Diener in das Landhaus des Gouverneurs ausgenommen und gewann durch sein bescheidenes, mitleiderregendes Benehmen, schnell die Gunst Rosas. Am dritten Nachmittage, nachdem er eingetreten, erzählte er dem jungen Mädchen eine rührende Geschichte von einem Kinde seines früheren Herrn, das in Folge der Grausamkeiten, die an ihm während der Plünderung verübt worden seien, schwer erkrankt wäre und das man zu seiner bessern Versorgung bei einer jüdischen Familie in der Stadt untergebracht hätte. Es sei ein liebliches Kind, und sein Herz hänge ihm daran, dieses arme Würmchen einmal wtederzusehen und sich zu erkundigen, ob es nun die schwere Krankheit glücklich überstanden habe. Rosa erwirkte dem gefühlvollen, braven Menschen sehr gerne die Erlaubnis, den Nachmittag nach seinem freien Willen benutzen zu dürfen und gab ihm noch reichliche Geschenke, Spielsachen und Eßwaaren mit, für das arme, kranke Kind. Während der Zeit, die Iwan dazu brauchte, sich für den Nachmittag frei zu machen und sich umzukleiden, waren von Kolascheff, dem Werkzeuge