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Der Israelit · 1892-06-16 · Heft 48 (16.6.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 48 (16.6.1892)
Date
1892-06-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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868 Teftllin. in-i'i mpj 'n qw '2 pxn nay ihii »xia» i'^vn 'bx '2-> ivdti *]dd. Und ein badischerRabbiner verkündet in einer Bezirksgemeinde von der Kanzel herunter imAuftrage des Badischen Oberraths der Israeliten, man solle aufReisen nicht mehr öffentlichTefillin legen, weil dies der judenfeindlichen Strömung Vorschub leiste!! Ob auch die anderen badischen Rabbiner diese Weisung erhalten und sie befolgt haben, weiß ich nicht. Aber speciell in der Gemeinde, in der ich es hörte, hätte die Behörde noch ganz anderes zu ermahnen gehabt, dessen Beherzigung gewiß mehr dazu beitrüge, dem Judenhaß wirksam entgegenzutreten! Glauben denn die Herren Oberräthe und ihre geistlichen Helfershelfer wirklich, der Antisemitismus würde jetzt aufhören, wenn nur das öffentliche Tesillinlegen aufhört? Wie müssen doch Leute dieser Art, die solche Willkürlichkeiten aushecken und diejenigen, die ihnen Handlangerdienste leisten, für das Judenthum vollständig abgestorben sein! Und das sind unsere geistlichen Oberen, daß Gott sich erbarme! Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wie«, 26. Mai. Heute Vormittags wurde im Bezirke Alsergrund, Grünethorgasse 26, ein neues Lehilingsbaus seiner Bestimmung übergeben, welches der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten errichtet hat, nachdem Herrenhausmitglied Moriz Freiherr v. Königswart er sich bereit erklärte, die Bau- und fernerhin die Erhaltungskosten zu tragen. Das Gebäude wurde heute Vormittags feierlich eingeweiht. An der Schmalseite des Festsaales im ersten Stockwerk stand, von prächtigen Blattpflanzen umgeben, die Broncebüste des Kaisers. Vor 1/212 Uhr hatte sich hier ein diftingirtes Publikum eingefunden. Commerzialrath Leinkauf gab eine Darstellung der Geschichte des Baues und des Vereins. Zur Zeit zählte der Verein schon l 300 Zöglinge, welche mit Kleidungsstücken und Schuhen versehen werden. Am Schluffe drückte der Redner dem Baron Königswarter für die hochherzige Stiftung den Dank aus. Oberrabbiner Dr. Güdemann wendete sich in seiner Rede gegen den Vorwurf, daß die Israeliten arbeitsscheu seien, und sprach dann den Dank- und Weihespruch. Vice-Bürgermeister Dr. Borschke hob in lobender Weise die Freigebigkeit des Stifters des Hauses hervor; namens der Stadt Wien wünsche er dem Lehrlingshause eine glückliche Zukunft und füge den Wunsch bei, daß aus diesem Hause brave Handwerker, tüchtige Bürger und Patrioten hervorgehen mögen. (Beifall.) Eentral-Gewerbe-Jnspector Hofrath Ritter v. Mtgerka betont mit wie großer Genugthuung es ihn erfülle, daß eine Zeit, die zündenden, zerstörenden und vernichtenden Haß in alle Gassen schleudere, ein solches Werk hervorgerufen habe: es sei kein Grund zum Verzagen da, denn der Mensch müsse sich im Innersten erfreut fühlen, wenn er eine solche Bethätigung der Menschenliebe und der die Gesellschaft erhaltenden Kraft sehe, die alle Schäden heilt und bessert, und durch opferbereite Mitwirkung nützliche und kräftige Leute der Gesellschaft zuführe. Hierauf richtete der k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny, namens des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, an die Versammlung eine Ansprache, in welcher er sich über die verschiedenen großartigen Stiftungen des Freiherrn v. Königswarter verbreitete. Preßburg, 9. Juni. Mit großem Enthusiasmus und unbeschreiblicher Begeisterung wurde gestern in ganz Ungarn das 29 jährige Jubiläum der vollzogenen Krönung des Köntgspaares und der Wiederherstellung der alten Verfassung gefeiert. Alle Herzen der ungarischen Nation jauchzten im Uebermaß der Freude dem hohen Jubelpaare zu. Das ganze Land hatte festlichen Schmuck angelegt, und auch unsere alte Krönungsftadt an der Donau wetteiferte mit der Hauptstadt und anderen Städten, den Ausdruck der innigen Liebe und unverbrüchlichen Treue an den Tag zu legen. Aber nicht nur auf den König, den Vater des Vaterlandes im edelsten und ureigensten Sinne des Wortes, sondern auch vor Allem auf die mit schlichter Einfachheit gepaarte ruhige Größe seiner Persönlichkeit, auf die seltene, sich bis zur Selbstverleugnung steigernde Pflichttreue und Edelmuth, auf die liebenswürdige, echt menschliche Milde gegen alle Konfessionen, wodurch die sympathische Erscheinung unseres Königs einen so hinreißenden Zauber ausübt und alle Herzen gewinnt, sind stolzerfüllt die Augen der Nation gerichtet. Auch das ungarische Judenthum sieht, wie die Nation, in seiner erlauchten Persönlichkeit das Unterpfand seines Glückes und seiner Zukunft; unter seinem milden, gerechten und weisen Szepter sieht es sein Recht und seine Freiheit gesichert.. Wenn daher gestern in allen Synagogen von der Adria bis zu den Karpathen zum Lenker der Welten heiße Gebete empordrangen, um göttliche Huld und Segen im reichen Maße auf das Haupt unseres Königs herabzuflehen, so ist dieser Wunsch nicht nur ein Ausfluß der sprichwörtlichen Treue und Anhänglichkeit der ungarischen Israeliten an das Königshaus, sondern auch ein Ausfluß des Bewußtseins, daß noch kein König auf dem ungari-

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