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Der Israelit · 1892-06-16 · Heft 48 (16.6.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 48 (16.6.1892)
Date
1892-06-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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86- Wie mögen die von den Amalekltern aufs Haupt Geschlagenen voll Scham und Reue es ihrem Moses nachträglich gedankt haben, daß er fest und unerschütterlich bei Gottes heiligem Gesetz verblieben war, als sie es leichtsinnig Preis gegeben! Hätte Moscheh auch nur eine Spur von der Klugheit, der Connivenz, der Schwäche und Nachgiebigkeit gehabt, auf die sich eine nicht unbeträchtliche Zahl seiner heutigen Nachfolger so viel zu Gute thut, das ganze damalige Geschlecht, die ganze Zukunft Israels wäre dem unaufhaltbaren Untergange verfallen. Wenn es damals schon jüdische Seelsorger von dem heutigen Schlage gab und Moscheh hätte sie nur zu einer Conferenz zusammenberufen, um über Mittel und Wege zu berathen, wie man dem Drängen der öffentlichen Meinung in dieser kritischen Lage gerecht werden könne, ohne cr er der Bundeslade und ihrem Inhalt zu nahe zu treten, dann wäre schon Moscheh nicht Moscheh gewesen, und wenn er sich hundertmal das Recht gewahrt hätte, alles zu annulliren, was seine College» etwa Gesetzwidriges beschließen sollten. Daß das treue Festhalten an dem ausgesprochenen Willen Gottes unverrückbare Pflicht bleibt, wenn uns dieser Wille auch in die verlassenste Wüste weist, wenn die ganze öffentliche Meinung auch dagegen sich auflehnte, wenn er auch im grellen Gegensätze stünde, zu allem, was die Zeit fordert, diese zuversichtliche Ueberzeugung hätte doch schon eine Erschütterung erfahren, wenn sie Moscheh erst zum Gegenstand einer Berathung gemacht hätte, wenn er auch nur denen Gehör geschenkt hätte, die hier von Toleranz, Temporisiren und Kompromissen gesprochen hatten. Und wie wäre die erleichternde ausgleichende, diplomatische Pastoralklugheit in einem solchen Augenblick in ihrem rechten Fahrwasser gewesen! Wenn je, so hätte damals die gemäßigte, vermittelnde, staatserhaltende Klugheit dem stabilen Moses das Unmögliche seines Standpunktes nahe legen können; wie man durch solch beharrliches Behaupten seines einmal eingenommenen Standpunktes sich die große Masse geradezuentfremdet, wie man gerade durch kleine, unwesentliche Zugeständnisse sich große Vortheile sichern, und so am besten der Conservirung des Bestehenden dienen könne, wie das Volk, wenn es Führer und Bundeslade verlasse, sie gerade dann am nöthigsten hätte, wenn daher die Masse nicht mehr der Bundeslade folgen wolle, so müsse diese jener Heeresfolge leisten und wie die schüchternen Versuche alle heißen, die Halbheit und Schwäche in plausible Formen zu kleiden. Und Moses? Moses und die Bundeslade Gottes wichen nicht aus der Mitte des Lagers! Aus diesem Zuge unseres ersten Rabbiners könnten manche Lehrer, Vertreter und Zertretet der „mosaischen Religion" Manches lernen!- Zeitungsnachrichten ttttb Correspouderrzen. Deutschland. In seiner Begrüßungsrede an die „Evangelische Vereinigung", die in diesen Tagen ihre Generalversammlung in Danzig abhielt, hat Oberbürgermeister Dr. Baumbach unter Anderem folgende Worte gesprochen: „Mit wahrer Betrübniß muß es uns erfüllen. wenn heute in manchen Gegenden unseres Vaterlandes die niedrigsten Leidenschaften entfesselt werden gegen deutsche Bürger, welche dem mosaischen Glaubensbekenntniß angehören. So will es denn fast scheinen, als ob wir in Deutschland, wenn wir demnächst die Bilanz des scheidenden Jahrhunderts ziehen werden, neben gewaltigen nationalen Errungenschaften und großen Kultursortschritten, auf einem Gebiete Rückschritte zu verzeichnen haben sollten: auf dem Gebiete religiöser Toleranz! Meine geehrten Herren, Toleranz ist nicht Gleichgiltgkeit. Toleranz ist nicht Verzicht auf die Selbstständigkeit religiöser Ueberzeugung. Aber Achtung vor der Ueberzeugung Anderer, das ist Toleranz, und eben derjenige, welcher den eigenen Glauben hochhält, sollte auch an den Glauben des Anderen glauben!" Aus Westfalen, 6. Juni. Die köntgl. Regierung hat die seit neun Jahren bestehende jüdische Schule zu Altena aufgelöst und angeordnet, daß die Kinder jüdischer Confesston den evangelischen Schulen überwiesen werden. Aus dem Badischen. Man kann es nicht oft und laut genug sagen, daß alle ntchtjüdischen Antisemiten in allen Zeiten uns nicht soviel geschadet haben, als die jüdischen. Wo uns nichtjüdische Judenfeinde ihre Uebermacht fühlen ließen, hat dies dazu geführt, daß wir von unserer Umgebung zurückgewtesen, uns auf uns selbst zurückgezogen und mit doppelter und dreifacher Hingebung all das Herrliche pflegten und förderten, um dessen Besitz uns scheelsüchtige Mißgunst beneidet. In der Pflege der Thora und Erfüllung ihrer Pflichten finden wir dann reichlichen Ersatz für alles das, was uns eine ganze Welt engherzig versagte. Wer uns aber Thora und Mizwoth verleidet, der hat uns um unseren ganzen Halt gebracht und uns buchstäblich den Boden entzogen, der uns allein trägt. Von keiner Mizwo aber vielleicht ist uns so unzweideutig gesagt, daß ihre gewissenhafte, rückhaltlose Erfüllung uns die Achtung der nichtjüdischen Welt in dem Maaße sichert, als gerade Mizwas

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