Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1892)
- Date
- 1892-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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854 lächelnd geantwortetCrömieux-Foa sei nicht der „Netteste" dieser 300, er brauche ihm demnach auch nicht Rede zu stehen. Gerade der Angriff auf israelitische Mitglieder des Heeres — des Stolzes des französischen Volkes — läßt hoffen, daß vielen Leuten die Augen geöffnet werden. Indessen das sind vorderhand fromme Wünsche. Inzwischen fand zwischen Drumont nnd Crömieux ein Duell statt, wobei ersterer leicht verwundet wurde. Rußland. Dem „Daily New"-Korrespondenten in Odessa ist von einem Beamten mitgetheilt worden, daß sich in dieser Stadt noch über 10,000 mit ausländischen Pässen versehene Juden aufhielten. Die ihnen für das Verlassen ihrer Heimath gewährte Frist sei bis Ende Juli ausgedehnt worden. Herr Grünberg, der Präsident der jüdischen Auswanderungs- und Unterstützungs-Gesellschaft, habe ihm ferner erklärt, die Regierung mache jetzt einen Unterschied zwischen russischen Juden, die mit Hilfe eigener Mittel auswandern und solchen, welche das Land mit den ihnen von dem jüdischen Auswanderungs - Comit« zuertheilten Freibillets verlassen. Die Ersteren hätten das Recht, nach ihrer russischen Heimath zurückzukehren, während den Letzteren die Rückkehr nach Rußland verboten sei; der Zweck dieser Maßregel sei, sich der ärmeren Klassen von Juden zu entledigen. Amerika. Rew-Uork, 16. Mai. Gestern Nachmittag wurde der Grundstein zu der Synagoge der Gemeinde Kol Israel gelegt. Das im maurischen Baustyl auf den Bauplätzen 20 und 22 Forsyth Sir. aufzuführende Gebäude wird den Namen Kol Israel führen. Die Grundsteinlegung war ein Fest für die hiesigen, aus Polen eingewanderten Israeliten. Zahlreiche Delegationen hiesiger israelitischer Gemeinden waren erscheinen. Vor der Ceremonie der Grundsteinlegung fand eine Parade der zur Gemeinde Kol Israel gehörigen Vereine, sowie der Repräsentanten anderer israelitischen Gemeinden statt. Auf der Tribüne saßen sämmtliche prominente Rabbiner der Stadt. Fe« ille t o «. Per Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jo«. Lehman«, Dr. phil. (47. Fortsetzung.) „Nun, lange Reden zu halten, habt Ihr in der Geheimzelle noch nicht verlernt. Euer Mundwerk spielt noch immer recht kontinuirlich." Jakow erwiederte nichts auf diese Beleidigung, er hatte zu dulden gelernt und schwieg; das gefiel dem Czarengünstling. „Habt Ihr denn Euren damaligen kindischen Zornesausbruch, der mit kecker Hand das Heiligste verletzte, gründlich bereuet und versprecht Ihr Euch niemals mehr so schmählich von der Wuth fortreißen zu lassen?" „Der Psalmist", antwortete Jakow, „verkündet .* es soll kein fremder Gott in Dir sein, und die jüdischen Weisen fragen im Talmud, wie so denn ein fremder Gott, ein Götzenbild in uns sein könnte, da man ein solches Bild nicht in den Körper aufzunehmen vermöge." Iwan schauderte, er dachte an etwas, das er vor Kurzem an sich erfahren, an das Bild Rosas, und er schwieg betreten. Jakow fuhr fort zu reden: „Die Weisen des Talmuds aber wissen sehr wohl diesen räthselhaft scheinenden Ausspruch zu erklären. Der fremde Gott in Dir, lehren sie, das sind Deine Leidenschaften, Du sollst Dich nicht von ihnen fortretßen lassen, Du sollst ihnen nicht opfern, der Zorn soll nie über Dich kommen und Dich zum Sklaven machen. Die Leidenschaft, das ist der fremde Gott in Dir, dem Du nicht dienen darfst." Iwan erschrack. „Schweigt mir von Eurem schmutzigen Talmud!" schrie er, dem Andern in die Rede fallend, denn eine solche Lehre über die Leidenschaft war ihm recht unbehaglich. „Ich bin nicht in dieses Hundeloch gekommen, um abgestandene und verbrauchte Philosophterereien mir vortragen zu lassen. Haltet jetzt Euren Mund, bis ich Euch die Erlaubniß zu reden gebe, und hört genau zu. Ich biete Euch das Höchste an, was der Mensch zu besitzen vermag: Freiheit und Reichthum. Ein Wort von Euch und Ihr dürft noch heute die Festung verlassen, ich gebe Euch eine große Summe Geldes und Ihr könnt hingehen, wohin Ihr wollt. Heda, seid Ihr wohl damit einverstanden?" fragte Iwan mit häßlichem Grinsen. Jakow war noch bleicher geworden wie zuvor, heftig begann er zu zittern bei dem Gedanken, an die so heiß ersehnte goldene Freiheit, bei dem Gedanken wieder mit seiner Rosa vereint zu werden. „Und was verlangt Ihr dafür von mir, gnädiger Herr?" stöhnte er. „Nicht viel, Ihr sollt nur einen Brief an jene Rosa Alexandrowna, deren Ihr Euch wohl noch erinnern werdet, schreiben, und Ihr mittheilen, daß Ihr in Eurer stillen Gefängnißhaft erst zur Erkenntniß Eurer selbst gekommen wäret, und nun erst bemerkt hättet, daß Ihr niemals sie, sondern eine ganz Andere, Ihr könnt schreiben, wen immer