Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-06-13 · Heft 47 (13.6.1892) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 47 (13.6.1892)
Date
1892-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448262--34289-2482221
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

853 sind an Hermann Abraham, Alte Jakobstraße 57/59 zu richten. Ebendaselbst werden auch Beiträge für den Armen-Speisungs-Fonds, sowie Gesuche behufs Speisung Armer aus Anlaß feierlicher Gelegenheiten entgegengenommen. Königsberg, NM., 22. Mai. Die Nachricht, welche wir jüngst betreffs des Schreibens eines Obertertianers am Samstag gebracht, bestätigt sich erfreulicher Weise nicht. Der betreffende Obertertianer ist nicht nur zum Schreiben nicht gezwungen, sondern es ist ihm die gewünschte Dispensation bereitwilligst ertheilt, ja das Extemporale, das der Lehrer Sonnabend schreiben lassen wollte, ist ihm zu Liebe sofort auf den Donnerstag verlegt worden. Von den Verdächtigungen gegen den Talmud über Moral und Religion der Juden ist nicht ein einziges Wort gefallen. Es ist bedauerlich, daß der Berichterstatter sich nicht zunächst durch Anfragen bei dem betheiligten Lehrer und dem Direktor genau informirt hat. Bayreuth, 18. Mai. Bei Gelegenheit der am 16. Mai stattgefundenen 70jährigen Geburtstagsfeier Sr. Excellenz des Herrn Regierungspräsidenten von Oberfranken, Alexander v. Burchto rf f, war unter den vielen Deputationen, die dem hohen Jubilar ihre Glückwünsche darbrachten, auch die hiesige israel. Cultusgemeinde durch eine Deputation, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Kußnttzki, sowie den beiden Vorstehern HH. Seligsberg und Kurzmann vertreten. Herr Rabbiner Dr. K. hielt eine kurze Ansprache, in welcher er Namens der israel. Gemeinde seine Glückwünsche darbrachte und den Segen Gottes auf den hohen Jubilar herabflehte. Zugleich sprach er seine Anerkennung und Dank aus für den Schutz und das Wohlwollen, welches die Juden Bayerns unter der Regierung des Landes wie des Kreises genießen. Seine Excellenz erwiederte hierauf mit einigen Worten des Dankes, auch daß er wohl wisse, daß unsere Religion Ehrfurcht gegen die Obrigkeit gebiete, wobeier schließlich hinzufügte: — „Seien Sie versichert, daß mir nichts ferner liegt, als der Antisemitismus." Dies ist ein erneuter Beweis für den Gerechtigkeitssinn und die Toleranz der bayer. Beamtenwelt, wie sich solche auch unseren Glaubensgenossen gegenüber stets gezeigt hat, und welcher in jetziger Zeit doppelt wohlthuend ist. M. Silbers chmidt, Cultusbeamter. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Bukarest. Die in der Strada Bravilor dahier gelegene Synagoge wurde letzthin Nachts erbrochen und aus derselben alles, was sie an Gold- und Silbergeräthen enthielt, entwendet. Es scheint jedoch, daß die Diebe nicht alles Gestohlene gut fortschaffen konnten, denn man fand mehrere große silberne Leuchter im Hofe der Synagoge begraben. Die Untersuchung ist eingeleitet worden. Dänemark. Kopenhagen. Die Wahl des Rabbiners Dr. Simons on zum Oberrabbiner von Dänemark erhielt mit Rescript vom 14. Mai die königliche Sanctton. Samstag den 21. Mat fand die Jnstallationsfeier in der Synagoge statt. Frankreich. Paris, 29. Mai. An einer von den bekannten Antisemiten Drumont und Marquis de Mores einberufenen antisemitischen Versammlung nahmen einige Hundert Studenten Theil. Es wurde eine Tagesordnung angenommen, worin die antisemitische Bewegung gebilligt wird. Hierauf veranstalteten gegen 100 Studenten vor der Redaktion des antisemitischen Blattes „Fretwort" eine Kundgebung. Paris, 31. Mai. Das kecke öffentliche Auftreten des Antisemitismus bei der Rothschild'schen Hochzeit von neulich hat eine Aufregung in den Gesellschaftskreisen erzeugt, welche noch nicht weichen will. Es ist das sehr leicht erklärlich, weil der Antisemitismus in dieser öffentlichen Gestalt hier etwas durchaus Neues ist. Die Ausrufe „ä la bas les youtres “! und ähnliche hat man in dieser Wildheit öffenllich noch nicht gehört; manche Leute wunderten sich sogar über das dem deutschen „Jude" nachgebildete Wort „youtre“, als hätten sie es noch nie gehört. Eine Versammlung der Antisemiten im Gymnase der Cesari hat den antisemitischen Führern einen weiteren Erfolg gebracht. Der bekannte Gassenhauer wurde sofort auf die Israeliten zugestutzt und mit namenlosem Gebrülle gesungen: „Conspuez les juifs!“ Das alles ist freilich sehr schlimm, wenn es auch durchaus nicht überschätzt werden darf; solche Stinkeblasen wirft das Leben einer Weltstadt, ein solcher Weltsumpf — wie Parts in dieser Beziehung einer ist — alle Nasen lang auf. Aber man denke an den Boulangismus, der ebenso schwach anfing; an den Anarchismus, der jetzt ganz Frankreich in Athem hält. Die warnenden Stimmen, welche bei diesen Anfängen des Pariser Antisemitismus erschallen, sollten wenigsten gehört werden, damit das Gefährliche im Keime erstickt werden könnte. Die Artikel Drumonts in dem Antisemitenblatte „Libre Parole" sind schon ein bedenklicher Schritt vorwärts auf der Bahn der Antisemiten. „Les Juifs dans l’Armee!“ Also in die Reihen des nationalen Heeres treiben Drumont und Genossen ihre Keile! Zwar hat der Dragonercapitän Cremieux-Foa an Drumont geschrieben, daß dieser mit seinen Angriffen auf die 300 israelitischen Offiziere des Heeres ihn persönlich beleidige. Drumont hat aber kalt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.