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Der Israelit · 1892-06-13 · Heft 47 (13.6.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 47 (13.6.1892)
Date
1892-06-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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852 mäßige Folge, ziehen Hunderte anderer nach sich fort aus unserer überfüllten Stadt. Wir sind hier bezüglich der Größe und der Conscquenzen unserer Disposition in eine Ausnahm, stcllung gedrängt, durch die gegebene Thatsache, daß wir für 90°/o der gelammten jüdischen Einwanderung in größerem oder geringerem Grade Versorgung zu suchen haben, und zu diesem Behufe alle Chancen ausnützen müssen, welche uns die Resourcen des ganzen Landes bieten. Dieser drängenden Macht der Verhältnisse gegenüber können wir, selbst wenn wir es wollten, uns nicht darauf beschränken, lokale oder staatliche Interessen zu vertreten, und mußten behufs richtiger Verkeilung der unserer Versorgung harrenden Massen über das ganze Land einen controllirenden, nationalen Wirkungskreis zu dem unsrigen machen. Wir anerkennen gern den großen Werth der Mitwirkung unserer Schwcstergcsellschaften im Lande, welche uns geholfen hat, so Großes zu verrichten, und werden fortfahren, unter Berücksichtigung ihrer berechtigten Wünsche zielbewußt mit ihnen zusammen unsere besten Kräfte einzusetzen für Bestrebungen, welche verdienen, die berufensten Geister unserer Zeit um unsere Fahne zu schaaren. Die Gewalt der Umstände drängt groben und folgewichtigen Entschließungen zu. Es ist vor uns die Zeit raschen und praktischen Handelns, und nicht langwierigen Expercmentirens mit Plänen,, die trotz bester Intentionen ihrer Erzeuger, sich erst zu bewähren haben in derselben Schule, welche unser Institut während der sieben Jahre seiner Existenz zu durchlaufen hatte, in derjenigen praktisch geschäftlicher Erfahrung. Wir stellen die Ergebnisse der letzteren selbstlos in den Dienst der großen uns allen heiligen Sache, der Versorgung tausender Verfolgter, welche bei uns Schutz suchen, und beschwören unsere Freunde, mit uns zu sein bei Durchführung unserer Aufgaben in der Zukunft, wie sie uns in der Vergangenheit durch ihre Unterstützung geholfen haben, unsere Organisation zu einer starken und einflußreichen auszubilden. Möge die Größe unserer Ziele das einigende Band werden, welches uns stärke und Erleuchtung geben soll bei Erfüllung der größten Mission unseres Volkes in der Geschichte der Menschheit. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Mainz, 10. Juni. Herr Oberrabbiner Jizchak Elch an an Spector '"j in fäowno tfjeilt uns mit, daß in Wilrampaul (Slapadke) bei Kowno fast die halbe Stadt und zwar der bessere Theil abgebrannt ist. 300 Häuser, die alte ehrwürdige Synagoge und fünf d»bhid »na wurden ein Raub der Flammen, an 3000 Personen sind obdachlos. Die Roth ist unbeschreiblich groß. Der ehrwürdige Rabbiner bittet dringend um schleunigste Hilfe. Indem wir uns dieser Bitte anschließen, sind wir gerne bereit, Gaben entgegenzunehmen und an den genannten Oberrabbiner abzuführen. Berlin, 16. Mai. Die unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehenden Baruch Auerbachschen Waisen-Anftalten veröffentlichen ihren 59. Jahresbericht. In dem Knaben-Waisenhause befinden sich 50, in dem Mädchen-Waisenhause 26 Zöglinge, die größtenthetls den Unterricht in höheren Schulen genießen. Das erstere haben im Laufe des Berichtjahres sieben Zöglinge verlassen, welche, soweit sie Schüler höherer Lehranstalten waren, sämmtlich die Einjährig-Freiwilligen-Berechtigung erlangt haben, die Mädchen-Anstalt drei Zöglinge. Beihülfen zur Selbständigmachung bezw. Verheirathung früherer Zöglinge — von denjenigen des Mädchen-Waisenhauses ist bis jetzt gerade die Hälfte verheirathet — und sonstige Unterstützungen gewähren Stiftunkapitalien in Höhe von 281,835.42 Mk. Unantastbares Vermögen besitzen die Anstalten 741,581.13 Mk. bezw. 367,994.98 Mk. Die Ausgaben betrugen 49,603.89 Mk. bezw. 25,319.27 Mk., die Kosten der Verpflegung 11,449.36 Mk. bezw. 559015 Mk., d. h. 54 Pf. für den Tag und Kopf. Besondere Erwähnung verdient noch der als außerordentlich günstig bczeichnete Gesundheitszustand, die seit 1885 alljährlich wiederholte Einrichtung einer Ferienkolonie, in welcher die meisten Zöglinge die Sommerferien verleben, und der für eine Anzahl Knaben eingerichtete Handfertigkeitsunterricht. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren Louis Liebermann, Kommerzienrath Jacob Israel, Berthold Marckwald, Louis Gradenwitz und Kommerzienrath E. Lohnftein. Berlin, 2. Juni. Recht ansehnliche Verbrauchsziffern weist die „Israelitische Volksküche, Klosterstraße 99", während des ersten Halbjahres ihrer Wirksamkeit auf. Vom 30. November 1891, dem Eröffnungstage, bis zum 30. Mai 1892 wurden an arme Studirende und andere Nothleidende 21,749 Portionen umsonst verabreicht. Entnommen wurden außerdem 138,391 Mittags- und 48,012 Abendportionen. Dazu kamen 58,939 Portionen Kaffee bezw. Thee zu 5 Pfg. und 108,759 Brödchen zu 2 Pfg. Von mehreren Menschenfreunden wurden anläßlich der Gedenktage theuerer Verstorbener oder zur Feier freudiger Ereignisse Armenspeisungen veranstaltet. Gesuche um Bewilligung von Freitischen in der Anstalt, sowie um Verabfolgung von Freimarken zum Abholen der Speisen aus dem Hause

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