Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1892)
- Date
- 1892-06-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448262--34287-2482219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
851 Verantwortung auf sich nehmen wollen, für gefahrdrohende Eventualitäten, welche durch eine Massenaussendung Platz greifen kann nach Städten, in denen keinerlei Vorkehrungen für den Dienst unserer gemeinsamen Sache getroffen sind. Wir ziehen es vor, nach streng geschäftlichem Systeme unsere Dispositionen zu treffen, und passende Erwerbsgelegenheiten für unsere Schutzbefohlenen in bestimmten Orten voraus zu sichern, wo wir ihnen dann Helsen wollen, neue Heimstätten zu gründen. Wir sind sicher, bet prompter Durchführung solcher Maßnahmen der Vorsicht, selbst angesichts der schwierigsten Probleme der Gegenwart, Herr der Situation zu bleiben und Vertrauen einzuflößen den Massen, deren Führung und Versorgung wir in vollem Bewußtsein unserer Verantwortlichkeit übernommen haben. Natürlich müssen wir die Anerkennung einheitlicher Disposition bei Unterbringung dieser Massen als eine unerläßliche Voraussetzung hinstellen, bei den Maßnahmen aller Schwestergesellschaften im Lande. Es ist solches dringend geboten, um eine Ueberfüllung einzelner Arbeits-Distrikte zu vermeiden, in denen unser Departement eine Anzahl von Familien bereits placirt oder deren Ansiedelung in Absicht hat. Eine solche Ueberfüllung einzelner Arbeitsplätze muß naturgemäß ein zu starkes Arbeitsangebot seitens unserer Schutzbefohlenen erzeugen und den legitimen Werth ihrer Leistungen vermindern. Unser Departement sucht solchen Schwierigkeiten vorzubeugen, indem dasselbe nach Erhalt eines Auftrags für Arbeitskräfte von irgend einem Orte außerhalb des Staates New-Aork, die nächstbelegene Schwestergesellschaft von der vorhandenen Arbeitsgelegenheit verständigt und die Ausnutzung derselben ihr überläßt, wenn geeignete Applicanten für Beschäftigung in ihren Büchern figuriren. Nur im Falle solche Arbeitsgesuche bei der angefragten Gesellschaft nicht vorhanden, vollführen wir einen Auftrag direkt von den Reihen unserer hiesigen Applicanten. Unsere ganze Thätigleit spitzt sich einfach zur geschäftlichen Ausnutzung aller uns zugänglichen Arbeitsgelegenheiten zu, und die Größe unserer hiesigen Organisation ist uns einfach aufgezwungen von der Größe der Aufgaben, welcher wir angesichts der Masseneinwanderung hier gegenüber stehen. Wie im geschäftlichen Leben Dringlichkeit der Lage und eignes Interesse den großen Ansporn zu energischem Handeln bilden, so sind auch die drückenden Verantwortlichkeiten unserer Position und das eigene Schutzbedürsniß, welches wir hier so stark empfinden müssen, die Haupttriebfedern zu zielbewußtem Pfadfinden von Mitteln und Wegen der Abhülse. Haben wir zunächst die Aufgabe, den Markt für eine bestimmte Claffe von Arbeit zu reguliren und uns unterrichtet zu halten, wo letztere in größerem Angebote und wo dieselbe in stärkerer Nachfrage sich befindet, so können wir bei bezüglichen Dispositionen mit unseren Schutzbefohlenen doch nicht als eine einheitliche Masse verfahren, da deren geistige und körperliche Anlagen individuell beurtheilt und behandelt sein wollen, um richtig verwendet zu werden. Aufträge für schwere Tagelöhner, welche wir von Berg- und Eisenwerken in Arkansas, Pennsylvania, Ohio und Tennessee in großer Anzahl erhalten (in manchen Plätzen werden 1000 bis 1500 Mann verlangt) können wir nur in vereinzelten Fällen ausführen, weil unsere Schutzbefohlenen, zwar den guten Willen, aber in Folge bisheriger kümmerlicher Lebensweise nicht die physischen Kräfte besitzen, welche erforderlich sind, um jene Arbeiten befriedigend zu besorgen. Werden dieselben nun unklugerwetse zu sochen Arbeiten gebracht und wegen ungenügender Leistungsfähigkeit bald wieder entlassen, so ist es nicht der armen Leute, sondern der falschen Disposition ihrer Berather Schuld, die ihrer Sache geschadet, anstatt genützt haben. In den meisten Fällen werden solche Hülfslose an fremden Orten gezwungen, ihre Arbeitskraft für irgend einen Hungerlohn zu verwerthen und dadurch deren legitimen Werth auch für Andere zu schädigen. Ebensowenig erscheint es praktisch, besondere Institute zu schaffen, welche die Versorgung von Home Labor und Immigrant Labor trennen und getrennt verwalten sollen. Fast mit jedem Aufträge für eine Anzahl von Arbeitern oder Familien, welchen unser Departement erhält, ist die Vorschrift begleitet, solche nur dann zu senden, wenn wir mit ihnen englischsprechende, mit den Arbeitsverhältnissen des Landes schon erfahrene Leute mitgehen lassen können. Ohne letztere könnten wir kaum fünf Prozent solcher Aufträge ausführen, und wir verdanken es der Kontrolle, welche wir über beide Klassen von Arbeit hier führen, daß wir uns eine leitende Stellung auf dem Arbeitsmarkte gesichert haben als anerkannter Mittelpunkt für die Jndustriearbeit des ganzen Landes. Die große Zahl von Arbeitssuchern, welche die enorme Einwanderung im hiesigen Hafen uns naturgemäß zusührt, bietet neben den großen Schwierigkeiten einer einheitlichen Disposition, auchgroßeVortheile für ihre Placirung in allen Theilen des Landes. Dutzende auswärtiger Fabrikanten, welche New-Iork geschäftlich besuchen, kommen täglich nach unserer Office und finden bei der großen Auswahl von Arbeitskräften, die wir bieten, stets eine Anzahl ihnen passender Leute, und diese, als eine regel-