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Der Israelit · 1892-06-08 · Heft 45-46 (8.6.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 45-46 (8.6.1892)
Date
1892-06-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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830 Frankreich. Paris, 27. Mar. Bei der gestrigen Trauung eines Fräuleins v. R oths ch i l d mit einem Baron Leonino versuchten gegen 15 Antisemiten eine Kundgebung vor der Synagoge. Einige schrieen: „Nieder mit den Juden!" Andere riefen eine Schmähschrift „Antyontre" aus, noch andere warfen Stinkgeschofse in die Wagen der Gäste und aufs Kleid der Braut. Die Polizei jagte die Bande rasch auseinander. Dänemark. Kopenhagen, 29. Mai. Die goldene Hochzeit unseres erlauchten Herrscherpaares ist auch in unserer Synagoge durch einen Festgoltesdienst feierlich begangen worden. Im Glanze der elektrischen Beleuchtung, welche seit vergangenen Peßach funktionirt, wurde unter Chorbegleitung das Morgengebet verrichtet; hierauf recitirte Hr. Cantor Simon den Psalm 45 und sodann bestieg Herr Oberrabbiner Simonsen die Kanzel, um unter Zugrundelegung des Verses der letzten Sidra: „Und Ihr sollet heiligen das fünfzigste Jahr" k. das seltene Fest zu feiern, dankend hervorzuheben, wie unter dem gnadenvollen Szepter unseres Herrscherhauses alle Unterthanen gleicher Huld theilhaftig werden, und dann mit einem tiefempfundenen Gebete für das Jubelpaar zu schließen. Unter den verschiedenen Deputationen, welche ihre Glückwünsche darbrachten, war auch unsere Gemeinde vertreten und zwar durch den Oberrabbiner und den Präses des Vorstandes, welche zu der Abends stattgehabten Galatafel eingeladen wurden. Unter den aus Anlaß der Jubelhochzeit Dekorirten befinden sich auch mehrere unserer Glaubensgenossen, Vertreter der Wissenschaft und Industrie, welche mit Orden und Titeln ausgezeichnet wurden. Griechenland. Athen, 25. Mai. Aus verschiedenen Theilen Griechenlands werden neuerdings Ausschreitungen gegen Juden gemeldet. In Thessalien bestehen seit dem Wahltage ganz eigenartige Zustände, die hart an Revolution streifen; Sieger und Besiegte wetteifern dort miteinander in der Begehung blutiger Ausschreitungen und Ruhestörungen. In Trikkala, wo eine Judengemeinde besteht, Hausen die Anhänger der siegreich gebliebenen trikupistischen Kandidaten Hadschtgaki und Hadschipetro wie in erobertem Feindeslands. Jeder Andersdenkende ist ihren Fäusten und Knütteln preisgegeben, und selbst harmlose Leute haben unter ihrem Uebermuthe zu leiden. Das Regierungsorgan „Palingenesia" führt Nachstehendes ach Am Tage nach der Wahl griff ein Haufen Anhänger des Hadschigakt das Haus des Vorstehers der Judengemeinde, Herrn Jakob Stdy, an und zerstörte darin Alles, was nicht niet- und nagelfest war; einen ähnlichen Besuch erhielten die Häuser der Gebrüder Gtannosopoulo, Bankiers, der Kaufleute Jakobaki, Bekopulo und Telopulo, des Grundbesitzers Semi u. a. m.; überall wurden Möbel, Fenster und Thüren zerstört. Eine andere Bande wieder machte das Haus eines armen Juden Namens Pasa dem Erdboden gleich. Bemerkenswerth ist, daß sofort nach dem Wahlsiege des Hadschigaki große Angst in der Judengemeinde herrschte; die genannten Ausschreitungen wären daher, bet einiger Voraussicht, zu vermeiden gewesen. Athen, l. Juni. Aus Korfu werden, der „Magd. Ztg." zufolge, neue Ausschreitungen gegen die Juden gemeldet. Die Volksmenge plünderte mehrere jüdische Läden; das Militär stellte die Ruhe wieder her. > Vermischtes, -ch- Worms. Gelegentlich der Berathung über die Erweiterung des hiesigen Bahnhofes in der Stadtverordnetenversammlung, in welcher die Hess. Ludwigsbahn vorschlug, einen Theil des Eommunalfriedhoses dafür zu verwenden, äußerte Freiherr von Heyl zu Herresheim, Mitglied der hessischen ersten Kammer unter Ablehnung des Vorschlags: „Er wollte einmal sehen, was geschehe, wenn ein drittes Geleise nach dem Sophienplatze hin über den isr. Friedof gehen sollte. Ein Sturm der Entrüstung würde alsdann durch die ganze Presse gehen. Was den isr. Friedhof wesentlich geschützt habe, das sei das stark ausgeprägte Pietätsgefühl der Israeliten für die Abgeschiedenen. Dies sei ein Beispiel, der durchaus Nachahmung verdiene." Wenn diese Aeußerung für uns auch nichts Neues bietet, so freuen wir uns derselben aus diesem Munde. Wochen - Kalender. Freitag, 10. Juni, 15. Siwan. Sabbat-Anfang 7 Uhr 30 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 11. Juni, IK.Siwan. "1 p"iD ,"jn^J>rD Sabbat-Ausgang 9 Uhr 05 Min. (Mainzer Uhr.) In denjenigen Staaten, in welchen mitteleuropäische Zeit eingeführt ist (also bis jetzt in Baden, Bayern, Elsaß und Württemberg), ist die oben angegebene Zeit, abgesehen von der Umrechnung der Mainzer Uhr in die betreffende Ortszeit, um etwa 25 Minuten später zu berechnen. Feuilleton. I>er Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Io«. Lehman», Dr. phil. (46. Fortsetzung.) Zum ersten Male wieder seit vielen Wochen wurde die Zelle Jakow's geöffnet und der bleiche, junge Mann in die frische, freie Luft hinausgeführt.

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