Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 45-46 (8.6.1892)
- Date
- 1892-06-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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829 Verfahrens Tausende von Mark an Ablwardt bezw. den Grafen Königsmarck abtreten und wurde infolgedessen dem finanziellen Ruin nalegebracht. Vielleicht kommt die Zeit, in welcher man das Ahlwardt'sche Schuldregwer auch nach dieser Richtung hin nochmals eingehend prüft. kanten, 30. $lal Der „ffvht. Volksztg." wird von hier gemeldet: Die Strafkammer des Landgerichtes in Cleve hat gegen A. Buschoff das Hauptverfahren eröffnet, dagegen bezüglich der Frau und Tochter Buschoffs, dem Anträge der Vertheidiger entsprechend, auf Außerverfolgungsetzung erkannt. Nunmehr wird das Oberlandsgericht in Köln anzuordneu haben, ob statt des Clever Landgerichtes ein anderes für die Hauptverhandlung bestimmt werden wird. Zweibrücken, 20. Mai. Unser greiser Mitbürger Herr Sal. Reitlingcr, israUitischer Lehrer i. P., welcher noch vor einigen Tagen unter allgemeiner Antheilnahme seiner zahlreichen Freunde und Bekannten aus Nah und Fern in aller erfreulicher Frische seinen 80. Geburtstag beging, ist gestern Nachmittag nach kurzem Krankenlager entschlafen. Mit seinem Dahinscheiden hat ein arbeitsames, im Beruf, wie in der Familie reich gesegnetes Leben seinen Abschluß gefunden. Geboren am 12. Mai 1812 zu Wallerstein bei Nördlingen, widmete sich Herr Reitlingcr dem Lehrerberuf und kam 1849 von Feuchtwangen in die Pfalz, wo er in Pirmasens, Edenkoben, Brücken, Thaleischweiler, Essingen und von 1857 bis 1889 in unserer Stadt mit hingebender Treue des Amtes eines israelitischen Lehrers und Kantors waltete. Einen ergreifenden Beweis von der großen Liebe und Achtung, welche er sich während der langen Zeit seiner Wirksamkeit in hiesiger Stadt zu erwerben verstand, bildeten die herzlichen Kundgebungen zu seinem 80. Geburtsfeste, des Tages, welcher sich für den alten Herrn zu einem Ehrentage gestaltete. Dresden, 26. Mat. Die Rabbiner an den Synagogengemeinden von Dresden und Leipzig haben in Sachen des ministeriellen Erlasses betreffend das rituelle Schächten bei Sr. Exellenz Herrn von Metzsch Audienz gehabt. Derselbe hat, wie man uns ergänzend und berichtigend mittheilt, während der Dauer einer Stunde den Herren Gelegenheit gegeben, ihren Einwendungen gegen den Erlaß Ausdruck zu verleihen. Der Minister des Innern hat den endgiltigen Bescheid dem Beschlüsse des Gesammtministeriums Vorbehalten. Leipzig, im Juni. Aus dem gelobten Lande der Antisemiten, dem Königreich Sachsen, geht uns ein neuer schätzenswerther Beitrag zur Charakteristik antisemitischer Kampfesweise zu. Vor einiger Zeit erhielten fast sämmtliche Hoteliers im Königreich ein Circular, in welchem dieselben aufgefordert wurden, eine Anzahl namhaft aufgeführter antisemitischer Zeitungen zu halten; im Weigerungsfälle würden die Unterzeichner — es waren etwa 150 angebliche Geschäftsreisende — fortan in den betreffenden Hotels nicht mehr wohnen. Das erpresserische Circular ist nun allerdings von den meisten Empfängern unbeachtet gelassen und einfach in den Papierkorb geworfen worden. Es blieb aber nicht aus, daß einige Hoteliers gegenüber einzelnen der „Unterzeichner", als diese trotzdem ihr altes Absteigequartier wieder laussuchten, das Circular zur Sprache brachten, und da stellte sich denn mehrfach heraus, daß der betreffende Reisende das Schriftstück gar nicht kannte, geschweige denn seinen Namen darunter gesetzt hatte! In einem Falle war es der in der Geschäftswelt wohlgclittene Leipziger Vertreter eines großen auswärtigen Hauses, dessen Name in dieser Weise gemißbraucht war. Da der Herr in fast allen sächsischen Städten neben christlichen auch jüdische Kunden hat, mit denen er freundschaftlich verkehrt, stellte er Nachforschungen nach dem Verbreiter des Circulars an, um denselben zur Rechenschaft zu sziehen. Und wer war dieser Ehrenmann? Natürlich der hinreichend bekannte Herr Theodo r Fri tzs ch in Leipzig. Dieser sah sich jetzt genöthigt, dem Herrn, dessen Namen er gemißbraucht, folgende Erklärung anszustellen: „Auf Wunsch des .Herrn H. H. erkläre ich hiermit, daß nur durch einen Jrthum dessen Name unter das bewußte an die Hoteliers gerichtete Circular gelaugt ist. Herr H. hat nachträglich wegen dieses Mißverständnisses bei mir Einspruch, erhoben, jedoch war die Sache damals nicht mehr abzuändcrn, was ich hiermit ausdrücklich bekunde. T h eod. Fri tzs ch, Ing." Wie viele Namen der übrigen „Unterzeichner" mag Herr Theod. Fritzsch wohl noch „durch einen Jrrthum unter das Circular gesetzt haben? Und wie viele der Herren „Unterzeichner" dürften von diesem „Mißverständniß" noch heute keine Ahnung besitzen? Dieser Vorgang lehrt aufs Neue, daß es bei den agitatorischen Kunststückchen derjenigen, welche des „Ehrennamens eines Antisemiten würdig sind", ohne Fälschungen überhaupt nicht mehr abgeht. O esterr.-Ungar. Monarchie: Aus Budapest wird gemeldet: In Veszprim ist der Gutsbesitzer Anton von Freistädter, einer der reichsten Großgrundbesitzer Ungarns, gestorben. Vor einigen Tagen ließ er im ungarischen Kultusministerium eine Million Gulden hinterlegen, deren Zinsen durch zehn Jahre für die Errichtung und Erhaltung eines jüdischen Gymnasiums verwendet werden sollen.