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Der Israelit · 1892-05-30 · Heft 43-44 (30.5.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 43-44 (30.5.1892)
Date
1892-05-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Schöpfers, wird uns der Begriff der Einheit Gottes erst näher gerückt, wird Gottes Macht und Größe uns um so gewaltiger und größer erkennbar in dem Wechsel des Menschenlebens. Daß Er es ist, der da Seine Welt und alles Bestehende ins Dasein rief, ihr auch eine Grenze gesetzt hat; der da für jede Wunde, die Er dem Menschen schlägt, ob als Prüfung, ob als Strafe und Belehrung, auch das Heilmittel schafft; der da Licht und Ftnsterniß in ihrem Wechsel eingesetzt; der den Frieden und die Harmonie im großen Weltganzen in Seinen gewaltigen Himmelsschöpfungen und Naturkräften zu erhalten weiß, wie auch den Einzelwesen Friederl und Glück spendet, zugleich auch das Verderbliche geschaffen, das der Mißbrauch der Naturkräfte hervorruft; daß Er der Allumfassende, Allmächtige, Alles in sich Schließende der Einzige ist: Das ist der allein richtige Gedanke, durch den Gottes Größe und Erhabenheit ins Unendliche gesteigert wird, durch den die Gottheit so unendlich hoch über Seine Welt erhoben wird, durch den Er so unendlich hoch über uns thront. Das ist der wahre Gedanke, der jede andere Ursache, jeden andern neben Gott bestimmenden Einfluß auf uns und die Welt, ausschließt. Aus diesen scheinbaren Gegensätzen setzt sich das Leben, setzt sich die Gesammtschöpfung zusammen. Und nur von diesem Gesichtspunkte dü sen wir sie auffassen. Es gibt nicht ein Gott, der nur tödtet, verwundet, nur Leid und Sorge und Kummer bringt. Es ist derselbe Gott, der belebt, heilt, Licht und Glück, Freude und Friede schafft. So haben wir des Lebens Vorgänge zu verstehen. Dann werden wir dankbar zu Gott aufschauen, wenn Er uns in Seiner Güte des Lebeus heitere, schöne, friedliche Sette genießen läßt, und werden nicht verzweifeln, wenn uns das Leben seine Kehrseite zeigt, sondern werden versuchen, uns Gottes Gunst und Liebe zu erwerben. Mit diesem Gedanken tritt zuerst das Judenthum auf, bringt in die vielfach gespaltene Welt- und Gotttesanschauung Klarheit und Licht hinein, gegen den die verworrenen Bilder der Gottesidee aller anderen Völker wie krankhafte Ausgeburten der Phantasie erscheinen. Mit einem Worte gab Gott sein Zehngebot. Ein Gepräge tragen alle Seine Worte, Seine Gesetze. Die ganze min will und muß und kann nur so verstanden und aufgefaßt werden. An jenem großen Tage, in jener einzig erhabenen Stunde, als die befreiten Sclaven Egyptens am Sinai standen „und das ganze Volk einstimmig ausrief: Alles, was Gott geredet, wollen 810 wir thnn", das war das Erstemal, daß ein Volk zur reinen Gotteserkenntniß gelangte. Und vom Sinai zog es weiter in die Wüste zu Entbehrung und Mühe und Kampf. Und so war sein Geschick durch die Jahrtausende diesem ersten Zuge vergleichbar. Und doch harrte es aus, blieb fest bei seiner Gotteserkenntniß, hatte es ja das „Zehngebot" als Geschenk seines Gottes erhalten, das es überall mitnehmen konnte. Unser Volk hat der Welt das Beispiel gegeben, daß es durch Unglück und durch die Kehrseite des Lebens nicht nur von seiner Gotteserkenntniß nicht nachließ, sondern es gerade darin auch Gottes Vaterhand erkennen ließ und darum beispiellos fest und ausdauernd machte, seinen Muth und sein Vertrauen stärkte. Dieses seltenen Verdienstes halber um die Welt und seinem Gotte gegenüber stehe, wie N'KnB'D m hin '"i ovo erklärt, bei allen Opfern der Ausdruck Nvn, aber bei dem Opfer des Wochenfestes steht nicht das Wort Ntan. Gott habe gesagt: Da Ihr die min angenommen, den großen Pfltchtenkreis, so rechne ich das Euch an, als hättet Ihr niemals gesündigt. Dieser Gedanke, daß Israel ein nicht wegzuleugnendes Verdienst um Gott und die Welt hat, ein Verdienst, das uns für alle Zeiten zu Gute kommt, wird und muß uns mit Muth und Vertrauen erfüllen in dieser schweren Zeit der äußeren Noth und des inneren Verfalls. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Wiesbaden, 30. Mai. Von einem traurigen Gange kehren wir zurück. Es galt die sterblichen Reste eines Mannes der Erde zurückzugeben, der der Besten und Edelsten einer war, eines Mannes, dessen Bedeutung für die Religionsgemeinde, deren erstes und pflichtgetreustes Mitglied er sich nennen durfte, wir bereits heute an anderer Stelle zu würdigen versuchten. Ein schier unabsehbarer Menschenstrom, welcher der Hülle des verewigten Benjamin Wolf folgte, gab beredtes Zeugniß für die Liebe und Verehrung, die sich der Hingeschiedene bei seinen jüdischen und christlichen Mitbürgern erfreute. Von Fern und Nahe waren sie herbeigeeilt dem theuren Todten die letzte Ehre zu erweisen. Das Stadtverordneten-Collegium, mit deren Mitgliederschaft ihn die dankbare Vaterstadt vor wenigen Monaten beehrt hatte, war durch seinen Vorsitzenden Oberbürgermeister Herrn v. I b e l l, die isr. Religionsgesellschaft zu Mainz durch ihren Rabbiner Herrn Dr. Bon di, die Frankfurter isr. Religionsgesellschaft durch den Vorsteher Herrn

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