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Der Israelit · 1892-05-30 · Heft 43-44 (30.5.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 43-44 (30.5.1892)
Date
1892-05-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Die Einzige, gegen welche Boleslaw zutraulich und durchaus nicht wortkarg war, war Rosa, „denn," sagte der Knecht zu Rosa, „die Juden habe ich allein als wahre, milde, gutherzige und fromme Leute kennen gelernt und nur zu diesen kann ich Vertrauen haben." Wie ein Hündchen folgte Boleslaw der jungen Jüdin und jeder Wunsch, den er ihr nur an den Augen abiehen konnte, war ihm Befehl. Auch wußte er rührend von den Judenverfolgungen zu erzählen, die in Slobatka stattgefunden und der alte Mann konnte oft vor innerer Bewegung kaum weitersprechen, wenn er sich dieser schrecklichen Erlebnisse erinnerte. Die arglose Rosa war überzeugt davon, daß dieser Boleslaw ein Mensch sei, der sich ganz von den Regungen seiner Seele und von seinen Empfindungen beherrschen ließ. Immer mehr gewann er ihr Zutrauen und mehrmals verschaffte sie ihm einen freien Tag, damit er sich nach dem Befinden seines früheren Herrn auf dem Dorfe, von dem er mit so vieler Liebe und Anhänglichkeit sprach, Umsehen könne. Die Unglückliche ahnte nicht, in welch' schrecklicher Weise der treue Knecht diese Freistunden benutzte. Noch ehe Iwan in die Dienste des Gouverneurs getreten war, hatte er das Loos Jakow's, der noch immer im Gefängniß gehalten wurde, etwas verbessert. Er hatte durch ein Telegramm von Petersburg schon vor seiner Abreise angeordnet, daß der Gefangene aus der gräßlichen Gehetmzelle herausgebracht und in einen der wohnlichen und besser eingerichteten Gefangenenräume der Festung verbracht würde. Iwan verfolgte bei dieser Anordnung einen doppelten Zweck. Erstens wollte er durch den Wechsel des Aufenthaltsraumes verhindern, daß der Gefangene auf irgend welche gewaltsame oder heimliche Weise befreit würde, nachdem mau etwa von außenher einen unterirdischen Gang in die Zelle geleitet oder durch Ausbrechen einiger Mauersteine eine Verbindung der Zelle mit der Außenwelt hergestellt hatte. Es ist überhaupt ein oft befolgter Grundsatz bei manchen Gefängnißdirektoren, einen Gefangenen nicht allzulange in derselben Zelle in Einzelhaft zu lassen, da er bei so vieler Muße leicht etwas zu seiner Befreiung in der Zelle ausrichten kann. Iwan war längere Zeit von der Provinzialstadt entfernt gewesen, der Gefangene hatte Freunde genug, die ihm Brechwerkzeuge hätten zustellen können und außerdem beabsichtigte man überhaupt, ihn gewaltsam zu befreien. ES war also diese Vorsicht sehr richtig angewendet. Zweitens aber wollte Iwan durch die Verbesserung der Lage Jakow's diesem wieder etwas mehr Freude am Dasein beibringen, damit ihm eventuell das Scheiden aus der Welt desto schmerzlicher würde. Iwan hatte in seinem Leben schon eine Reihe vou Leuten gesehen, die längere Zeit in Geheimzellen für politische Verbrecher eingeschlossen waren, wußte sehr wohl, daß solche Leute schon nach verhältntßmäßig kurzer Zeit ganz apatisch und vollständig gleichgiltig werden gegen Alles, was an sie herantritt. Iwan aber wollte, daß die Lebensgeister jenes jungen Mannes wieder lebendiger aufflackern, damit er, beglückt durch diese Begünstigungen, die ihm soeben erfahren, sich neu an das Leben kettete und Iwan sich einen Erfolg versprechen konnte, wenn er ihn vor die Wahl stellte, zwischen einem grausamen Tode einerseits oder einem Verzicht auf Rosa und Ausführung der übrigen Wünsche Oststone's andererseits. (Fortsetzung folgt.) Drr .J-raelit" erschein' wöchentlich zweimal, MantagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preii de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Auchhanürl tzrstrtznl bei E. F. §> t r i n o th 11, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (.Hauptblatt): Leitender Artikel: Ein wunderbares Buch. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Mannhnim. Berlin. Altona. Leipzig. Zweibrücken. Simmern. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. — Rumänien: Bukarest. — England: London. — D'iix^laiib: Moskau. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Einheitsgedanke in den zehn Geboten. Von Nabb. Dr. Sänger. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Wiesbaden. Köln. Lübeck. — Aus der Schweiz: Schweiz. Inhalt der zweiten Beilage: Jahrzeit. Erzählung ans dem amerikanischen Leben von H. Berger. Verantwortliche Nedaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen, sowie die achte Lieferung der Erzählung „Die Familie y Aguillar" von Dr. Lehmann

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