Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 43-44 (30.5.1892)
- Date
- 1892-05-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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804 technischen Behauptungen in der Ahlwardtschen Broschüre der Widersinn klar zu Tage liegt. Altona, 26. Mai. Man schreibt uns: Die königl. Negierung hat die Wahl dcs Herrn Dr. Rosen selb leider nicht bestätigt. Begründet wurde die Nichtbestätigung mit dem Hinweise auf den Mangel der Zugehörigkeit zum deutschen Staatsverbande. Die Nachricht hat bei den hiesigen Gemeindemttgliedern große Verwirrung angerichtet und wird bei dem bevorstehenden Feste als ein bitterer Tropfen im Freudenkelche empfunden werden. Es ist vorläufig noch gar nicht abznsehen, wie der Verlauf der Rabbinerfrage sich gestalten wird. Sobald maßgebende Ansichten verlauten, werde Ihnen rrs davon Nachricht znkommen lassen. —oh— Leipzig. Es liegt uns eine größere Zahl Zeitungen aus verschiedenen Ländern vor, die sich mit unserer Schächt-Calamität mehr oder weniger eingehend befassen; denjenigen unter ihnen, welche auf Seiten der Religions- und Gewissensfreiheit stehend, mit uns die Hoffnung theilen, unser Ministerium werde einer Handvoll antisemitisch angehauchter Thierschützer zu Liebe, zu keiner Vergewaltigung der Israeliten Sachsens seine Hand bieten, sprechen wir an dieser Stelle unseren Dank aus. Von besonderem Interesse zur Beurtheilnng der ganzen Sachlage sind jedoch die gegnerischen Preßftimmen. Die wenig wählerische Art der Mittel und Miltelchen, die Armseligkeit der Argumente und die schlecht verhüllte Verbissenheit der ganzen Kampfesweise müssen doch jedem Unbefangenen sagen, in welche Gesellschaft er geräth, wenn er mit unseren Schächtgegnern an einem Strange zieht. In der Schweiz, in welcher der Antlschächt-Sport von allen Instanzen der Eidgenössischen Räthe eine entschiedene Abweisung erfahren hat, suchen die Gegner besonders Capital aus dem „Sächsischen Schächtverbot" zu schlagen. Sie suchen dabei den Glauben zu verbreiten, als sei das Schächten ohne vorherige Betäubung in Sachsen bereits de facto verboten und möchten Regierungen und Volk gern zu einem gleichen Schritt drängen, was aber bei dem gesunden Sinne des Schweizeivolkes und seiner Regierungen verlorene Mühe sein wird. — Die größten und angesehensten Schweizerischen Thierschutzvereine haben sich zudene öffentlich von der Agitation gegen das Schächten losgesagt, seitdem durch die eingehendste Enquete der höchsten Behörden, die Grundlosigkeit aller gegen das Schächten geltend gemachten Momente aktcnmäßig erwiesen ist. Dagegen fehlt es in Deutschland nicht an Bestrebungen, die unter der Etiquete dcs Thierschutzes an den Inden ihr Müthchen kühlen möchten. In dem Eifer, der dabei entfaltet wird, vergessen die Rufer zum Streit oft die primitivsten Vorsichtsmaßregeln zur Verschleierung ihrer eigentlichen Absichten. Die in Berlin erscheinende „Thierbörse", ein wenig gekanntes Blatt, das sich als Organ für Thierschutzbestrebungen ausgibt und von dessen Existenz wir jetzt erst zum ersten Male hören, räth den Israeliten Sachsens ihren Widerstand aufzuaeben. Als Beweis, daß das Schächtwesen die Gemüthcr revoltirt, wird das Votum von Schächtern angeführt, die gegen das Schächten sein sollen. Wohl gemerkt, das Votum wird registrirt, aber nicht die Namen derjenigen, die es abgegeben haben. Demgegenüber erlauben wir uns die Schlächter mit Namen anfzuführen, die sich zu Gunsten des Schächtens öffentlich aussprechen, und die Mängel Hervorlieben, welche den an dessen Stelle angeprieseuen Tödtungsarten anhaften: Erklärung der Ate tz g ein e i ft er in K öln: Die Unterzeichneten kölnischen Metzger christlicher Konfession erklären hierdurch aus Grund langjähriger Beobachtung und Erfahrung, daß das Fleisch rituell geschlichteter Thiere sich in Folge des reichlichen Blutausflusses im Sommer 1—2 Tage länger konservireu läßt, als das nach anderer Schlachtmethoden getödteter Thiere. Köln, 6. November 18X4-. Die Unterzeichneten Metzgermcifter: Th. Schulte, Heinrich Indern, Jean Weber, Theodor Hergarten, Conrad Monheim, «Enbert Schaas, Philipp Mircf), Joseph Schaffroth. Erkläru ng der Metzgermeiner in Karls ruh c. Die Unterzeichneten christlichen Metzger Karlsruhe's erklären hiermit, das; sie den älteril Schlachtmethoden den Vorzug vor den neuern (Bouterole und Schußmasket geben. Obwohl der hiesige Thierschutzverein Prämien auf die Verwendung der Schlachtmaske setzt, wird dieselbe nur ganz vereinzelt benutzt, weil sie sich als unpraktisch und mit dielen Onalcn siir die Thiere verbunden gezeigt hat. Für das gute Aussehen und die bessere Haltbarkeit des Fleisches empfiehlt sich das Schächten, weil bei diesem Schlachtversahren die Thiere am vollständigsten ansbluten. K a r l s r u h c, 2. Januar 188.T Philipp Stetter. Hugo Bösch. Louis Schneider. Jul. Morlock. Andreas Dratz. Gustav Dietrich. Will). Hoffmann. August Scherer. Hugo Melder. Wilh. Erxleben. Friedr. Jos. Bott. Friede. Geher. August Denuig. Karl Dittus. Hermann Hecht. Michael Kern. E r k l ä r n n g d e r M c tz g e r m e ist e r i n F r a n k fu r t a.M. Nachdem verschiedene Festungen über die Thätigkeit des im städtischen Schlachthanse angestellten Schlägers Berichte enthalten, die der Wahrheit nicht entsprechen, unsere dagegen eingesandten Berichtigungen aber aus uns unbekannten Gründen nicht ausgenommen wurden, sehen wir uns gcnöthigt, Nachstehendes zu ver-