Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 43-44 (30.5.1892)
- Date
- 1892-05-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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803 gangenen geehrt, indem sie ihn als Magistratsmitglied in die neuconstitutrte Stadtverwaltung gewählt hatte. Die allgemeine Anerkennung, deren sich der Verschiedene bei Lebzeiten bei seinen jüdischen und christlichen Mitbürgern erfreuen durfte, sie wird ihm übers Grab hinaus folgen und sie mag der Hinterbliebenen Wittwe, den vaterlosen Kindern ein aufrichtender und erhebender Trost sein. Die Gemeinde aber, der der Verstorbene zeitlebens angehörte und all diejenigen, welche dem Verblichenen besonders nahe standen, ihnen sei das Leben des Verstorbenen ein überzeugender Beweis für den Jrrthum unsrer, ihren religiösen Glauben modernisirenden Brüder, daß die heutigen Zeitverhältnisse es unmöglich machen würden, „starr festz uh alten" an dem Althergebrachten, wofür unsre Altvorderen in Tod und Flammen gingen. Das Leben des nun Heimgegangenen hat gezeigt, daß das charaktervolle Festhalten am Ueberlieferten, dem persönlichen Ansehen nichts weniger als schadet, während derjenige, welcher sich um den Erschwerungen seines Väterglaubens zu entgehen, in den Schooß der der persönlichen Bequemlichkeit angepaßten Religion des,, Zeitgeifts" flüchtet, gar oft selbst bei der christl. Mitwelt den wohlverdienten Namen der „Charakterlosigkeit" empfängt. Möge dieser Gedanke bei der Hinterbliebenen Familie und bet der Wiesbadener altisr. Gemeinde helfen, Männer bilden, die geeignet sind, die Lücke auszufüllen, die der Tod eines Mannes schlug, welcher diese Ideen sein eigen nannte. D. K. Mannheim. Umgeben von allen Gliedern seiner Familie — selbst aus Amerika waren solche herbeigeeilt, — beging am vergangenen Sonntag Herr Hauptlehrer L. Kern sein 50jähriges Berufsjubiläum. Zahlreiche und werthvolle Geschenke und Blumenspenden trafen von früh morgens bis spät abends in der Kern'schen Wohnung ein. Eine Deputation der vereinigten Verwaltung der isr. Krankenunterstützungsvereine gratulirte und dankte dem Jubilar für die Mitwirkung und Unterstützung in ihren Bestrebungen. Ferner erschien eine Deputation des Stadtrathes und der Schulkommission, an deren Spitze Herr Oberbürgermeister Beckwelcher die Glückwünsche dieser Collegten überbrachte, sowie ein Ehrengeschenk, bestehend in einer, mit einer Widmung versehenen prachtvollen Uhr mit Kette überreichte, und in beredten Worten die Verdienste des Jubilars um die Volksschule als Lehrer und als irrtermiftifcher Rektor hervorhob. Des weiteren wurde durch den Herrn Oberbürgermeister eine Widmung nebst einem werthvollen Silberkasten als Geschenk von 29 in New-Iork wohnenden früheren Schülern des Jubilars überreicht. Herr R e k t o r S ch i ck schildert Namens der Schulkommission, deren Mitglied Herr Kern seit einer langen Reihe von Jahren ist, die bedeutende Leistung, das friedfertige, leutselige Wesen und die pflichtgetreue, unermüdliche Hingabe im Berufe des Jubilars und wünscht ihm in herzlicher Weise einen wohlverdienten glücklichen Lebensabend. Eine Abordnung des Synagoge nraths beglückwünscht durch sein Mitglied Herrn Dr. Stadecker in warmen Worten den Jubilar und dankt diesem für die großen Verdienste, deren er sich als Volks- und Religionslehrer, sowie durch Förderung aller Institutionen um die isr. Gemeinde verdient gemacht habe. Eine Abordnung der Lehrerschaft, an ihrer Spitze der Senior Herr HauptlehrerSeelig bringt dem Jubilar den Dank und die Wünsche der Lehrerschaft. Die Geistlichkeit der verschiedenen Confessionen gratulirt dem Jubilar und dankt ihm für sein humanes, friedfertiges Bestreben in und außer der Schule, insbesondere für den me ns chenfreundlichenSinn bei Behandlung konfessioneller Fragen. Herr Altoberbürgermeister Moll überbrachte dem Jubilar ebenfalls seine Segenswünsche und hob die großen Verdienste hervor, die derselbe während seiner ganzen Lehrthätigkeit und während der Führung des Rektorats zum Wohle der Schule und der Stadt sich erworben hatte. Der Jubilar dankte auf die verschiedenen Ansprachen in herzlichen Worten. Schließlich wollen wir noch erwähnen, daß Herr Kern aus allen Kreisen der Einwohnerschaft beglückwünscht wurde und eine große Zahl Depeschen, sowie Zuschriften verschiedener Korporationen eintrafen. Möge dem braven, lieben Manne noch ein recht langes, glückliches Leben beschteden sein. Berlin. Polizeilich beschlagnahmt wurde heute früh die Ahlwardtsche Broschüre Heft 1 „Judenflinten", und zwar auf Grund eines auf den Seiten 14 und 15 enthaltenen Abschnittes, welcher den Titel trägt: „Wie der Staat betrogen wurde. Es scheint hiernach, daß die stattgehabte Untersuchung zu dem Ergebniß geführt hat, daß die in der Broschüre Heft 1 aufgestellten Behauptungen unwahr sind. — Gegen die Ahlwardtschen „Enthüllungen" über die „Judenfltnten" hat ein Offizier in einer bei Schretter, Berlin, erschienenen Broschüre das Wort ergriffen. In derselben wird ausgeführt, daß sich die Beschuldigungen Ahlwardts trotz aller seiner Ableugnungen gerade gegen das preußische Offizierkorps richteten. Nach der Broschüre könnten die Juden eigentlich sagen: so betragen sich die Christen in einer jüdischen Fabrik. Der Verfasser weist nach, daß in Bezug auf die