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Der Israelit · 1892-05-30 · Heft 43-44 (30.5.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 43-44 (30.5.1892)
Date
1892-05-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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802 Nach zwanzig Jahren sind die besten Bücher der Medicin und der anderen Wissenschaften veraltet. Nur das Buch der Bücher veraltet nicht. Es hält sich auf der Höhe jeden Fortschritts in jedem Alter. Man kann sagen, es geht aller Civilisation voran und giebt ihr die eigentliche Richtung. Alle Ungläubigen sind erbittert über dieses Buch, aber sie hatten ihm nicht eine einzige Seite herausreißen können, alle Mächte der Welt haben sich schon verbunden, es zu vernichten: Es ist widerlegt, heruntergerissen, ins Lächerliche gezogen, verbrannt und verdammt worden, mehr als alle anderen Schriften, aber es gleicht einem Amboß, der alle Schläge aushält. Alle Systeme, alle Philosophien, alle Angriffe und alle Gehässigkeiten brachen sich an ihm, ohne es zu erschüttern. Alles das ist wie weggefegt und untergegangen, jenes Buch aber ist geblieben und wird aufrecht bleiben. Es ist heute fast in 300 Sprachen übersetzt und breitet sich durch Millionen von Exemplaren alljährlich weiter in der Welt aus. Aber wohin das Buch auch gelangt, es bringt wunderbare Thaten zu Wege. — Das kommt daher, weil es das Buch Gottes ist. Hat man schon einmal sagen hören: „Ich war unglücklich, war die Schmach meiner Familie, eine Plage der Gesellschaft, da habe ich mich auf das Studium der Mathematik, der Botanik oder auf die Moralphilosophie geworfen, und bin von dem Augenblick an, ein vollständig anderer geworden?" Wohl aber konnte man nicht auf eine, nicht auf zehn oder Hunderte, auf Millionen Menschen konnte man Hinweisen, die es laut bekennen: „Ich war unglücklich, ohne Friede, ohne Hoffnung bis zu dem Tage, wo ich die wunderbare Macht dieses Buches kennen lernte. Es hat mein Leben umgewandelt, ich war meinen Lastern Preis gegeben, und nun ist der Friede in mein Herz und Haus eingezogen." Das ist das Wunder, welches dieses Buch täglich vollzieht. Und trotz dieses offenkundigen, alltäglichen Wunders, giebt es noch Menschen, welche die Sonne leugnen, die mit ihrer ganzen Gluthfülle ihre Leugner überfluthet! In wenigen Tagen sind es 3204 Jahre, daß uns Gott auserwählte von allen Völkern, indem er uns dieses sein Buch, seine Thora anvertraute! Jedes Jahr, das seit jenem denkwürdigsten Ereigniß verflossen, ist ein neuer Beweis für die Göttlichkeit unserer Thora, für ihre Geister und Gemüther, Menschen und Völker erobernden siegreichen Fortschritt! Und es giebt noch Menschen, jüdische Menschen, welche sich vermessen an diesem Weltwunder Kritik zu üben! Wir aber, wenn sich, in unseren Blumen geschmückten Gotteshäusern am Offenbarungsfeste der Thora die alten, heiligen Rollen öffnen, wollen uns geloben, treue Träger des lebendigen Gotteswortes zu sein und zu bleiben und diese Trägerschaft einst auch unseren Kindern zu vererben. Wie viel bittere Tropfen diese treue Trägerschaft auch uns und ihnen in ihren Lebenskelch träufeln möge, wir wollen aus tiefster Seele es dem Vater der Menschheit danken, das er uns die Thora der Wahrheit gegeben und damit ewiges Leben in unsere Reihen gepflanzt hat. Segen und Preis unserem Gott, der uns zu seiner Ehre geschaffen und uns von den Irrenden gesondert, indem er uns die Thora der Wahrheit gegeben und damit ewiges Leben in unsere Mitte gepflanzt hat! Möge er unser Herz öffnen durch seine Thora, und in unser Herz die Liebe zu Ihm und die Furcht vor Ihm senken, um Seinen Willen zu erfüllen und Ihm zu dienen mit ganzem Herzen, damit wir uns nicht umsonst abmühen und nicht für Wahngebklde unsere Kinder zeugen! Möge es Dein Wille sein, Gott unser Gott und Gott unserer Väter, daß wir Deine Gesetze hüten in dieser Zeitlichkeit und das Glück erlangen zu lelen, zu schauen und zu besitzen das Gute und den Segen in den Jahren der messianischen Zeiten und für das Leben der künftigen Welt!- Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, 22. Mai. Eine schmerzliche Meldung bringt das Telephon aus dem nahen Wiesbaden. Benjamin Wolf ist nicht mehr! Ein Schlaganfall hat dem Leben eines Mannes ein Ende gesetzt, dessen Andenken bis über die vaterländischen Grenzlinien, ewig in Liebe und Verehrung gedacht werden wird. Ein treuer Gesinnungsgenosse seines erst vor wenigen Jahren ihm im Tode vorangegangenen Vaters, war Benjamin Wolf mit eine der Hauptstützen der hiesigen altisraelitischen Cultusgemeinde, deren Gründer sein Vater Moses Wolf im Verein mit wenigen wackren Männern, die zum großen Theil schon die kühle Erde deckt, gewesen war. Von reiner „Jiroh" getragen, durchdrungen von den Ideen eines lauteren, unverfälschten und ungemischten Judenthums, war der Hingeschiedene von einem Wohlthätigkeitstriebe erfüllt, wie ihn eben nur ein Volk der B'tom 'I2 erzeugen kann. Die städtische Gemeinde hatte noch vor wenigen Monaten den Heimge-

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