Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1892)
- Date
- 1892-05-26
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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799 wachte durch beit Streit der Glieder, inachte sich wieder auf den Weg und trat vor den König mit den Worten: vier ist die Milch einer ^7^ (Hündin)! - Der König, über diese schmähliche Enttäuschung entrüstet, befahl, den Mann aufzuhängen. Als dieser zur Richtstätte ging, weinten alle Glieder bitterlich. Da ries ihnen die Zunge zu: Wollet ihr mich als Königin anerkennen, wenn ich euch rette? — Hoffnugsvoll willigten die Glieder ein. So lieft sie sich von ihnen zum König führen. — Warum befahlst du, mich zu hängen? sprach sie zn diesem. — Brachtest du mir doch Milch von einer Hündin, mn meinen Tod zu beschleunigen, erwiederte der König in seinem Zorne. — Glicht so, 0 König! Es ist die richtige Milch, die dich heilen soll, nur nannte ich die Löwin Hündin." n) Als man die Milch untersuchte, bestätigten sich des Mannes Worte und er war gerettet. — Sei es nun, daß in dieser Erzählung die Macht der Zunge und somit die Wahrheit des salomomonischen Spruches»: „Tod und Leben sind in der Gewalt der Zunge" (Spr. 18, 21) dargelegt und das Organ der Sprache als die Krone des Lebens gepriesen werden oder unter ironischer Verhöhnung desselben das am meisten hervorgehobene Herz, nach alter Anschauung der Sit; des Verstandes, zur Geltung kommen soll, so bleibt es doch immerhin beachtenswert!), daß die jüd. Phantasie die Werkzeuge des Geistes in den Vordergrund stellt, während 'die bereits angedeutete römische der sinnlichen Ernährung das Vorrecht vindizirt. Es ist ja zur Genüge jene Fabel bekannt, welche Menenius Agrippa anwendete, um das römische Volk, das in selbstbewußtem Auflehnen gegen die übermüthigen, reichen Patrizier, diese in Stich lassen wollte und zn diesem Zweck aus Rom auswanderte, zu besänftigen und zur Rückkehr zu bewegen. Es war die Erzählung vom Magen und den Gliedern. Jener Römer verwies daraus, daß ohne die sinnliche Nahrung kein Fortkommen sei, und diese biete ihnen Nom.'9 Die jüdische Dichtung aber gi e b t d e m G ei st e b ezw. dessen Organen die Krone. (Schluß folgt.) Beanüixn, S. Midrasch Tehillim oder haggadische Erklärung der Psalmen ins Deutsche von Pros. Dr. Au g. Wünsche. (Wien 1891. Sigm. Beiger.) Der Verfasser hat durch seine Uebersetzungsarbeiten der Midraschim sich bereits einen geachteten Namen erworben, und so wird auch der Name allein schon dem Buche den Weg in die Bibliotheken ebnen. Die Aufgabe ist keine geringe und besonders der Midrasch Tehillim fordert eine Summe von Aufmerksamkeit und Arbeitslast bei seiner Uebersetzung heraus.1 Wenn" Ijier| manches dem 11) In den früher. Ausg. des Midr. schochar tob steht für Nro?3. Das stimmt auch besser zn ,T:r „V'tftvm". Der Mann hatte offenbar gestottert. 12) Livius, Bch. II, 32. Lesenden undeutlich bleiben und zusammenhanglos erscheinen wird, so ist das nicht die Schuld des Uebersetzers, sondern des spröden Stoffes, der sich schwer in eine neue Form umgießen läßt. Allerdings hätte an mancher Stelle eine Note zur Aufklärung des Verständnisses genügt, und hoffentlich wird der Vef. in der versprochenen Einleitung einige Mittheilung über die Art und Weise der haggadischen Hermeneutik machen; nichtsdestoweniger hätte ein kleiner Wink hier schon den Leser über manches Dunkele aufklären können. So wird z. B. ohne Aufklärung der Vergleich zwischen Moses u. David (S. 2), daß wie jener das Meer, dieser die Ströme theilte, dunkel bleiben, wenn nicht darauf aufmerksam gemacht wird, daß nach einer oft geübten Methode die Buchstaben n und n mit einander in der Hermeneutik verwechselt werden und das imam als irnarQ genommen wird. Der Verfasser hat seiner Uebersetzung die neue Ausgabe von Buber zu Grunde gelegt, jedoch bisweilen übersehen, daß manche Zusätze nicht geradezu als richtig von dem Herausgeber angesehen werden, und dadurch sind der Uebersetzung bisweilen Schwierigkeiten entstanden, die hätten vermieden werden können. Im übrigen sei hier Folgendes angemerkt: S. 3 „Heil den Propheten, die das Gebilde mit dem, der es gebildet u. s. w. vergleichen." Die Citate ergeben das Umgekehrte, nicht Löwe und Sonne sind mit Gott, sondern dieser mit jenen verglichen, darum ist hier nicht „vergleichen" sondern „gleichstellen" zu übersetzen. — S. 4. Die Stelle, welche der Vers, beanstandet, wird verständlich durch den in den früheren Ausgaben sich findenden Zusatz: nbn ]’nj i’Ni, wo für letzteres Wort einige psia lesen. — S. 7. „Die Strafen für Gesetzes- und Rechtsübertretungen" nicht richtig übersetzt, der Vers, hat sich durch das Wort nnyw täuschen lassen, während vhy nnyip •pin, eine gewöhnliche Trope heißt: die über ihn gekommenen Strafgerichte. — S. 14 „Sollen wir aber Streit erheben gegen Mose?" Im Text heißt es pGm V'b^> tos, das bedeutet: sollen wir unferm Lehrer Mose Ehre erweisen." — S. 16. Der Ausspruch R. Onja's ist unverständlich und muß aus Midr. Rabba durch die Worte rnNamoi mxDD to ergänzt werden. — S. 18 muß auch Zeile 14 u. 20 mit „verborgen" übersetzt werden. — Das. rm heißt nicht Dach, sondern Faßwölbung. — S. 20 aiüDiü o^yn heißt nicht, die Welt ist verstopft, sondern „ungeschlechtlich" in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes. — S. 21 yty ron ok heißt nicht: Wer sich zu Spöttern gesellt, wird selber ein Spötter, was auch auf die Anwendung hier nicht paffen würde, sondern: „Wenn gegen Spötter, treibt er selbst Spott mit ihnen," d. h. die Spötter