Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1892)
- Date
- 1892-05-26
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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798 hier: Dies gleicht dem Hunde, der, au einem Aase vorübergehend, an diesem riecht und es nicht essen mag - während der Löwe — das ist Jehudah (l. B. Mos. 49, 9) — der vorüberging, von demselben aß. Da Huben Alle an und riesen: Was der Hund nicht verzehren mochte, aß der Löwe!') - Man sieht auch hier recht deutlich, daß die Fabeln nur zur Erläuterung des Schrifttextes gebraucht wurden. — Der durstige Wolf. Ein Wolf hatte großen Durst. Im Begriff in eine nahegelegene Quelle hinabzusteigen, um denselben zu löschen, sieht er, daß diese mit einem Netze umgeben ist. — „Steig ich herab, ruft er verzweifelt aus, so bin ich gefangen: wenn nicht, sterb' ich vor Durst." 8) — Indem diese Erzählung gleichfalls an die Geschichte Hamans angeschlossen wird und uns die Lage schildern soll, in der sich Mordechai, der Vetter der Königin Esther befand, als er sich vor Haman bücken und seinen Gott verleugnen oder jenen verachten und sich der Gefangennahme und Hinrichtung aussetzeu sollte, lehrt sie den Leser durch die Zurückhaltung des zaudernden Wolfes, welcher davor zurückschreckt, zur Quelle hinabzusteigen, daß der Glaube höher zu schätzen sei als das Leben, bezw. dessen sinnlichen Genüsse, und daß jener diesen nicht geopfert werden dürfe. Daß zur Charakteristik Mordechai's der Wolf gewählt wird, hat seine Erklärung darin, daß Dt. (vgl. Esther 2, 5) dem Stamme Benjamin angehörte, der im Segen des Stammvaters Jakob (1. B. Mos. 49, 27) mit dem Wolfe verglichen wird. Das ist ein gewichtiges, hochinteressantes Merkmal der hebräischen Kunstfabel. Ohne darauf Gewicht zu legen, daß die Eigenthümlichkeiten des handelnd und redend in die Fabel eingeführten Thieres in Beziehung zu dem Wesen und der Handlung der zu charakterisirenden Person stehen, knüpft die hebräische Dichtung vielmehr an diejenigen Bilder an, welche in der schriftlichen Literatur (der Bibel) oder dem Volksmunde geläufig sind, und erleichtert auf diese Weise das Verständniß seiner poetischen Kunstwerke um ein Bedeutendes. — Die gleiche Tendenz spiegelt sich auch in folgender Fabel wieder, welche wir „Zwischen zwei Feue r n" benennen und die wir nach der herrlichen Fassung im Midrasch haggadol wiedergeben9): „Als Israel, von 7) Der hebr. Wortlaut ist folgender: mW Ottf 8“n hd rr-rn n72j 7y layp 2727 wo ncs p2~i ’jyi2 w'8 nn puiD 72n V'nnn d:dö t>28i n8 npy -oy .n728 87i : n«n 728 272H 7D2ttf HC pl218i 8) Vgl. Back a. a. O. 105k. In der Buber'schen Edition des Midr. Abba Gorion, woher diese Fabel stammt, ist correct als Autor des Proömii derselben R. Jose ben Chanina angegeben (vgl. ib. 11 b. Anm. 32). — Der spätere Midr. Lekach tob, der Back noch nicht vorlag, führt diese Fabel gleichfalls an; doch ist dort nn st. 28* genannt (ed. Buber 49 a. 9) Die Quellen dieser Fabel sind bisher ungenau wieder-- gegeben worden. Back a. a. O. S. 106, der die schöne Fabel nur kurz berührt, nennt nur Mechilta rbtEO Kap. 2 (ed. Friedmann 28 b) Buber hinwiederum verweist in seiner Edition des '2 8HDU »jbt des arnrs (28 a, Note 6) nur aus den Jalkut, der zu Esther § 1045 die Fabel citirt; Buber kennt hier die Mech. nicht. Auch im Jalk. zu Exod. § 232 findet sie sich. Wir fügen hier den Wortlaut des Midr. hagg. (zu 2 B. Mos. 14, 13) an und bemerken, daß wir der Fabel m abgekürzter Fassung auch im handschr. den Acgypteru verfolgt, am Rande des rotheu Meeres staud, da glich es einer Taube, die vor einem jungen, kräftigen Sperber flüchtend, in einen Felsenspalt geräth, in dem eine Schlange lagert. Dadrinnen kann sie nicht bleiben - wegen der Schlange; doch auch heraus vermag sie nicht — wegen des Sperbers. Da schlägt sie, in völliger Angst, mit ihren Flügeln und ruft laut zu ihrem Herrn, aus dessen Käfig sie entflohen, damit er herbeikomme und sie rette." Welch' herrliches Gleichniß! Gar oft nicht nur in der Vergangenheit, auch die Gegenwart lehrt es — ward Israel, dessen Symbol die opferwürdige Taube ist, abtrünnig und beging Trenbruch gegen seinen himmlischen Vater. Doch da drohendes Verderben von allen Seiten es umfing, rief eS laut nach seinem Gotte — und Er kam und trug es fort auf Adlersfittigen, rettete es vor des Sperbers Ansturm, zertretend Schlangen und giftige Ottern. Versteht Israel auch heute die Mahnung des Gleichnisses, da schwäche des Charakters und Bosheit es bedrohend Sieh, es schläft und schlummert nicht der Schützer Israels! — Bezeichnend für den dem Iuden thn me zu Grunde liegenden Id ealismns und Hang zu geistigen Bestrebungen, im Gegensatz zur materialistischen Anschauungsweise des alten Römerreiches, ist die nachfolgende Erzählung vom „Streit der Glieder'""): „Ein persischer König lag einst krank darnieder, und die Aerzte verordueten ihm als einziges Heilmittel die Milch einer Löwin. Bald erbot sich auch jemand dieselbe zu beschaffen, wenn man ihm lö Ziegen mitgäbe. Mit diesen machte sich der Mann auf und begab sich zu der Höhle, wo eine Löwin ihre Jungen säugte. Durch Vorwerfen der Ziegen hatte er sich die Löwin zutraulich gemacht und so gelang es ihm bald, ihr die nöthige Milch zu entziehen. Auf dem Rückwege verfiel er in einen tiefen Schlaf und hatte folgenden Traum: Die Glieder seines Körpers stritten um den Vorrang. Zuerst nahmen ihn die Füße für sich in Anspruch: denn wären sie nicht hingegangen, so hätte ihr Herr die Milch nicht bringen können. Sodann erklärten sich die Hände als die vorzüglichsten Theilc des Körpers, da sie die Milch abgezogen; hernach die Augen, die ihm den Weg gezeigt, und schließlich das Herz, das ihm den guten Gedanken eingegeben. Da rief ihm die Zunge zu: Ohne mich wäre es gar nicht so weit gekommen! Alsbald entgegneten ihr einstimmig alle Glieder: Wie wagst du es überhaupt, dich mit uns zu vergleichend Du, die du ja innen in einen finstren Raum eingeschlossen und nicht eimal mit einem Knochen gebaut bist? — Noch heute, erwiederte die Zunge, sollt ihr erfahren, daß ich eure Königin bin! — Der Mann er- Midr. hachefez begegneten. (Die gesperrt gedruckten Worte finden sich nur im Midr. hagg.): nii'XD ipvn d87^' HD? prui y7on pp:7 n? hdj2J p p ’JBd nrra» n:v7 nytr H8S7 .iwun ’JBÖ rp2’ nj’8 D'JEP DJ2’7 rfUOD OEE>7 UDE n’£:n nBDc* nrms nrvn .pn p ’JSd n7D’ nrx yird "i2ii2 .Nian-jmtffn 7ys yDErtv’12 10) Sie findet sich im Midrasch Tehillim ed. Buber, p. 128a zu Ps. 39. Vgl. Jalk. II, 8 721. Back Mtsschr. 1880, 107 ff.