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Der Israelit · 1892-05-26 · Heft 42 (26.5.1892) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 42 (26.5.1892)
Date
1892-05-26
Page
– (sequence 21)
Language
German
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XXXIH. Jahrgang. WillrnIchliM. Beilage,«M 42 des „Israelit". Ass dem Deiche der altiSdlschen Fadel. Bernhard Königsberger. (Fortsetzung.) Daß der Jalkut gar viele Werke benutzt hat, die wir heute vielleicht nicht mehr besitzen, die sich aber zum größten Theile im Midr. hagg. wiederfinden, zeigt sich an der in uns. vor. Aufsatz mitgetheilten Fabel. Indessen weicht hier der I., der die Fabel ohne jede Quellenangabe citirt, ein wenig von dem Texte des Midr. hagg. ab. Besonders hervorznheben ist von den Varianten, daß imJalk. von „Löwe, F-eldthieren und Fuchs" die Rede ist, welche zu Schisse waren, von denen der Esel den Zoll haben wollte. Als der Löwe den Esel tödtete, stieß er das Schiff ans Land und stieg aus. Die erste Variante: nyro »tn mag vielleicht durch eilt Mißverständniß aus unserem: nurns? (rips) 7M'i (moron *pü) hx entstanden sein ’). — In einer gleichfalls von den übrigen Quellen abweichenden Darstellung findet sich folgende Fabel im Midr. hagg.: Die feindlichen Brüder. Einst war ein Hund mit einem Aase beschäftigt, als ein anderer Hund hinzukam, um an dcni leckern Mahle theilzunehmen. Doch jener wollte dies nicht gestatten. Als aber ein Wolf auf die Beute losstürzte, da sprach jener: Besser ich verzehre das Stück mit meinem Genossen, als daß sich der Wolf Alles nimmt und wir beide leer ausgehen *’)• — Die Fabel war eine weitverbreitete. Sowohl Sifrö (nmo ed. Friedmann 59a, 8 157), als auch Tanchuma ed. Bnber z. St. p. 67b, Rabbah und Jalkut (Ans. p77 's) führen die Fabel an. Dort lautet sie in Stürze: Zwei Hunde lebten in gegenseitiger Feindschaft. Da überfiel ein Wolf den einen von ihnen. — Besser, sprach der andere, ich komme meinem Bruder zur .Hilfe; sonst tödtet der Wolf erst jenen und dann mich. — Auch der Talmud (Sanh. 105a) kennt sie und mit seiner Lesart stimmt die des Midr. hagg. fast wörtlich überein/') Wir gelangen nunmehr zur 1) Vgl. noch Back, Mtsschr. 1880 S. 75 f. — Die Pflichttreue übrigens, welche hier dem Esel nachgerühmt wird, äußert sich auch in der talmudischen Erzählung, nach welcher ein Langohr nicht früher in den Stall gehen wollte, als bis ein Arbeiter ein Paar Schuhe abgenommen, die er auf dem Rücken des Esels hatte liegen laffen (Taan. 23a). S. Lewhsohn, Zoologie d. Talm. § 36 und 165. 2) Die hebr. Fassung, welche ich dem erwähnten Midr. Hachefez (Nr. 577) entlehnte, lautet: 71017 77771 HD??ItfQ 71100 l 2 3?i3N7 nnx 777 X71 71771 n’nr 777^ ,L> 7010 77771 70N* .lD”Bni 7’D |7I0 7I77N1 3N7 N7 .171071 N77 7NIM1 11071 7170"! 7X171 X17' X71 '7'7711 IN 7I771X^ . . 0177 Denselben Inhalt hat die entsprechende Stelle in dem Ms. or. 554 (Auszug aus dem Midr. Haches.) mit arab. Erklärungen. Sie lautet dort in Kürze:!7'777 'IL'7 75^0 N7 .THNO^N VJJ7SH 771171 D717N .71771 ty pIHO 1'7!L7 .7ppN 717X1 NO 17177’ ’J>" -17117 pD HOJ/ 7X171 3) Statt 771X71 7CN heißt es im Midr. hagg. -,0X 17'771. Zu beachten ist der Schlußsatz das., den hier nicht, wie im Talmud : 771 NS2 77, sondern: 11"7! 7P&77&70 77 'ox N7D3D N717\7 '77p X7I 71S 'L'l XTIL'1777 '^XI'X 170X7 -X7'1 X'707 Fabel: Die alte und die junge Eselin und das Schwein. Einst hatte jemand eine alte und eine junge Eselin und ein Schwein. Dieses bekam sein Futter ohne Maaß, die beiden anderen aber zugemessen. Da sprach die junge Eselin zu ihrer Mutter: Wir, die wir unserem Herrn Dienste leisten, erhalten nur ein karges Mahl, das faule Ferkelchen aber ein reichliches! — Wenn die Zeit kommt, tröstete die Alte, werden wir schon sehen! — Als der erste des folgenden Monats (Kalendaep) herankam, nahm man das Schwein und stach es nieder^) — Die vorerwähnte Fabel wird zur Erläuterung des Sturzes Hamans gebraucht, läßt aber die Berührung des jüdischen Volkes mit den Römern schon durch den Ausdruck erkennen. Der Ausdruck Kalendae zur Bezeichnung des Monatsanfangs gehört dem römischen Zeitmesser an. Doch noch eins! Es ist eine Eigenthümlichkeit der hebräischen Ännstfabel, daß sie in ihren Vergleichungen zu allgemein üblichen und bekannten Bildern ihre Zuflucht nimmt. Wir werden diese Art der Dichtung noch weiter kennen lernen. Im Midr. findet sich sehr häufig das Wort 7771 (Schwein) für Rom. Der Name für dieses Volk, onx (Edom) führt uns aus seinen Stammvater Esau zurück, Nun war aber nach 1. B. Mos. 36,12 Amalek, von dem Haman stammte, ein Enkel Esau's und so konnte die Fabel auf Haman dasselbe Bild des Schweines anwenden, das sonst für Edom (Rom) gebräuchlich war. — Bemerkt sei noch, daß es auffällt, daß die Fabeln autorlos tradirt werden, sodaß man ihre eigentliche Entstehung vielleicht auf römischem Boden vermuthen darf. Jedenfalls aber wurde sie zur Erklärung des Textes und kaum zur Jllustrirung der damaligen Zeitverhätlnisse benutzt. — Während nun die vorstehende Fabel vor einem vorschnellen Pessimismus warnt, dürfte sich der folgenden, welche ich bisher nur im Midrasch haggadol fand, eine Mahnung gegen einen voreiligen Optimismus entnehmen lassen. Anschließend an die Handlungsweise Jehudah's (1. B. Mos. 38, 1 s.) sich von den selbst von Esau verschmähten Kananitern °) eine Frau zu nehmen, und daß infolge dessen über ihn hereingebrochene Unglück und den Verlust zweier seiner Söhne, heißt es Das Wort 7iS'L' kommt weder im Talmud noch in den Targumim vor. Auch sonst weicht die Lesart des Msc. vom Talmud ab. Während das hier vorkommende N71 L"7 (vgl- Levy, neuhebr. Wtb. II, 407 b) durch "Unglücklicher" übersetzt wird, kann unser .1"0 nur „gutes, d. h. fettes Bäckchen" bedeuten. Vgl. noch Back. Mtsschr. 1880, S. 77 t. Uebrigens findet sich die Fabel auch in der Pesikta s u tr a ta z. St. 4) Vgl. meine „Miscellen aus der jüdischen AlterthumSkunde" in Nr. 47 des Jüd. Lit.-Bl. 1891, Nr. XV, sowie meine 2. liter. Notiz in Nr. 52. 5) Back, ib. 102ff. Buber, Abba Gorion, 10b k. Vgl. Landsberger a. a. Q. p. XXXV. Auch im Midrasch Lek ach tob zu Esther (ed. Buber 49a) findet sich diese Fabel; statt des lateinischen Wortes O7i7p sindt sich hier Nn7'171. 6) Vgl. jedoch Pesach. 30a. (Im Jalkut z. St. (Ans. 8 145) fehlt die Quellenangabe.

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