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Der Israelit · 1892-05-26 · Heft 42 (26.5.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 42 (26.5.1892)
Date
1892-05-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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787 „2000 Talmud-Auszüge" gratis vertheilt werden. Dieses 8 große Spalten lange Flugblatt ist ein Hetzblatt niedrigster Gattung, und es wird durch eine Berliner Druckerei Vertrieben und verkauft. In den erregtesten Zeiten haben die Sozialdemokraten sich solcher Hetzmittel nicht bedient. In der Einleitung wird der angeblich bisher geheim gehaltene (!) Talmud als das „furchtbarste Geheimniß des Judenthums" bezeichnet, ohne dessen Kenntniß ein Verständniß der Judenfrage absolut unmöglich fei. „Aus diesem Teufelswerke" spreche der entsetzliche abgrundtiefe Haß gegen alle Nichtjuden. Der Talmud erhebe den Nichtjuden gegenüber zur Tugend, was jedes andere Geschöpf mit Menschenantlitz zum Verbrechen stempele. „Wie man aus einem Wolfe", heißt es weiter, „niemals einen Hirtenhund trotz Bruder-Aehnlichkeit erziehen wird, so wird auch niemals aus einem Juden ein Deutscher, ein überzeugter Christ werden können, das beweisen die Erfahrungen der Jahrtausende. Die getauften Juden sind Juden geblieben, sind der christlichen Bevölkerung zum Fluch geworden, denn die spezifisch jüdischen Verbrechen dieser Auch - Christen werden immer auf das Conto der Christen überhaupt geschrieben, daher ja nach der allgemeinen Redensart denkfauler Deutsche, — trotzdem es bet uns 80 mal mehr Christen wie Juden giebt, — die Christen — (die sogenannten weißen Juden) — viel, viel schlechter als die Juden sein sollen! Eine ebenso gedankenlose Phrase ist es von sogenannten „anständigen" Juden zn reden, wartet's nur ab, der „Jude" kommt auch gelegentlich bei diesen zum Vorschein (Hirschfeld, Wolfs, v. Bleichröder u. s. w.). In der so harmlos erscheinenden Hauptthätigkeit der Juden, dem „Schachern", liegt zugleich ihr Geheimniß und ihre Gefährlichkeit. Wie als Trödeljude mit alten Kleidern, so schachert der Talmud- Jude als Richter mit dem Recht, als Arzt mit der Praxis, als Gelehrter mit der Wissenschaft, als Zeitungsredakteur mit den Ereignissen, als Beamter mit seinem Berufe; nur wo es nichts zu schachern gibt, bei der schweren Handarbeit, da findet man ihn nicht!" Und zum Schluffe wird der Antisemitismus dem „deutschen Michel" als Kampf des Evangeliums gegen den Talmud, der Wahrheit gegen die Lüge empfohlen. „Er, der Antisemitismus, ist gerade wegen der Schmähungen der Juden und „Judenknechte" die edelste humanste Bewegung aller Zeiten." Daß der Auszug aus dem Talmud, den das Flugblatt enthält, ein gefälschter ist, beweist schon die Anmerkung, in der die Leser auf die Schriften des bekannten Fälschers Rohling, sowie diejenigen von Dr. Ecker, Eisenmenger, Carl Paasch und Major Osman Bey verwiesen werden. In einer Fußnote wird die Unterstützung der echt deutschen Presse („Staatsbürgerzeitung", „Kreuzzeitung", „Volk", „Reichsbote") empfohlen und darauf aufmerksam gemacht, daß Anmeldungen zur deutschsozialen Partei von der Unterzeichneten Buchdruckerei entgegengenommen werden. Bad-Ems, 20. Mai. Um jeglichem bnao vorzubeugen, werde bei Beginn der Badesaison nachdrücklichst darauf aufmerksam gemacht, daß das frühere jüdische „Hotel Wolf" seit zwei Jahren nicht mehr existirt und unter dem Namen „Hamburger Hof" in den Besitz eines Christen übergegangen ist. Die einzigen jüdischen Hotels am hiesigen Badeplatze sind Hotel Brammet und Hotel Löwenstein. Hamburg. „Ein jüdischer Postsecretär" dahier, der wegen Unterschlagungen zu Gesängnißstrafe verurtheilt ist, macht seit Wochen die Runde durch die antisemitische Presse, welche dabei die üblichen Commentare zum Besten giebt. „Es ist ein wahrer Segen", schreibt eins dieser Demagogenblätter, „daß die Reichspost vom Judenthum noch nicht so überfluthet wird, wie z. B. der Juristenstand. Das könnte uns gerade noch fehlen, bei der Wichtigkeit der Interessen, welche in den Händen der Post liegen." — Eine ärgere Speculation auf die Dummheit der Leser kann es nicht geben. Nach der obigen Logik müßten ja auch die Christen vom Dienste in der Reichspost ferngehalten werden; denn die wegen Untreue verurtheilten Postbeamten gehören ja doch — was in der Natur der Sache liegt — fast ausnahmslos dem Christenthum an. Im Uebrigen ist statistisch nachgewiesen, daß wegen Veruntreuung im Amte in den Jahren 1882 bis 1889 bestraft wurden: 3395 Christen und 7 Juden. Nach dem Verhältniß der Bevölkerung müßten es 42 Juden sein. Lübeck, im Mai. Dürre Zahlen sprechen oft eine beredtere Sprache als lange Zeitungsartikel. Dem diesjährigen Geschäftsberichte der Lübeck - Büchener Eisenbahn-Gesellschaft entnehmen wir folgenden Passus: Eine Verkehrsvermehrung aus außerordentlicher Veranlassung ist durch die vom Juni bis Dezember geschehene Beförderung von 7232 aus Rußland ausgewiesener Juden theils ab Lübeck, theilS ab Stettin nach Hamburg eingetreten. — Dle Mehreinnahme an Fahrgeldern (ausschl. solcher für Milirärtransporte) gegen 1890 hat 67,966 Mk. betragen. Xanten, 18. Mai. Wie das Kreisblatt für Moers meldet, soll der Xantener Knabenmord nicht in Kleve, sondern vor dem Landgericht in Duisburg zur Verhandlung kommen.

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