Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1892)
- Date
- 1892-05-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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?8Ö zu verwandeln, und die kulturhistorische Studie ist fertig. Es kommt schon hie und da vor, daß ein witziger Bochur in heiterer Pnrimlaune, solche Pschättel sagt, aber er gibt das dann auch dafür aus. Aber die Grandezza, der Kathederton, mit dem diese Sächelchen vorgetragen und als superfeiner kritischer Takt hinausgegeben werden, dieses Gebühren könnte einem ein Lächeln abnöthigen, wenn dieses ganze Motiv nabna ühv mina ous niW> nicht ein so gar trauriges wäre. Zeitnngsuachrichte« und Correspoudeuzen. Deutschland. Mainz, 24. Mai. Vor einigen Wochen erschien bei unS ein sich Eli es er Landau nennender junger Mann, der angab, daß er ein Nachkomme des berühmten Rabbi Jecheskel Landau sei, daß er seither Rabb. in Chazow bei Moskau gewesen und nunmehr ausgewiesen worden wäre. Da er Zeugnisse von bedeutenden russischen Gelehrten und auch Empfehlungen mehrerer süddeutscher namhafter Rabbinen bei sich führte, sich auch im Talmud bewandert zeigte, so nahmen wirkeinen Anstand, auch unsererseits ihm einige empfehlende Worte mit auf den Weg zu geben. Von verschiedenen Seiten geht uns indeß die Mittheilung zu, daß der Besagte ein Betrüger sei. So habe er in Nürn« berg öffentlich rot* ^no gewesen. Seine Ausweisungsdekrete seien von fachmännischer Seite geprüft und als gefälscht erkannt worden. Der junge Mann trägt einen langen seidenen Kaftan, eine mit Pelz verbrämte Mütze. Wir warnen hierdurch eindringlichst vor diesem Schwindler. Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf aufmerksam machen, daß mit Ausweisungsscheinen und Empfehlungen (auch echten) ein schwunghafter Handel getrieben zu werden scheint. Viele werden, wenn man ihre Verhältnisse und Angaben nur ein wenig zu untersuchen sich bemüht, verlegen und suchen so rasch wie möglich zu verduften. Wir glauben im Interesse der Erhaltung der russischen Fonds für die wirklich Vertriebenen zu handeln, wenn wir auch nach dieser Richtung hin eine Warnung an die Rabbiner und Vorstände ergehen lassen. Köln. Der soeben ausgegebene Jahresbericht des landwirthschaftlichen Vereins für Rheinpreußen an den Minister für Landwirthschaft über die Veränderungen und Fortschritte der Landwirthschaft im Vereinsbezirke für das Jahr 1891 enthält unter dem Abschnitt „Genossenschaftswesen" eine Kritik der antisemitischen Agitation im Kreise Wetzlar, welche mitgetheilt zu werden verdient. „Im Kreise Wetzlar", heißt es da, „ist in den letzten Jahren durch die Agitation des Dr. Böckel eine große Anzahl antisemitischer Ortsgruppen entstanden, welche sich im Anschluß an sogenannte Consumveretne gegründet haben. Letztere sind auf den Namen eines oder mehrerer Mitglieder in das Handelsregister eingetragen. Ueber die dem Lagerhalter gezahlten Geschäftsantheile sind meist keine Quittungen ausgestellt worden. Diese Vereine stehen auf schwachen Füßen. Geht das Geschäft gut, so übernimmt meist der Lagerhalter das Geschäft bald auf eigene Rechnung und führt es weiter. Dieser Vorgang wird noch dadurch erleichtert, daß sich in einem kleinen Orte so leicht nicht ein anderer Lagerhalter findet. Da durch Bildung einer eingetragenen Genossenschaft den Lagerhaltern von vornherein die Uebernahme des Geschäftes auf eigene Rechnung abgeschnitten wird, so sind dieselben gegen die eingetragenen Genossenschaften. Es kann hier nicht verschwiegen werden, daß nach allen äußeren Anzeichen der Antisemitismus im Kreise Wetzlar weniger den Zweck und die Wirkung hat, die Leute aus den Händen von Wucherern zu befreien und dadurch wirtschaftlich in die Höhe zu bringen, als vielmehr die Begriffe über das, was gut und nützlich ist, zu verwirren. Seine Apostel bekämpfen nicht allein den jüdischen Wucher, sondern richten ihre Waffen auch gegen gemeinnützige Einrichtungen, deren Erfolge durch die Erfahrungen eines halben Jahrhunderts außer Zweifel gestellt sind und von allen urtheilsfähigen Leuten rückhaltlos anerkannt werden. Einen ganz besonderen Haß scheinen sie auf das Wanderlehrthum geworfen zu haben, wohl deßhalb, weil dadurch die Leute über den Werth der Schöpfungen des Antisemitismus am ehesten aufgeklärt werden. Wenn der Antisemitismus an sich schon eine fragwürdige Erscheinung ist, so verdient die Art und Weise seiner praktischen Betätigung im Kreise Wctzlar von allen wohlgesinnten Leuten auf das Entschiedenste bekämpft zu werden." Die Vorsteher der landwirthschaftlichen Kasinos, deren Urtheil jedenfalls die Grundlage bildet zu obiger Kritik des Antisemitismus, sind außer je einem Schmied, Schreiner und Wirth sieben Landwirthe, sechzehn Octsvorsteher und sechs Lehrer, also Männer, welche mitten im Volke stehen, aber zugleich durch ihre Stellung ganz besonders befähigt sind zu einem sachgemäßen Urtheil. Berlin. In den Mitteln, mit welchen die Antisemiten ihre Sache betreiben, werden sie immer weniger wählerisch. An den Berliner Anschlagsfäulen steht bei Gelegenheit der Ankündigung antisemitischer Versammlungen mit fetten Buchstaben der Hinweis darauf, daß in diesen Versammlungen