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Der Israelit · 1892-05-26 · Heft 42 (26.5.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 42 (26.5.1892)
Date
1892-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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781 „Braunschweiger Tageblatt" macht in seinem lokalen Theil zu diesen Ernennungen folgende treffende Bemerkungen, die auch für die Leser dieser Zeitung von Interesse sein dürsten. Sie lauten: „Eine Durchsicht des Verzeichnisses von Ordens- und anderen Auszeichnungen, die am 8. Mai verliehen wurden, läßt erkennen, daß auch diesmal wieder das Gros dieser Auszeichnungen an Militär-Personen und Beamte gefallen ist. Das ist die gewohnte Erscheinung und darum nicht neu. Was aber als bemerkenswerth bezeichnet werden darf und auch thatsächlich in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft eine besondere Beachtung gefunden hat, das sind Titelverlethungen (wie Kommerzienrath, Justizrath) an einige unserer Mitbürger israelitischer Konfession. Diese Verleihungen erheischen deßwegen eine besondere Aufmerksamkeit, weil sie erfolgt sind nicht lange nach jenen bedauerlichen Vorgängen, durch welche von Auswärts eine antisemitische Hetze in unserere friedliche Bürgerschaft getragen werden sollte. Wir können natürlich nicht sagen, ob dieselben maßgebenden Orts mit in Betracht gezogen worden sind, als die hier in Rede stehenden Verleihungen erfolgten. Es mag das auch ganz dahin gestellt bleiben. Jedenfalls wollen die letzteren uns aber als eine treffliche und vielsagende Antwort auf jenes hetzerische Gebühren erscheinen, und die antisemitischen Herren Agitatoren werden vielleicht gut thun, dies Zeichen nicht unbeachtet zu lassen." O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 13. Mai. In Dreher'sEtablissement auf der Landstraße war für gestern Abends eine Versammlung anberaumt, in der Dr. Lueger sprechen sollte. Das hiesige Antisemitenblatt hatte bereits Nachmittags signalisirt, daß Arbeiter in größerer Zahl in dieser Versammlung erscheinen wollen. Die demgemäß instruirten Ordner wiesen daher bei den Saalthüren alle nicht als Gesinnungsgenossen bekannten Personen zurück, und es kam schon bei dieser Gelegenbeit wiederholt zu Streitigkeiten. Die Ordner konnten aber doch nicht hindern, daß eine größere Anzahl Arbeiter in den Saal gelangte. In der Versammlung sprach zunächst der Obmann der Handelsgehilfen, Herr Axmann, über die „soziale Zukunft". Er sang dem Antisemitismus ein Loblied und empfahl den Arbeitern eine „genossenschaftliche, auf der Grundlage des Glaubens fußende Organisation". Seine Ausführungen stießen auf heftigen Widerspruch von Seite der Arbeiter. Maurergehilfe Samsinger antwortete ihm trotz des höhnischen Gelächters der Antisemiten und sagte: „Wir Arbeiter fühlen uns als eigene Klasse. Wir haben eigene Interessen und kennen unter uns weder Rassennoch Rationalstolz. Wenn Sie wirklich für uns Arbeiter fühlen, warum erheben Sie denn nicht Ihre Stimme, um uns vor den Gewaltmaßregeln der Mächtigen zn schützen?" Unter fortgesetzten ironischen Zwischenrufen der Antisemiten erklärte Samsinger, daß der Antisemitismus seinem Ende mit raschen Schritten entgegeneile, und daß dessen Anhänger die Reihen der sozialistischen Partei verstärken werden. Die Christlich-Sozialen versuchten den Redner wiederholt durch Lärm zu unterbrechen, diese Versuche riefen aber nur den Beifall der Sozialdemokraten wach, der sich fturmartig verstärkte, als Samsinger schloß: „Wir aber haben von dem Antisemitismus nichts zu erwarten, wir wollen von ihm nichts hören!" Die Antisemiten wurden durch diese Worte in die heftigste Wuth versetzt und schrien durcheinander, man möge „die Kerle hinauswerfen." Als dann ein zweiter Arbeiter, Namens Schiller, die Tribüne bestieg, riefen die Christlich- Sozialen: „Die wollen ja Alle sprechen! Dasgibt's nicht! Hinaus mit ihnen!" Der Lärm ward immer größer und die Antisemiten begannen die Arbeiter zu bedrohen. Da bestieg Dr. Lueger die Tribüne und versuchte den Lärm zu überschreien. Aber seine Worte blieben in dem Tumult unverständlich. Mehrere Minuten dauerte diese Scene. Endlich vernahm man, daß Dr. Lueger den Arbeitern vorwerfe, sie seien gegen ihn undankbar. Die Arbeiter brachen in Gelächter ans, die Christlich-Sozialen riefen dagegen: „Hoch Lueger!" Endlich rief einer der Arbeiter: ..Genossen verlassen wir den Saal!" Dr. Lueger rief mit zornrothem Gesicht noch etwas, was man nicht verstand, und die Arbeiter räumten unter Absingnng des „Liedes der Arbeit" den Saal. Hierauf begann Lueger nochmals zu sprechen und erklärte, die Arbeiter seien durch und durch verjudet: „Sie wollen es augenscheinlich nicht anerkennen, was ich für sie gethan habe!" Die Antisemiten riefen zwar „Hoch Lueger!", waren aber durch? die vorangegangenen Scenen sichtlich aus der Fassung gebracht und nicht in der Stimmung, dem Redner zuzuhören. Dr. Lueger trug dieser Thatsache Rechnung, indem er bald schloß. Rumänien. Wie aus Bukarest vom 17. d. geschrieben wird, laufen aus der oberen Moldau wahre Jammerberichte über die Lage der im benachbarten russischen Grenzgebiete sich zusammendrängenden Juden ein. Da nämlich die den ausgewiesenen Judeu eingeräumte Gnadenfrist, nach deren Ablauf sie eventuell zwangsweise über die russische Grenze gebracht werden sollen, bereits zu Ende geht, so wer» den sie schon jetzt in großen Schaaren gegen die Grenze hin gedrängt, um sie im gegebenen Moment

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