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Der Israelit · 1892-05-26 · Heft 42 (26.5.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 42 (26.5.1892)
Date
1892-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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780 Zeitungsnachrichten ttttfe Corresponbenzeu Deutschland. Berlin im Mat. Es gibt hier und anderwärts jüdische Männer, die ihr Interesse für Judenthum und Judenheit durch Preise an den Tag legen, die sie von Zeit zu Zeit für die Behandlung jüdisch - wiffenschaftlicher Themata aussetzen. — Vielleicht findet sich einmal ein solcher, der die richtige Beantwortung der Frage anregt: „Was versteht man bei uns Juden unter dem Glauben der Väter?" Die Sache ist nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Was die zeitgenössischen Kinder und Enkel unserer Väter alles glauben und nicht glauben ist allerdings viel complicirter und käme viel buntscheckiger heraus. Aber der Glaube der Väter? Darüber sollte man meinen, könnte doch kein Zweifel sein. Der Glaube der Väter repräsentirt das, was unsere Väter geglaubt haben und wenn wir dieses wissen, so ist auch jenes sicher gestellt. Unsere Väter haben eigentlich wenig geglaubt, wenigstens haben sie nicht viel von ihrem Glauben gesprochen, sie waren Männer der That n»yo — Aber es existiren doch fundamentale jüdische Grundwahrheiten, die man allgemein als dasjenige ansieht, was den Glauben des Judenthums, also den unserer Väter darftellt. Am bekanntesten und geläufigsten find die dreizehn „Glaubensartikel", wie man die oaoant» onpy ivy nts6» gewöhnlich zu nennen pflegt. Unsere Väter haben das geglaubt und wir hätten hier also den Glauben unserer Väter in gedrängter Kürze vor uns. Soweit wir diesen Glauben Lheilen, haben wir auch heute noch den Glauben unserer Väter, soweit wir uns von ihm emancipirt haben, sind wir vom Glauben unserer Väter abgefallen. Man sollte meine diese simplen Voraussetzungen seien selbstverständlich und könnten von Niemand beanstandet werden. — Nun finden sich unter jenen 13 Sätzen auch folgende .no« owain nan t»a» not»» njioxa yot*n ’Jn „Ich bin mit vollkommener Ueberzeugung davon durchdrungen, daß alle Worte der Propheten Wahrheit sind, daß die ganze Thora, wie sie sich jetzt in unseren Händen befindet, unserem Lehrer Moscheh übergeben wurde, daß diese Thora niemals geändert wurde, und daß niemals eine andere Thora von dem Schöpfer, gepriesen sei sein Name, erstehen wird"; u. a. m. Wer nun die Prophetie, wer unseren Lehrer Moscheh als Uebermittler der Thora, wer die Ewigkeit, Unveränderlichkeit und Verbindlichkeit der Thora leugnet und wie es seitens des Reformjudenthums geschieht, aus der Reformbedürftigkeit der Thora Gottes die ganze Berechtigung des Daseins herleitet, der ist doch unzweifelhaft von dem Glauben der Väter abgefallen. Das hat auch immer so gegolten und die Abgefallenen selber haben das Vermächtniß der Väter altväterisch abrogirt und antiquirt genannt und ihm deßhalb ostentativ in Lehre und Leben den Rücken gekehrt, haben in Hellen Haufen den Abfall vor aller Augen vollzogen und vollziehen ihn nachträglich. Nun kommt die Kehrseite der Medaille. Die Sturm- und Drangperiode ist längst vorüber, aber der Abfall ist geblieben und hat offizielle Formen und feste Gestalt angenommen. Ein conservativer Hauch geht durch die Welt, der Abfall hat sich überlebt, der Glaube der Väter ist wie alles Antique Mode geworden, was nun? In diesem Dilemma spricht die „Allg. Zeitung des Judenthums" ein großes Wort gelassen aus. — Graf Balle st rem spricht in einem Vortrag zu Breslau von den Elementen, die das Volksschulgesetz zum Fall brachten und gedenkt dabei „einer Anzahl von Reformjuden, die vom Glauben ihrer Väter längst abgefallen waren." Flugs ist die „Allg. Zeitung d. Judenthums" mit der Bemerkung da: „Z u r S a ch e aber bemerken wir, daß Reformjuden, die vom Glauben ihrer Väter abgefallen sind, keineReformjuden und überhaupt keine Juden mehr sind." Hu, wenn so etwas ein orthodoxes Blatt gesagt hätte! Die Intoleranz! Reformjuden sind keine Juden, sind ohidji ona», freilich nur solche, die vom Glauben der Väter abgewichen sind, aber gibt es denn andere? Wären sie Dom Glauben ihrer Väter nicht abgefallen, so wären sie noch Juden wie ihre Väter waren, und wären eben keine Reformjnden! Nein, die Sache mit dem Glauben der Väter muß nicht so einfach sein, das müßte durch eine Preisschrift einmal gründlich erledigt werden. — Bis dies aber geschehen ist, bleibts bei dem Verbiet des offiziellen Organs des Reformjudenthums: Reformjuden, die vom Glauben der Väter abgefallen sind, sind keineJuden. Braunfchweig, 12. Mai. Anläßlich des Geburtstages des Prinzen Albrecht, Regenten des Herzogthums Braunschweig, wurden diesmal auch drei hiesige Juden mit Auszeichnungen bedacht: der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt Dr. O. Magnus erhielt den Titel Juftizrath, Rechtsanwalt V. Heymann, Stadtrath (unbesoldetes Magistratsmitglied) erhielt den gleichen Titel, und Fabrikant M. Jüdel, Stadtverordneter und Repräsentant, erhielt den Titel Kommerzienrath. Das

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