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Der Israelit · 1892-05-26 · Heft 42 (26.5.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 42 (26.5.1892)
Date
1892-05-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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{ 779 die anderen haben während des nun siebenjährigen Bestands dieser Institution sich den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend modificirt, wie sie der klare, weitschauende Blick ihres Begründers vorausgesehen hatte. Die überall vorhandenen, oft aber in winzigen Minoritäten zerstreuten Bekenner und Freunde des orthodoxen Judenthums vermißten eine dem Bewußtsein ihrer inneren Zusammengehörigkeit entsprechende gemeinsame, äußere Vertretung ihrer Sache, weil viele wichtige Anliegen nur im Vereine möglichst vieler Genossen angestrebt werden kann. Aus der großen Mannigfaltigkeit derartiger Anliegen hob die erste Aufforderung zur Gründung der „Freien Vereinigung" Folgende besonders hervor: „Pflege echtjüdischer, Hand in Hand mit echter allgemeiner Bildung durch Lehre und Erziehung: Stiftung und Unterstützung jüdisch-orthodoxer Lehranstalten, Schulen, n>DW\ tcmo »na sowie Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer derselben. Stipendien für orthodox-jüdische Jünglinge zum Besuche dieser Anstalten. Orthodoxe Pensionen und Waisenhäuser. Wanderlehrer und -Prediger für lehrbedürftige kleinere Gemeinden. Förderung der Herausgabe und Verbreitung orthodox-jüdischer Schriften. „Förderung jüdisch-orthodoxen Pflichtlebens und Beseitigung entgegeustehender Hindernisse: Errichtung und Unterhaltung guter orthodoxer Hotels und Spetsewirthschaften in Bädern, Kurorten und sonstigen Orten großer jüdischer Frequenz. Zuverlässige Auskunftsmittel für orthodoxe gewissenhafte Reisende. Unterstützung von nix*.pD und na’niar in unbemittelten Gemeinden und für vereinzelt Wohnende. Unterbringung junger Leute in orthodoxjüdischen Geschäften und Unterstützung Stellenloser bis zu solcher Unterkunft. Vertretung der Anliegen jüdischen Pflichtlebens bei den Behörden, für Schüler, Soldaten, Gefangene. „Förderung einer heilbringenden Gestaltung und Entwickelung jüdischen religiösen Gemeindelebens durch Verbreitung richtiger Kenntnisse von den unveräußerlichen Grundrechten jüdischer Religionsgemeinden wie von den Rechten und Pflichten der Vorstände und Glieder. „Begegnung von Verdächtigungen und Entstellungen des orthodoxen Judenthums durch Juden und Nichtjuden." Die Gegner des orthodoxen Judenthums machten gegen diese Vereinigung geltend, daß durch sie die Gegensätze innerhalb der zeitgenössischen Judenheit noch verschärft würden. Diese Befürchtung hat sich als unberechtigt erwiesen. Die Freunde des orthodoxen Judenthums mögen vielleicht eine größere, allgemeine Betheiligung und dadurch eine umfassendere Wirksamkeit der freien Vereinigung gewünscht haben. Allein, es handelte sich zunächst nicht darum, durch eine große Mitgliederzahl zu imponiren, sondern nur um den Kern zu bilden, dem sich im Laufe der Zeit alle Gesinnungsverwandten anschließen werden. Hierüber hat sich der Gründer dieser Institution von vornherein keiner Illusion hingegeben, wie aus folgenden Sätzen ersichtlich ist, mit welchen jene erste Aufforderung schließt: „Wohl wissen wir, daß nach gewöhnlicher Annahme eine überwiegende zeitgenössische Majorität einer von dem orthodoxen Judenthum sich entfernenden Richtung huldigt und unser Vorhaben auf eine numerisch große Theilnahme von Vornherein verzichten muß. Allein es ist nicht das erste Mal, daß Gott zu den Seinen spricht: oyon orw, und es ist doch in dem Abschiedsworte der Prophetie für alle kommenden Zeiten verheißen: t« "isD ana'i yaien 'i atrp’i my-i ba »’x 'n nana 'was 't -idn vm w »a*r£n 'i piai n^D rwy »jx nvb und auch schon das Bewußtsein von einer freien und offenen Zusammenstimmung treuer Genossen für das Eine, Heilige und Wahre, kann, wie in alter Zeit, sich wirkungskräftig erweisen, und irr tyoi wroaiwiD ‘i msna nsD ru»» unnriNi nyao urvtwo rvm nsr!!" Die bisherige, offen daliegende Wirksamkeit der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" berechtigt zu der zuversichtlichen Annahme, daß sich diese Hoffnungen ihres großen Begründers in schönster Weise im Laufe der Zeit verwirklichen werden. Daß sein Nachfolger, der gegenwärtige Vorsitzende der „Freien Vereinigung", eines der ersten hier genannten Ziele, die Stiftung einer Jeschiba in Frankfurt ermöglichte, ist eine That, deren so baldige Verwirklichung selbst der weitblickende Schöpfer der „Freien Vereinigung" gewiß nicht zu hoffen gewagt hätte. Die hohe Bedeutsamkeit und Tragweite gerade dieser Anstalt für die Erstarkung des orthodoxen Judenthums ist in diesen Blättern bereits wiederholt eingehend gewürdigt worden Es genügt deßhalb für diesmal, die Thatsache nur kurz zu registriren und aus diesem, wie aus den anderen hier hervorgehobenen Momenten, den Freunden des orthodoxen Judenthums das herzerhebende Bewußtsein neu zu beleben, daß dem Prinzip ihres Lebens nicht nur die ferne Zukunft, sondern in vielleicht nicht allzulanger Zeit auch die Gegenwart gehört.

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