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Der Israelit · 1892-05-23 · Heft 41 (23.5.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 41 (23.5.1892)
Date
1892-05-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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771 Erziehung der Jugend anvertraut, sich dem Antisemitismus in die Arme werfe. (Beifall.) „Merkwürdig ist es," so schloß der Vorsitzende, „daß uns nicht ein ablehnendes Schreiben zukam!" Zeitungsnachrichten und Correspoudenzcn. Deutschland. Berlin, 20. Mai. Auf dem Wege über Lemberg erhält die „Voss. Z." die folgenden, auf Petersburger Berichten beruhenden Drahtmittheilungen über das zwischen der Russischen Regierung und den Abgesandten des Baron Hirsch bezüglich der Maffenübersiedelung Russischer Juden nach Amerika erzielte Uebereinkommen: Die jüdischen Auswanderer werden in zwei Gattungen, eine bemitteltere und eine mittellose, getheilt, und cs wird in Uebereinstimmung mit den Amerikanischen Hafenvorschriften, welche das Landen mittelloser Auswanderer nicht gestatten, vorgegangen werden. Aus Verlangen der Rusischen Regierung, welche die Kosten der Rückschaffung mittelloser Juden vermeiden will, wird das Auswanderungs-Comite jedem Hilfsbedürftigen darlehusweise 50Ö Rubel einhändigen und überdieß in der Russischen Reichsbank eine entsprechende Bürgschaftssumme zur Deckung unvorhergesehener, aus dem Auswanderungs-Unternehmen dem Russischen Reiche etwa erwachsenden Kosten erlegen. Rußland genehmigte, daß von der Auswanderung vorläufig altersschwache, gebrechliche, krüppelhafte, mit chronischen Leiden behaftete, mit mehr als sechs Kindern gesegnete strafgerichtlich abgestrafte und keinem anständigen Berufe nachgehende Personen ausgeschlossen und in Rußland bleiben sollen. Bezüglich der Kinder und Frauen gelten Ausnahmebestimmungen. Bis zur Einschiffung jeder höchstens aus hundert Auswanderern bestehenden Abtheilungen in Russischen Hafenplätzen hat ein Vertrauensmann des Baron Hirsch die Expedition zu überwachen und die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß nicht ein Auswanderer in einer Zwischenstation Reißaus nimmt und in Rußland zurückbleibt. Die Sicherheitsbehörden werden überall von der Durchreise einer jeden Abtheilung im vorhinein verständigt. Köln, 21. Mai. Als ein erfreuliches Zeichen, daß in Köln, der rheinischen Metropole, welches vorwiegend streng katholisch bevölkert ist, kein Boden für Antisemitismus ist, möge die Thatsache registrirt werden, daß sich vor ca. 4 Wochen ein sogen. Antisemitenverein constituirte, welcher unter großen Reclamen in den Lokalblättern zum Beitritt auffordcrte. Das Resultat war aber im Verhältniß der ca. 300,000 Einwohner zählenden Stadt ein kaum nennenswertes, da man es trotz großer Reclame und persönlicher Agitation einschließlich der Propagandamacher und ihres direct abhängigen Anhanges auf noch nicht 100 Mitglieder brachte. In erster Linie wurde beschlossen, auf den darauffolgenden Sonntag im „Pius-Bau" in dem den hiesigen Ultramontanen gehörenden großen Lokal eine Versammlung einzuberufen, in welcher Reichstags-Abgeordneter Zimmermann aus Dresden über „Schädigung des National-Wohlstandes durch das Judenthum" sprechen sollte, und alle Plakatsäulen der Stadt prangten bereits mit diesbezügl. Ankündigungen. Wie Schreiber dieses vernommen, soll durch persönliches Eingreifen des hiesigen Erzbischofs das erwähnte Lokal verweigert worden sein, worauf die Herren für gedachten Vortrag ein anderes größeres Lokal „zum Storch" zu miethen beabsichtigten und in ihrem Eifer bereits diesbezügliche Reklame in den Blättern ankündigten. Doch auch hier haben sie im buchstäblichen Sinne des Wortes „die Rechnung ohne den Wirth gemacht", denn unmittelbar unter der Ankündigung der Antisemiten, befindet sich die Erklärung des Wirthes, worin derselbe bekannt macht, daß er seinen Saal für die am 22. Mai durch Plakate der Antisemitenpartei angekündigte Versammlung nicht hergeben werde. So ist es den Herren bis heute, am Vorabende der angekündigten Versammlung, noch nicht gelungen hier ein Lokal zu finden. Der Gürzenich, ein städtisches Lokal, wurde ihnen rundweg von der Stadt verweigert und so wird dem Herrn Zimmermann nichts übrig bleiben, als seinen Vortrag, wenn er die Fahrt von Dresden nach Köln nicht umsonst gemacht haben will, unterm freien Himmel zu halten; bei der augenblicklich herrschenden kalten Temperatur wohl das beste Abkühlungsmittel für den Eifer der Antisemiten. — M. V. Hamburg, im Jjar. Diese Woche hat sich hier ein neuer Verein „für jüdische Literatur und Wissenschaft" gebildet, der vermuthlich seine Vaterschaft auf den in Berlin bereits bestehenden ähnlichen Verein zurückführt. Wenn nun in unserer Zeit, wo Vereine wie Pilze aufschießen, dieses kein außergewöhnliches, welterschütterndes Ereigniß ist, so wäre es doch vielleicht angebracht, einige Bemerkungen darüber zu machen. Wir möchten nämlich an die Gründer und Leiter desselben die ganz bescheidene Frage richten, was sie sich darunter denken und wie dies durchzuführen möglich sei, daß „jede religiöse Tendenz ausgeschlossen sei". Einen Verein für jüd. Lit. u. Wifi., in dessen Mitte dies Grundbedingung ist, halten wir einfach für ein Unding, für eine contradictio in adjecto. Es erinnert uns dies unwillkürlich an Professor Lichtenberg in Göttingen, der unter seinen Sehenswürdigkeiten

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