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Der Israelit · 1892-05-23 · Heft 41 (23.5.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 41 (23.5.1892)
Date
1892-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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766 der Jetztzeit, ein erstaunlich scharfsinniger Gelehrter, ein Meister der Halacha und Hagada, die Verkörperung echtjüdischer Tugenden in's Grab. Ein Sproß gefeierter Ahnen — sein Großvater war der berühmte R. Chaim Wholosiner, Stifter der Jeschibah zu Wholosin — erhielt er seine erste Ausbildung an dieser Hochschule, zu deren Leiter er bereits in frühen Jahren bestellt wurde, um dann einem Rufe als Rabbiner nach Sluzk und vor zwölf Jahren als Oberrabbiner an unsere Gemeinde zu folgen. Wie es überhaupt unmöglich ist, das Leben und Wirken großer Männer, welche mit dem Gewichte ihres Wortes und ihres Beispiels für Mit- und Nachwelt Unsterbliches geleistet, in knapper Darstellung erschöpfend zu charakterisiren, so erlahmt auch hier das geschriebene und gesprochene Wort, um das gottgeheiligte Streben und Leisten dieses wahrhaft „Großen in Israel" so darzustellen, wie es dargestellt werden müßte. Aber sicherlich bedarf es dessen nicht.- der Name des „Brtsker Raw," der berühmte Verfasser des klassischen „Beth Talmud" hat überall, wo der jüdischen Wissenschaft eine Stätte bewahrt geblieben, den allerbesten Klang. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer Trauerkundgebung von ergreifendster Gewalt: mehr als dreißigtausend Personen nahmen daran Theil. Nicht nur aus den Nachbargcmeinden Korbin. Wisoko, Mendsirschez re., sondern auch aus weiterer Ferne kamen Deputationen, die Rabbiner an der Spitze, herbeigeeilt, um dem Lehrer und Meister den letzten Tribut ihrer Verehrung darzubringen. Nachdem fünf Rabbiner tiefergreifende Klagereden gehalten, wurden die sterblichen Reste nach dem Friedhofe überführt und dort zur Ruhe gebettet. Unsere Gemeinde hat in einstimmiger Wahl den Sohn des Verblichenen, R. Chaim Soloweitzig, zum Nachfolger seines großen Vaters ernannt. 71212^ pns ny. ' Vor mehr als zwei Jahren wurde eine Reihe wohlhabender polnischer Juden, welche in dem Flecken Proskurow in Russisch-Polen wohnten und dort schwunghafte kaufmännische Geschäfte betrieben, von der Regierung angewiesen, in Brest ihren Wohnsitz zu nehmen, da Proskurow innerhalb des Grenzgürtels von 50 Werst liegt und der ständige Aufenthalt im Bereiche dieses Grenzbezirkes Juden unter Umständen durch die Gouvernementsbehörde verboten werden könne. Kaum in Brest angekommen, erbmen die Juden in einer gemeinsamen Eingabe an die Regierung die Aufhebung dieser Verfügung und wiederholten, als sie innerhalb sechs Monaten keine Antwort empfingen, die Bitte noch ein Mal, aber auch das zweite Mal ohne Erfolg. Schließlich richteten sie sich in Brest häuslich ein und gründeten neue Geschäfte, da sie das Schweigen der Regierung für einen abschlägigen Bescheid angesehen hatten. Jetzt, nach 2l/2 Jahren, haben sie zu ihrem größten Erstaunen Weisung erhalten, sofort nach Proskurow zurückzukehren. Da sie Brest aber jetzt ohne schwere Vermögensverluste nicht verlassen können, haben sie eine neue Petition eingereicht, in Brest verbleiben zu dürfen. > Vermischtes. < Schubin Ein seltenes, schönes Fest beging der „Jüdische Frauenverein" hiesiger Stadt am Sonnabend den 7. Mai. An diesem Tag feierte derselbe sein ^jähriges Stiftungsfest und zugleich das 25jährige Jubiläum seiner ersten Vorstehrin, Frau Ro sali e Ko Nicki. Der Verein bereitete dieser hier allgemein verehrten Dame eine ehrenvolle Ovation. Um 11 Uhr versammelten sich sämmtliche Mitglieder des Vereins, die Repräsentanten und Vorsteher der jüdichen Gemeinde und begaben sich nach dem Haufe der Jubilarin. Daselbst erschienen auch der Königl. Landrath Graf v. Rittberg, der Magistat unter Führung des Bürgermeisters Herrn Seiler; die Stadtverordneten unter Führung ihres Vorstehers, des Freiherrn v. Werthern. Rach dem Gesang von Schulkindern und Deklamation eines Gedichts,' wurde Namens des Vereins eine künstlerisch gefertigte Adresse überreicht, in welcher der verehrten Jubilarin der Dank ausgesprochen wurde für die hohen Verdienste, die dieselbe sich um den Verein erworben habe. Nachdem der älteste Sohn des Hauses im Namen der Jubilarin gedankt hatte, überreichte derselbe dem anwesenden Gründer des Vereins, Herrn Cantor Sarasohn aus Stettin, einen silbernen Pokal. Mit bewegten Worten dankte dieser Herr dem Verein. Darauf schloß Gesang die erhebende, denkwürdige Feier. — Feuilleton. Z>er Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, vr. phil. (43. Fortsetzung.) Hätte Iwan, von diesem Verhör erfahren, so würde cs ihm zweifellos bald gelungen sein, die Gefangenen entfliehen zu lassen, der Geheimrath aber ließ jene Eingekerkerten statt durch den Gefängnißwärter, bloß durch seine eigenen, zuverlässigen Leute bedienen und wachte mit Argusaugen, daß sie von jedem Verkehr mit der Außenwelt vollständig abgeschnitten wurden. Sogar ein gesellschaftlich hochgestelltes Mitglied der heiligen Schaar, einem Freunde und Vertrauten Iwans wurde der Eintritt in jene Zellen der Peterpaulsfestung verwehrt, trotzdem jener dies als einen Eingriff in seine garantirten Rechte betrachtete und dem Geheimrath drohete, er werde sich bei dem Czaren auf das Bitterlichste über ihn beschweren. Trotzdem man jene von Iwan gedungenen Leute, die bei

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