Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 41 (23.5.1892)
- Date
- 1892-05-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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764 verwerthet und es wäre ganz interessant, einmal etwa bei Gelegenheit der Jubiläumsausstellung von Chicago, einen Congreß von Besitzern des Rings vom König David einzuberufen. Mit ergebenstem Gruße hochachtungsvollst Prof. Euting. Breslau, 10. Mai. Die Breslauer Zeitung schreibt: Die Frechheit der antisemischen Presse übersteigt alle Grenzen. So schreibt die „Neue Deutsche Ztg.": „Wir wollen nicht nur die Kohn und Levy von der Börse verjagen, sondern auch die Müller und Schulze, Pindter und Caprivi und wie sie sonst heißen mögen." Und im Wiener „Deutsch. Volksbl." ist zu lesen: „Wir wissen wohl, daß Herrn Caprivi feine Verluste bei dem Juden Sommerfeld durch Juden wieder ersetzt wurden, dies kann aber doch unmöglich der Grund des so entschieden bekundeten Prosemitismus in seinem Organe sein." Breslau. Adelt die Ueberzeugung und das muthige Eintreten für dieselbe immer den Mann, so ist dies doch ganz besonders der Fall, wenn Hindernisse in den Weg treten und die edle Sache Opfer erheischt. Am vorzüglichsten ist dies hervorzuheben, wenn solche Hingebung für ein Gottesgebot in unserer Zeit geschieht, in der ein großer Theil der Glaubensgenossen die spezifisch israelitischen Gebote mit Gleichgiltigkeit betrachtet und von sich wirft, und von einem Manne in einer kleinen Gemeinde, dessen Wirksamkeit ohnehin Schwierigkeiten aller Art begegnen. Der Cultusbeamte, Herr J. Feibel in Jauer (Schlesien) hat es verstanden im vorigen und in diesem Jahre in Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Jauer, Kattowitz, Liegnitz, Ratibor u. s. w. fromme Herzen für Abwendung des hdn pon zu gewinnen und war demzufolge im Stande jüdischen Soldaten am nos rituell zubereitete Kost zu verschaffen In seiner Eigenschaft als Seelsorger hat er sich auch der jüdischen Gefangenen in den dortigen Strafanstalten wiederholt erfolgreich angenommen. Tragen auch die Spender das befriedigende Bewußtsein der vollbrachten edlen Thal in ihrem Herzen, so sollen doch diese Zeilen auch Andere begeistern stets für die Sache der Gottesgebote einzutreten. In Folgendem theile ich noch die behördlichen Schriftstücke mit, die manchen Collegen vielleicht als wichtige Präcedenzfälle dienen können. Rabbiner Dr. P. Neustadt. Jauer, den 4. April. Nach § 96 des Gefängniß-Reglements vom 16. März 1881 ist es unstatthaft, daß Sie den zu Gefängnißstrafe verurtheilten jüdischen Gefangenen .während des Passahfestes rituell verpflegen können. Ein derartiges Privilegium zu Gunsten irgend einer Religtonsgesellschaft existirt nicht. Verlangt jedoch. oder irgend ein anderer jüdischer Gefangener Ihre seelsorgerische Thätigkeit, so wird Ihnen Ausübung derselben in Gegenwart eines Gefängnißbeamten nicht verwehrt werden. Der Gefängniß-Vorsteher: K r e y h e r." Hierauf wandte sich Hr. Feibel beschwerdeführend an den Justizminister und empfing die nachfolgende befriedigende Antwort: „Der Königliche Staatsanwalt A. II. 2611 a. Breslau, den 12. April 1892. Ihre, an den Herrn Justizminister gerichtete Beschwerde vom 5. April 1892 über den dabei zurückfolgenden Bescheid des Herrn Vorstehers des Königlichen Gertchtsgefängnisses zu Jauer vom 4. April 1892, ist mir zur Prüfung und weiteren Veranlassung überwiesen worden und eröffne ich Ihnen auf Grund der stattgehabten Prüfung, daß ich den Gefängnißvorsteher ersucht habe, den Strafgefangenen. während des Passahfestes die Selbstbeköstigung nach jüdischem Ritus unter Beobachtung der betreffenden Vorschriften zu gestatten. An gez. Drescher." den Cultusbeamten Herrn Isidor Feibel in Jauer. Leipzig, 13. Mai. Der neueste Antisemitismus wird sogar der kgl. „Leipziger Zeitung", welche trotz ihres Charakters als Regterungsorgan selbst gern antisemitelt, zu arg. Sie schreibt: „Unter dem Titel: „„Die Wahrheit über Bismarck, ein offenes Wort an die deutsche Nation von Balder"", ist uus gestern aus dem Verlag von K. Minde in Leipzig eine Schmähschrift gegen den Fürsten Bismarck zugegangen, die so ziemlich das Gemeinste ist, was auf diesem Gebiet bisher geleistet wurde, um den Antisemitismus in seiner jetzigen Gestalt bei jedem anständigen Menschen unmöglich zu machen. So. wie es die Förster, Ahlwardt und Genossen jetzt treiben und wie es der Verfasser dieser neuesten Schandschrift treibt, wird dieser Erfolg nicht ausbleiben. Man hat den Deutschen, dem Volke der Denker, eine besonders objektive Beanlagung und einen höheren Grad von Wahrheitsliebe nachgerühmt als den romanischen Völkern. Die unglaubliche Leichtfertigkeit, mit der dieser neuere Antisemitismus mit den Thatsachen umspringt, wird den Semiten noch das Recht geben, das Gegentheil zu behaupten. Sie schändet unser Volk, wenn es diese Elemente nicht ausstößt, nicht minder wie die Korruption im