Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 41 (23.5.1892)
- Date
- 1892-05-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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763 Ende der dreißiger Jahre bot die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren ganzen Stab für Sammlungen zur Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät auf. Die Fakultät ist niemals ins Dasein getreten. Rabbiner Deutsch in seinen Briefen an Muhr spottet darüber mit der Bemerkung : „Haben Sie schon gesammelt, oder werden Sie „bald, zu Gunsten der jüdisch-theologischen Fakultät sammeln? Ich möchte gern wie der Zehnte „bet hd gerade die letzten 50 oder 100 Thaler „einschicken, es scheint mir aber ich bin schon zu „alt, um jene Zeit abwarten zu können." Und nun vergleiche man mit diesem Fiasko das von Rabbiner Dr. Hildesheimer gegründete orthodoxe Rabbinersennnar, diese Schöpfung eines einzigen Mannes, in dem das Prinzip des orthodoxen Judenthums verkörpert ist, und der durch seinen unermüdlichen Eifer, durch seine heiße Liebe für unsere heilige Thora, Tausende und aber Tausende in allen Ländern der Erde so lange für sein Lebensideal zu begeistern verstand, bis dieses Ideal vollendete Wirklichkeit wurde. Wenn man sich die Leistungen dieser Anstalt vergegenwärtigt, wenn man die Männer Revue passiren läßt, die aus ihr hervorgegangen sind, und die den Geist dieser Anstalt nun in alle Gemeinden der Diaspora tragen, wenn man die erstaunlichen materiellen Mittel ins Auge faßt, die dieser Anstalt von allen Seiten zufließen, wie sie geschaffen, erhalten und für die Zukunft gesichert ist, durch die opferfreudige Theilnahme und Hingebung vieler tausende Edler in Israel, dann hat man ein lautes Zeugniß für die Lebenskraft und die unwiderstehliche siegreiche Macht, welche dem orthodoxen Judenthum innewohnt. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 10. Mai. Betreffs der erwähnten Verfügung des Kultusministers, welche eine Untersuchung darüber anordnete, ob und in welcher Art auf den höheren Schulen für den Religionsunterricht der jüdischen Schüler und Schülerinnen gesorgt sei, trägt die „Zt. d. Judenth." aus den Verhandlungen des deutsch-israelitischen Gemeindetages unter allem Vorbehalt über die Veranlassung zu dieser Verfügung Folgendes nach: Eine jüdische junge Dame, die als Erzieherin bei den Kindern eines sehr angesehenen jüdischen Arztes engagirt war, nahm mit Schrecken wahr, daß ihre Zöglinge des Religionsunterrichts entbehrten. Bei eingezogenen Erkundigungen glaubte sie die Bemerkung zu machen, daß nach dieser Richtung überhaupt zu wenig geschehe Dem Drange ihres Herzens folgend, entschloß sie sich — direkt an den Kultusminister, damals noch Herrn Graf Zedlitz - Trützschler zu schreiben. Der Minister informirte sich über die Bittstellerin.'; er soll dieselbe auch selbst empfangen haben und das Resultat dieser Audienz dürfte die vorerwähnte Maßregel sein. Mainz. Vor einigen Wochen wurde uns aus Jerusalem nebst einem Begleitschreiben der nachfolgende Abdruck eines angeblich ausgegrabenen alterthümlichen Steinchens gesandt, mit der Bitte, dem Leserpublikum unseres Blattes davon Kenntniß zu geben. Der Text dieses Abdruckes lautet: *^d in 'n Einer unserer Freunde.unterbreitete die Zusendung der Autorität des Herrn Professor E ut in g in Straßburg. Die mit höchst dankenswerther Liebenswürdigkeit und Bereitwilligkeit erfolgte Rückäußerung dieses hervorragenden Gelehrten übersandte uns nun unser Freund zur Veröffentlichung unter Einwilligung des Herrn Professor. Dieselbe lautet: Straß bürg i. E., 13. Mai. Geehrtester Herr Doktor! In Erwiederung Ihres freundlichen Briefes beeile ich mich, Ihnen Folgcndes zur Orientirung mitzutheilen. Das angeblich in Ramleh gefundene Steinchen ist eine niederträchtige Fälschung, wie sie leider Gottes im heiligen Lande, das von so vielen Antiquitätenjägern und Reliquienfischern heimgesucht wird, nicht selten angeboten und auch angekauft wird. Das vorliegende Stück ist falsch: 1) Aus paläographischen Gründen; 2) auch aus sprachlichen; denn „der König David" müßte zum mindesten mit dem Artikel lauten: q^Dn in 'i 12p (wahrscheinlicher aber überhaupt eher: inis" 'd oder dgl.) Schon im Jahre 1884, als ich zum erstenmal in Jerusalem war, wurde"mir ein'^angeblicher Ring Davids zum Kauf angepriesen; ich hörte damals, dieses so betitelte Fabrikat werde mindestens 4—5 Mal in der Saison, am ehesten an Amerikaner,