Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1892)
- Date
- 1892-05-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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748 so begeht sie ein Verbrechen, so wird sie schuldig, wie die ganze übrige Welt und jedes Mittel ist mir erlaubt, meine Forderung einzutreiben. „Ja, ich will Mittel anwenden, schrecklich und fürchterlich! Was nicht durch Liebe geht, das geht durch Haß, durch Feuer, durch Schwert, durch Blut, mein muß sie werden, oder sterben, beim allmächtigen Gott sei es geschworen. Ich will, ich muß es erreichen. Jener Judenbube, Jakow Alexandrowitsch, sei mir das Opferlamm, das ich auf dem Altar meiner Liebe schlachte. Ich will Thaten vollbringen, wie sie noch nicht gesehen wurden an Schrecklichkeiten und Grauen. Ich will nicht eher ruhen, noch rasten, bis sie mein ist, mein! Schreibt nur in die Zeitungen, ich sei verrückt. Wenn ich wahnsinnig bin, so soll die Welt zittern, zittern vor diesem Wahnsinnigen!" XVII. Iwan hatte einen Fehler gemacht in seinem sonst so kunstreich und klug ausgeführten Plan; er hätte den Fürsten Gutesow verhaften lassen sollen, ehe Jener Zeit gehabt, sich dem Geheimrath Bluwo, dem Abtheilungschef im Ministerium des Innern, dem Vorstande der politischen Polizei, vorzustellen. Der junge Gelehrte hatte auf den Polizeichef einen sehr günstigen Eindruck gemacht, der Geheimrath konnte es durchaus nicht für möglich halten, daß dieser junge Mensch mit dem durchgeistigten Antlitz, mit diesen müden, schlaffen, ganz energielosen Augen ein solch tollkühner und umsichtiger Verschwörer sei, dem es gelingen konnte, sein Vorhaben bis an die Pforten des Winterpalastes zu tragen. Nachdem der Geheimrath so ungnädig von dem Kaiser entlassen worden war, war es eines seiner ersten Geschäfte, daß er sich zu dem Fürsten Gutesow in das Gefängniß begab und sich mit ihm in ein ausführliches Gespräch einließ. Der junge Mann schilderte wahrheitsgetreu, weßhalb er nach Petersburg gekommen, daß sein einziger Zweck gewesen, seinen Freund aus dem Verhafte zu befreien, und zwar nur auf gesetzmäßigem Wege, durch die Gnade des Kaisers. Deßhalb habe er jene Beschwerdeschrift gegen Iwan Alexandrowitsch verfaßt. Er schilderte genau, wie der Jude Alexei Chaimowitsch zu ihm bestellt worden war, ohne daß man wußte von wem, ebenso seien die anderen angeblichen Verschwörer, ohne daß der Fürst ahnte, weßhalb, in seine Wohnung gekommen, wahrscheinlich seien auch sie auf irgend eine Weise durch die Diener Jwan's dorthin bestellt worden. Der Geheimrath begab sich in die Zelle Alexei's, sowie in diejenigen einiger Anderer, die mit dem Fürsten zusammen verhaftet worden waren, und er fand die Angaben Michail's auf das Genaueste bestätigt; er suchte die Gefangenen in ein Kreuzverhör zu verwickeln, damit sie sich vielleicht gegenseitig widersprechen möchten, doch dies gelang ihm nicht, und so war der erfahrene Beamte nun vollständig überzeugt, daß es sich hier lediglich um eine Mystificatkon handelte. Einige der angeblichen Verschwörer allerdings wollten behaupten, daß sie tatsächlich den Plan gehegt, den Czaren zu ermorden, und daß sie der Ausführung sehr nahe gewesen wären. Doch der Geheimrath fragte jeden Einzelnen dieser Leute, die angeblich durch ein offenes Geständniß ihre Strafe verringern wollten, nach den genauesten Details und Nebenumständen der Verschwörung und da konnte es nicht fehlen, daß der Eine ganz andere Dinge angab, wie der Andere. (Fortsetzung folgt.) D« »Slraelit* erscheint wöchentlich zweimal, MoatagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Prett deS Jahrgangfür Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel 5» deztrhrn bet E. $. Strinorkrr, Lri-sig, Doßpiah iS. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau«. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Dentschland «nd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <HauPtblatt): Leitender Artikel: Die Stellung der Orthodoxie und Reform zum obligatorischen Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. O. Lahr. — Egypten: Kairo. — Palästina. — Holland: Amsterdam. — Amerika: Buenos-Aires. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling des Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (Fortsetzung). Inhalt her ersten Beilage: Leitender Artikel: Reinliche Scheidung. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Diersburg. Dürkheim a. d. H. Ermetzhosen. Aus Untersranken. Dessau. Hannover. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Aus Langsdorf. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen,