Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 40 (19.5.1892)
- Date
- 1892-05-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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746 als Rabbiner anzuerkennen. Wir verlangen, daß ein Rabbiner eine theologische Schule besucht und von den Großrabbinern Londons, Paris und Berlins anerkannt ist. Wir sind orthodoxe Juden, und unser Rabbiner soll ein Mann sein, der in der Lehre unserer Religion erzogen worden ist. Wir sind überzeugt, daß Col. Goldsmid unsere Verhältnisse zum Besseren ändern und alle Unregelmäßigkeiten der jetzigen Verwaltung beseitigen will und Gerechtigkeit schaffen wird. > Vermischtes. Frankfurt, 0. Mai. Man schreibt der „Fr. Ztg." Die Fassung, die der Gesetzentwurf über das Diensteinkommen der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Schulen in der Commission erhalten hat, scheint von der des ursprünglichen Entwurfes bedeutend abzuweichen und damit hinter jenem zum Schaden vieler Lehrer zurückzubleiben. In dem ursprünglichen Entwurf hieß es, daß Schulen von Corporationen und Stiftungen in der Vorlage begriffen seien, nach der Fassung der Commission sind cs aber nur die höheren Schulen bürgerlicher Gemeinden. Es scheint, als ob dieser Ausdruck eine Umschreibung für Communalschulen sein soll, also eine Einschränkung schon dem Titel des Gesetzes gegenüber bedeutet, der von „nicht staatlichen" höheren Schulen spricht. Von welch' schädigender Wirkung für viele Lehrer es sein kann, wenn die Fassung der Commission eine Einschränkung gegenüber dem Gesetzentwürfe sein soll, tritt ganz besonders hier in Frankfurt hervor. Wir haben hier zwei sechsklasfige Realschulen mit voller Berechtigung, die weder Staatsschulen noch Schulen bürgerlicher Gemeinden sind: die Realschule der isr. Gemeinde und die der isr. Religionsgesellschast. Vielleicht wäre auch das Haffel'sche Institut dazu zu rechnen, wenn diesem auch bisher nur eine beschränkte Berechtigung znstand. Jedenfalls sind aber die erstgenannten Schulen solche einer Corporation, bezw. Religionsgemeinde, aber nicht der bürgerlichen Gemeinde und haben den Charakter einer öffentlichen Schule. Für die von diesen Anstalten beschäftigten Lehrer, an die seitens der Schule und der Regierung dieselben Anforderungen gestellt werden, wie an die Lehrer staatlicher Schulen Preußens, wäre eine Ausschließung aus dem Gesetze nicht gerechtfertigt, und es dürfte im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit sein, dem Gesetz eine Fassung zu geben, welche die erwähnten und diesen etwa ähnlichen Schulen in Preußen einschließt. Frankfurt a. M., 11. Mai. In einer Ihrer jüngsten Nummern bezeichnet Ihr Herr Correspondent die hiesige israelitische Suppenanstalt als eine Institution der hies. israelitischen Gemeinde. Ich gestatte mir daher, um Mißverständnissen vorzubeugen, darauf hinzuweiseu, daß die erwähnte segensreiche Anstalt völlig unabhängig von der israelitischen Gemeinde ist und eben sosehr von Mitgliedern der Religionsgesellschaft wie von denjenigen der Gemeinde unterhalten wird. In Bayreuth starb am 10. d. der Rechtsanwalt Herr Carl Würzburger, ein in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung, ohne Unterschied der Confession, beliebte Persönlichkeit. Zweimal war er von dem Vertrauen seiner Glaubensgenossen in die erste Stelle der Verwaltung berufen worden und hat er sich in ihrer Mitte ein Denkmal gesetzt, indem die jetzigen Gemeindestatuten sein Werk sind. Die Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse war eine außergewöhnlich starke. In Neuruppin ist der jüdische Friedhof von verbrecherischer Hand demolirt worden. F e u i 11 e t o u. Der Günstling des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (42. Fortsetzung.) In Schweiß gebadet, erwachte Iwan und schlug ein hohnvolles Gelächter an. „Meine Träume kommen aus dem leeren Magen, ich habe vergessen, zu Nacht zu speisen." Es duldete ihn nicht länger im Bette. Rasch sprang er auf, es war noch früh am Morgen, die Diener schliefen noch. Er schellte sie wach, er ließ sich anziehen, er ließ sich ein Pferd satteln, er fühlte sich ungewöhnlich schwach, niedergeschlagen und elend. Dock beim Essen kam ihm der Appetit, er verzehrte ein reichliches Frühstück und fühlte sich darauf viel wohler. Aber auszureiten war er nicht im Stande, er ließ das Pferd wieder - absatteln. „Hätte ich nur einen einzigen Menschen gehabt, der mich wahrhaft geliebt hätte, es wäre nie so wett mit mir gekommen.", sprach er seufzend vor sich hin. „Welche Thorheit, daß ich diesen Brief an den Minister des Innern geschrieben habe! Nun bin ich gebunden und möchte doch nicht mehr in die Provinzialstadt reisen. Nein, ich will nicht! „Diese thörichte, kindische Liebe, eine Dummheit, weiß Gott, ich bin ein Narr! Was thut das aber? Alle große Menschen sind etwas verrückt. Es gab noch keinen bedeutenden Sterblichen, der nicht einen Spahn zu viel gehabt hatte, dem nicht ein Rädchen fehlte in dem Uhrwerk seines Gehirns. Das ist, was Shakespeare des Dichters süßen Wahnsinn nennt. Die Dichter sind wahnsinnig und überfüllen, wenn sie alt werden, die Irrenhäuser. Die großen Staatsmänner sind wahnsinnig, die Stifter aller Religionen waren wahnsinnig. Große Seelen haben große Leidenschaften, namentlich in der Liebe begeht jeder Tollheiten, der nur Geist und Gemüth besitzt. Ich bin noch lange nicht so verrückt wie Shakespeare, der für Knaben