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Der Israelit · 1892-05-19 · Heft 40 (19.5.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 40 (19.5.1892)
Date
1892-05-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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745 Getreidexport aus den Nachbarländern Palästinas nach Rußland bewirkte und zu gleicher Zeit den sonst nicht unbedeutenden Import von dort nach Palästina abschnitt. Süd-Palästina, das glücklicherweise von der Cholera verschont blieb, litt nicht weniger von ähnlichen Krankheiten, wie Fleck- Typhus und Diphterie, die ungewöhnlich viele Opfer forderten. Dazu kommen die Leiden der Inden in Rußland, Griechenland und Persien, deren Opfer Zuflucht im heiligen Lande suchten und hier die Anzahl der Nothleidenden und das Elend noch vermehrten. Dies hatte ein Verbot der türkischen Regierung gegen die Einwanderung von Juden aus obengenannten Ländern nach Palästina veranlaßt, was wiederum eine plötzliche Entwerthung von Häusern und Grundstücken zur Folge hatte und eine bisher ungekannte Stockung im Handel und Verkehr hervorrief, welche selbstverständlich die Noth verallgemeinerte. Diese schlimme Zeit, die numehr vorüber ist, wird noch lange im Gedächtnisse der armen, jüdischen Bevölkerung bleiben. Holland. Amsterdam. Der vor kurzem hier verstorbene Herr I. I. Vedder hat 300,000 fl. für die Gründung von Armenhäusern für 10 alte Personen der Aschkenasim-Gemeinde in Amsterdam vermacht. Amerika. Buenos Aires, 31. März. Im „Standard" vom 1. April ist von den Delegirten der Colonie „Mosesstadt", den Herren Moses Rosengarten, Moses Rissin, Abraham Goldin und Wolf Eochet nachstehendes Schreiben veröffentlicht worden: Da wir wissen, daß Ihre Zeitung immer großes Interesse an unserem Wohlergehen nimmt, bitten wir Sie uns eine Spalte in derselben einzuräumen. In den Tageszeitungen macht ein Mann, der sich Rabbi nennt, bekannt, daß er während der letzten 30 Jahre mit Auswanderern aller Nationen dieses Landes in Berührung gekommen und er seine besondere Aufmerksamkeit den jüdischen Emigranten gewidmet habe. Menschlichkeit fordert uns auf, Ihnen mitzutheilen, wie die jüdischen Colonisten behandelt und bedroht werden. 5000 verfolgte und unterdrückte Seelen müssen in verfaulten Zelten, der Sonne, dem Regen und den Feinden ausgesetzt, Hausen. Erst vor zwei Monaten wurde ein Arzt für „Mauricio" bestimmt und. vor 14 Tage ein zweiter, der nach „Mosesstadt" gesandt wurde; beide Aerzte sind gegenwärtig in Buenos Aires, um unsere Interessen zu wahren. Aber was können diese Aerzte für etwa 200 Kranke thun, die jetzt in den Colonien sind, so lange nicht für Arzneien gesorgt ist; für Arzneimittel ist kein Geld da, aber um so mehr für Luxus. In jeder Colonie sieht man ein Dutzend Beamte täglich ihre Zeit in Faulheit und Zank verbringen, jeder will der Verwalter sein. Unter dem ganzen Regiment von Angestellten ist auch nicht ein einziger, der Landbauer oder Colonist gewesen ist, und nichts braucht ein Verwalter zu können, als schmeichelhafte Artikel in die europäische Presse zu setzen. Wie lange wird es wohl noch dauern bis man uns ein Stückchen Land, dazugehörige Werkzeuge und Vieh giebt, was uns alles versprochen wurde? Warum giebt man uns kein Arbeit? Am 16. Februar wurden die Colonisten von Mauricio von 500 mit Gewehr, Revolver und Pistolen bewaffneten Soldaten überfallen. Welches Verbrechen verübten die Colonisten? Empörten sie sich? Nein; es ist ja bekannte Thatsache, daß sich Juden nicht empören und daß je mehr sie verfolgt werden, desto geduldiger und gehorsamer sie sind. — Das einzige Verbrechen, das sie begingen, war, daß der Verwalter glaubte, sie hätten in der europäischen Presse Berichte über ihr trauriges Schckisal veröffentlicht. Bringen die irischen Colonisten in der Colonie Naposta nicht ihre Beschwerden vor die britische Regierung? Tritt die britische Regierung nicht für ihre Rechte ein? Aber wir Juden sollen uns nicht beklagen dürfen; unser Elend wäre verborgen geblieben, wenn nicht einige unparteiische Christen (Engländer und Franzosen) an Baron Hirsch appellirt hätten. Diese edlen Leute haben die Colonien besucht und haben mit ihren eigenen Augen gesehen, daß wir gegenwärtig uns in einer elenderen Lage befinden, als selbst in Rußland. Wie lange werden wir uns noch gedulden müssen? Jeder Unparteiische wird uns recht geben, daß wir lange genug gewartet haben, unsere Leiden und Beschwerden vorzubringen, aber jetzt sind wir dazu herausgefordert worden; denn man hat uns bei unserem Beschützer, dem Baron Hirsch verleumdet. So lange kein Rabbiner in Argentinien vorhanden, um uns zu beschützen und unsere Interessen zu wahren, ist es unsere Pflicht, dies zu thun. Unsere einzige Hoffnung, welche wir hatten und haben, um unsere Lage zu verbessern, ist auf unseren edlen Glaubensgenossen, Colonel Goldschmid gerichtet, welcher, wie wir hören, zum Verwalter der Colonie und zum Secretär des sich Rabbi nennenden Mannes bestimmt worden sei. Aber wir erklären öffentlich im Namen aller jüd. Colonisten, daß wir uns weigern, jene Person

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