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Der Israelit · 1892-05-19 · Heft 40 (19.5.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 40 (19.5.1892)
Date
1892-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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744 Stellung zu den Juden in einer seiner Novellen: „Die Diebin" in folgenden Worten: „Die Gerechtigkeit erfordert es, zu sagen: Das Wohlthun, die Barmherzigkeit dieser Leute (Juden) ist blind und unerschöpflich; sie machen keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, wenn es Wohlthaten gilt und alle Menschen, mögen sic auf diese oder jene Weise getauft sein, sind sich gleich, wo es sich um eine Bcthätigung ihrer Hock» Herzigkeit handelt!. Ich kenne in der Umgebung von Paris ein Dorf, welches von der Freigebigkeit einer vornehmen Dame jüdischer Abstammung lebt, deren herrlicher Geist und göttliche Güte den stolzesten Christinnen als leuchtendes Vorbild dienen könnten. Die bewunderungswürdige Frau geht sogar so weit, daß sie das Holz in ihren Wäldern fällen, bündeln und Jedermann ins Haus schaffen läßt, damit die Leute sich nicht selbst darum in den Wald bemühen müssen. Und Sie meinen, man sei ihr dafür erkenntlich! Bewahre! Es gibt keine kleinen Vexationen, keine niedrigen Bosheiten, die sic nicht zu verkosten bekäme, während sie durch ein einziges Wort alle diese Hallunkcn dem Elend und Hunger preisgeben könnte. Sie aber nimmt all die Bosheiten ruhig hin und fährt fort Gutes zu thun, ohne sich aber dessen in den Zeitungen zu rühmen und cs ist nur der reine Zufall, wenn einiges ihrer edlen Thätigkeit bekannt wird. . . . Man findet überall gute und schlechte Menschen und in einem großen liberalen und aufgeklärten Lande wie Frankreich nehmen sich solche Streitigkeiten lächerlich und kindisch aus." Kr. Egypten. Kairo Die „Egyptim Gazette" bringt folgenden Brief aus dem Publikum, von dem hier die Uebersctzung folgt: „Vor einigen Wochen erhob sich ein Thcil der griechischen Einwohnerschaft von Port-Said gegen ihre israelitischen Mitbürger, indem sie dieselben beschuldigte, sich eines griechischen Mädchens bemächtigt zu haben, um es zu tödten und sein Blut zu religiösen Zwecken zu benützen. Das Kind wurde frisch und munter aufgefunden. Aber ein jüdischer achtzigjähriger Mann starb in Folge von Stock- und Faustschlägen, die ihm die erregte Menge beigebracht. Man fragt sich jetzt, ob die ei öffnete Untersuchung durch die Polizei zu einem guten Ende gekommen und ob man die Schuldigen hat, um sie rechtlich zu verfolgen. Die Wirren von Port-Said haben kaum beruhigt, und schon hört man von antisemitischen Unruhen, die in Damanhur (Eisenbahn-Station zwischen Alexandrien und Kairo) ausgebrochen sind. Diesmal sind es die Eingeborenen, welche die Juden beschuldigen, einen mohamedanischen Knaben entführt zu haben. (Die Bezeichnung antisemitisch trifft nicht zu, da die Araber selber Semiten sind.) Der Vater des Kindes kam zu der Polizei und beklagte sich, daß sein Sohn verschwunden sei, und daß er trotz des Suchens dessen Spur nicht wtederfinden könne; er klagte die Israeliten an, ihn zum Passahfest getödtet zu haben. Der Polizei-Vorsteher (wahrscheinlich ein Araber, nur in den größeren Städten sind die Polizei-Offiziere Engländer) traf wirklich entsprechende Anordnungen. Er ließ den kleinen jüdischen Tempel von Polizisten besetzen und dort Nachsuchungen anstellen, ebenso in der Stadt. Kein jüdisches Haus blieb verschont vor den Besuchen der Polizei, die überall von einer lärmenden, Alles demolirenden Menge begleitet war, Alles natürlich, ohne daß sich irgend eine Spur von dem Kinde gefunden hätte. — Diesem vom 19. April datirten Briefe ist am 23. April ein anderer gefolgt, welcher das Verschwinden des Kindes auf sehr einfache Weise erklärt. Das Kind, heißt cs dort, welches von den Juden erwürgt sein sollte, befindet sich vollkommen gesund in dem Nachbardorfe Komel-Ahdar. Ein Mann hatte es an sich gelockt, um sich seiner zu einer Betrügerei zu bedienen. Derselbe spiegelte einem armen, von einer Krankheit heimgesuchten Manne vor, er wisse ein Heilmittel dagegen, und erbot sich, ihm dasselbe für 20 Piaster (5 Franc) aus dem nahen Damanuhr zu beschaffen. Zugleich ließ er, um den Mann vollkommen zu beruhigen, das Kind bei dem Manne zurück und bat ihn, dieses, welches er für das seintge ausgab, bis zu seiner Rückkehr in seine Obhut zu nehmen. Natürlich ließ sich der falsche Arzt nicht wieder sehen, und erst nach zwei bis drei Tagen fiel es dem kranken Manne ein, das Kind zu befragen, welches dann angab, daß der Mann gar nicht sein Vater oder Verwandler sei. Man telegraphirte an den Mudir von Damanuhr, welcher Befehl gab, das Kind zu seinen Eltern zurückzuführen. Palästina. Ueber die Lage unserer Glaubensbrüder in Palästina erhalten wir folgenden Bericht: Die letzten sechs Monaten gehörten zu den allerschlimmsten, die von den jüdischen Bewohnern Palästinas seit Menschengedenken erlebt wurden. Die Ursachen, die diesen Nothstand hervorbrachten, waren: Mißwachs im Süden, Cholera im Norden des heiligen Landes, und als deren Folge strenge Untersuchungsmaßregeln, welche jede Verbindung zu Wasser und zu Lande, sowohl mit dem Inals Auslande aufhob; ferner schadete der früh eingetretene Winter, der zur landesüblichen Aufhäufung von Wintervorräthen keine Zeit übrig ließ, und endlich die Hungersnoth in Rußland, die einen gesteigerten

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