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Der Israelit · 1892-05-19 · Heft 40 (19.5.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 40 (19.5.1892)
Date
1892-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Zeitungsnachrichten und Correspou-enzen. Deutschland. C. Berlin, 33. Omer. Eine wichtige Entscheidung von weittragender Bedeutung ist vom Ober- Verwaltungs-Gerichte vor einigen Tagen gefällt worden. Die Adaß-Jtsroel-Gemeinde, welche die Rechte einer Synagogen-Gemeiude besitzt, hatte bisher mit einer besonderen Schwierigkeit zu kämpfen, welche dem Eintritt neuer Mitglieder sich entgegenstellte. Die große Gemeinde forderte von jedem neu Angezogenen, auch wenn er in diese nicht eingetreten war, die vorgeschriebene Austrittserklärung. War diese aber erfolgt, so besteuerte sie den Ausgetretenen — analog dem Gesetze vom Jahre 1876 — noch fünf Jahre hindurch. Es ist leicht denkbar, wie in solcher Weise der Eintritt in die Adaß-Jisroel- Gemeinde sehr erschwert wurde. In einem Spezialfalle hat nun das Oberverwaltungs-Gericht entschieden, daß es genügend sei, wenn der neu Anziehende bei seiner Niederlassung in Berlin sofort die Erklärung abgebe, in die große Gemeinde nicht eintreten zu wollen. — Bei dem großen Zuzug von jüdischen Familien aus den Provinzen, in denen noch der ernste Vorsatz existirt, sich auch in der Großstadt auf der Bahn des gesetzestreuen Judenthums zu erhalten, ist nunmehr zu hoffen, daß sie sich unserer Gemeinde zuwenden werden, in welcher der Gottesdienst so wie alle Gemeinde-Institutionen den strengsten Ansprüchen in religionsgesetzlicher Beziehung entsprechen. Allerdings tritt jetzt auch an die Vertreter dieser Gemeinde die ernste Pflicht heran, aus einer gewissen Lethargie, die sich seit längerer Zeit in der Verwaltung fühlbar macht, zu schöpferischer Kraft und zu neuem Schaffen sich aufzumuntern. Vorzüglich wäre eine General-Versammlung all er Gemeinde-Mitglieder, sowohl der ausgetretenen als auch der unserer Gemeinde nur als außerordentlich angehörenden, an der Zeit, um in derselben die Wünsche und Ansichten kennen zu lernen, welche Viele für die Erkrästigung der Gemeinde in sich bewahren. Hierdurch kann das Interesse der Gemeinde nur gewinnen, deren Mitglieder in bisheriger Weise, nicht einmal durch einen Jahresbericht Gelegenheit haben, über den Stand und die Verhältnisse der Gemeinde Etwas zu erfahren. Frankfurt a. O., 3. Mai. Seit einigen Wochen ist, wie der „Jüd. Pr." geschrieben wird in unserer Synagoge eine Orgel, mit welcher zugleich auch das Geiger'sche Gebetbuch eingeführt wurde. Wenn man bedenkt, daß in unserer Gemeinde die größten Männer in Israel gewirkt haben, daß noch am Anfänge dieses Jahrhunderts der berühmte Verfasser des kri LlexaäLm hier gelehrt hat, dann wird man ermessen können, wie tiefbetrübend dieses Ereigniß auf das Herz eines jeden gesetzestreuen oder auch nur pietätvollen Jehudt wirken muß. Ja noch mehr. Jeder auch nur einigermaßen friedliebende Mensch, welcher Parteirichtung er angehören mag, muß von dieser Neuerung auf's schmerzlichste berührt werden; denn hier ist dieselbe nicht etwa mit Zustimmung der ganzen Gemeinde eingeführt worden. Nein. Sechs Repräsentanten waren es gegen sechs, die diesen Beschluß faßten, worauf dann der Vorsitzende, ein entschiedener Anhänger der äußersten Reform, sich selbst die Ausschlagstimme gegeben hat. Daß ein sehr großer Theil der Gemeinde mit der Neuerung unzufrieden ist, hat auch der Gottesdienst, den die Gegner der Orgel aus eigenen Mitteln am Peßach eingerichtet haben, gezeigt; denn derselbe erfreute sich einer äußerst regen Betheiligung, die angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde, selbst solche, die für die Orgel Geld gespendet, wohnten demselben bei, weil sie in althergebrachter Weise beten wollten. Um das Gelingen des Festgottesdienstes hat sich ganz besonders das Vorstandsmitglied Herr L. Struck verdient gemacht, welcher Herrn Rabbiner Dr. E. Goitetn als Prediger und Herrn Kantor Dr ujan als Vorbeter für den Privatgottesdienst gewann. Die trefflichen Reden des ersteren und herrlichen Gesänge des letzteren riefen wahrhafte Begeisterung hervor, und ein erheblicher Theil der Gemeinde, der treu zur Fahne des altüberlieferten Judenthums hält, ist nunmehr fest entschlossen, alle gesetzmäßigen Mittel zur Wiederherstellung des Friedens innerhalb der Gemeinde anzuwenden. Dieser Friede kann aber nichts Anderes bedeuten, als die Beibehaltung des von unseren Vätern ererbten Gottesdienstes. Lahr. (GeorgesOhnet über die Juden.) Wie in Deutschland, sucht man neuerdings auch in dem „religiös und politisch aufgeklärten Frankreich" die Existenz der Judenfrage darzuthun und das Volk über die schädlichen Einflüsse des Judenthums aufzuklären. Angesichts der Machenschaften eines Drumond, Rochefort, Deroultzde, gewährt es einem jeden vorurtheilslosen, friedliebenden Menschen innerliche Freude und Zufriedenheit, wenn hervorragende Persönlichkeiten der Politik, Wissenschaft und Kunst ihre gewichtige Stimme im Streite vernehmen lassen, um die verwerflkchen antisem. Hetzereien gebührend zu brandmarken und die schädlichen Folgen dieser kultur- und menschenfeindlichen Bestrebungen zu kennzeichnen. Einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller, GeorgesOhnet, der Verfasser des berühmten Bühnenstücks „Der Hüttenbesitzer" schildert seine

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