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Der Israelit · 1892-05-16 · Heft 39 (16.5.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 39 (16.5.1892)
Date
1892-05-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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735 Halsschnitt eintretenden Muskelkämpfe bis zum Eintreten des Todes soll der Kopf des ThicreS festgelegt werden. 6. Die Schächtung soll nur durch erprobte Schächter ansgeführt werden. Altena i. W, 13. Mai. Wir erhalten unter Berufung auf das Preßgesetz nachfolgende Zuschrift: In Nr 38 der Pädagogischer! Beilage des „Israelit" ist ein Artikel aus der Preußischen Lehrerzeitung abgedruckt, welcher s. Z. von derselben Zeitung durch Entgegnung des Vorstandes klargestellt worden ist. Die thatsächlichen Angaben des besagten Artikels find aus der Luft gegriffen. Es jist eine Unwahrheit, daß die Regierung in Arnsberg den Schulvorstand gezwungen das Gehalt auszuzahlen, da der Rendant der jüdischen Gemeinde auf briefliches Verlangen des p. Naumann, ihm während seiner milit. Dienstzeit sein Gehalt nach Cassel sandte. Die Kündigung war längst vor jeiner Dienstzeit, wegen Unzufriedenheit seiner Leistungen beschlossene Thatsache der Gemeinde. Altena, 13. Mai 1892. Der Vorstand der jüd. Gemeinde: L. Hanf. N. Schnitzler. Brette«, 7. Mai. Wir lesen in der „Bad. Laudeszeitung": Für den am Montag, den 9. d. M. stattgefundenen Viehmarkt hatten die in Folge der antisemitischen Bewegung seit 3 Monaten fern gebliebenen Handelsleute aus Hessen und Rheinbayern ihre Anwesenheit wieder zugesagt. Es dürfte dies das richtigste Mittel zur Beilegung einer für unsere Landwirthschaft, wie für die Händler gleich nachtheiligen Geschäftsstörung sein, die von Leuten angefacht und unterhalten wird, welche ohne Rücksicht auf die heutigen Verkehrsverhältnisse dem Bauern Rathschläge geben, deren Befolgung sich jetzt schon als zwecklos und schädigend erweist. Von den größeren Landwirthen des Bezirks, Gutspächtern u. s. w, wird versichert, daß ihnen die Geschäftsverbindung mit den israelitischen Viehhändlern nöthig und noch nicht schädigend gewesen sei, während die Folgen der antisemitischen Hetze für die Landwirthschaft sehr bedenklich erscheinen. Solchen verbürgten Ansichtsäußerungen gegenüber dürfte es schon gerathen sein, wenn die hiesige Gemeindeverwaltung, welche bisher in der Sache eine nicht ungerechtfertigte Neutralität eingehalten hat, zum Schutze der Gemeinden und Bezirksinteressen Stellung gegen jenen Thcil der Thätigkeit des deutsch-sozialen Vereins nehmen würde, der eine planmäßige Verhetzung der Landbevölkerung und deren Bearbeitung für künftige Wahlen bezweckt. Vielleicht gibt das angekündigte Auftreten des Antisemiten „Liebermann" Gelegenheit, daß auch die nat.-lib. Parteileitung sich gegen das Eindringen solcher Irrlehren verwahrt. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien, 11. Mai. Eine heute Abends beim „goldenen Sieb" in der Paniglgaffe abgehaltene Versammlung des Katholisch-constitutionellen Vereines Wieden wurde vom Regierungsvertreter aufgelöst. In dieser Versammlung sollte der Abgeordnete Schneider sprechen, der jedoch verhindert war, zu erscheinen. An seinerstatt sprach Gemeinderath Gregorig und griff, in Ermangelung eines anderen Stoffes, die Musik- und Theater-Ausstellung auf's heftigste an, indem er sie als einen „jüdischen Tandelmarkt" bezeichnete. Bet der Eröffnung der Ausstellung seien nichts als Juden zu sehen gewesen, und nur ein paar Aristokraten hätten sich darunter verirrt. Diese Ausfälle Gregorig's fanden aber in der Versammlung nur gelheilten Beifall. Nachdem Gregorig geschlossen hatte, erhob sich am Ende des Saales ein Herr und erklärte : „Ich bin Mitglied einer Anzahl katholischer Vereine, aber ich muß die Aeußerungen des Herrn Gregorig mißbilligen, da sie unwahr und unpatriotisch sind. An der Spitze der Ausstellung stehen nicht Juden, sondern der Bruder des Kaisers, Erzherzog Karl Ludwig. Nicht nur Juden und einige Aristokraten, Se. Majestät der Kaiser selbst war bei der Eröffnung anwesend. Ich verlange, daß die Versammlung diese Worte des Landtags-Abgeordneten Gregorig mißbillige." Auf diese mannhaften Worte folgte ein fürchterlicher Tumult, die Rufe: „Judenknecht!" rc. wurden laut, und Viele umringten mit drohend erhobenen Fäusten den Redner. Nun erhob sich der Commissär und erklärte die Versammlung für geschlossen. Neuer Lärm brach los. Der Commissär verließ aber schnell den Saal, nachdem er noch dafür gesorgt hatte, daß der bedrohte Redner vor Mißhandlungen gesichert sei. Im Saale spielten sich noch stürmische Scenen ab, bis er sich langsam leerte. Literarischer Wericht. Gedenkblätter. Hervorragende jüdische Persönsönlichkeiten des neunzehnten Jahrhunderts. In kurzen Charakteristiken von Dr. M. Kayserling. Leipzig. Th. Griebens. Verlag 1892. — 92 Seiten. — Preis 1 Mark. Der Gedanke welcher diesem Schriftchen zu Grunde liegt, ist ein gesunder, anerkennnenswerther. Die vollendete Ausführung dieses Gedankens ist jedoch an den Schwierigkeiten gescheitert, die der Verfasser zum Theil selbst erkennt, zum Theil vollständig ignorirt hat.

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