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Der Israelit · 1892-05-16 · Heft 39 (16.5.1892) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 39 (16.5.1892)
Date
1892-05-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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730 Das Schriftchen will besonders beider Jugend das Andenken an die Männer erhalten, welche in unerschütterlich erGlaubenstre ne für die Rechte der Juden gerungen und in Begeisterung für Glaubens- und Gewissensfreiheit gestritten, welche mit nachhaltigem Erfolg das Judenthum nach außen vertreten, für seinen inneren Ausbau Ersprießliches geleistet und sich als Pfleger des jüdischen Geistes auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft hervorgethan haben. Ob die charakterisirten Männer alle das Prädikat hervorragend verdienen und ob nicht andere ausgelasseu wurden, für welche ein pietätsvolles Gedenken mit gleichem Recht gefordert werden kann, das ist eine Frage, die der Berf. selber offen läßt, und über die wir hier nicht richten wollen, nachdem uns der Verfasser versichert, daß er absichtlich keinen Mann von mehr als lokalem Verdienst und allgemeiner Anerkennung übergangen habe. Wir glauben ihm das gern und würden in einigen Namen zu viel und zu wenig an und für sich nichts finden, was den Werth dieser Schrift wesentlich beeinträchtigt. Was uns bedenklich erscheint, ist die kaum zu bewältigende Schwierigkeit, die hervorragenden Männer des neunzehnten Jahrhunderts wahrheitsgemäß zu charakterisiren, wenn wir selbst die beste Fähigkeit und Absicht des Darstellers voraussetzen dürften. Gewiß stimmt jeder mit dem Verfasser überein, daß wir seit Mendelsohn auf Männer hinzuweisen haben, „welche sich mit aufopfernder Theilnahme an den Aufgaben der öffentlichen Wohlfahrt, an dem Emporblühen der Wissenschaften betheiligten, auf Männer der festesten Consequenz, auf eine stattliche Reihe unantastbarer Charaktere." Aber, daß in diese Zeit auch die Bewegung fällt, welche die gesammte Judenheit in Juden und Reformjuden sondert, das wird hier ganz vornehm ignorirt. Und doch ist in Folge dieser Scheidung und Klärung jeder Einzelne, jedenfalls aber jeder Wortführer Partei, und sieht die zu schildernden Männer durch die Parteibrille, was für eine objective Würdigung von ganz bedenklichen Folgen ist. Wenn man den Verfasser dieser Schrift gar nicht kennt, so weiß man schon, weß Geistes Kind er ist, wenn man nur die Namen der von ihm charakterisirten Männer mustert und findet, daß die bei weitem größte Mehrzahl derselben, dem Reformjudenthum angehören und zum großen Theil enragirte Parteigänger desselben sind. — Vielleicht wäre ein orthodoxer Charakterdarsteller in das andere Extrem verfallen. Man sieht daraus, wie schlecht sich unsere Zeit für geschichtliche Darstellungen dieser Art eignet. Sieht mau aber selbst von dieser Schwierigkeit ab, so bleibt immer noch Bedenkliches genug in der Art und Weise übrig, wie hier Licht und Schatten vertheilt ist. Das Buch ist für die Jugend bestimmt. Was soll sie nun von dem Judenthum für einen Begriff bekommen, wenn sie daraus erfährt, daß Jemand, der z. B. wie Berthold Auerbach sich weigerte sein Kind in das Abrahamitische Bündniß aufzunehmen, dennoch ein treuer Sohn des Judenthums genannt wird. Dagegen wird Samson Raphael Hirsch gelegentlich seiner Gegnerschaft gegen das Breslauer Seminar und seine Begründer nachgesagt, er sei nicht immer ohne Leidenschaftlichkeit gewesen! Nun, die Akten hierüber liegen vor aller Welt Augen offen da, und man könnte ruhig einen Preis auf jede Leidenschaftlichkeit setzen, die sich in Hirsch hier gehörigen Schriften findet. Die Leidenschaftlichkeit in dem Streit lag auf der andern Seite, auch darüber liegen die Akten offen da. Die Daten reichen bis in das Jahr 189 l. — Die Notizen über Dr. L u d w. P h i l i p p s o n nehmen wohl den größten Raum unter allen Schilderungen ein, etwas über eine Seite; aber der Mann, der Philippsons schädlichen Einfluß lahm gelegt hat, Dr. Lehm a n n ist mit Stillschweigen übergangen. Er theilt dieses Schicksal mit vielen Gesinnungsgenossen z. B. mit C hach am B er na ys, obwohl dessen Sohn Jacob Bernays, seiner wissenschaftlichen Bedeutung entsprechend, hervorgehoben wird. Solche kleine Züge illustriren den Geist des Ganzen besser, als eine weitläufige Besprechung. > Vermischtes. < Berlin, 12. Mai. Der Chef der Firma Loewe und Oberstlieutenant Miehn, Direktor der Loewe'schen Gewehrfabrik stellten heute Strafantrag gegen den Rektor Ahlwahrdt. Danzig, n. Mai. Die hiesige Stmagogengemeinde beabsichtigt in hiesiger Stadt ein jüdisches Waisenhaus zu. errichten. Wenn diese Angelegenheit auch noch in weiter Ferne liegt, so ist mit dem Ansammeln eines Fonds hierzu begonnen worden und es sind bereits über 1000 Mark vorhanden. Wochen - Kalender. Freitag, 20. Mai, 23. Ijar. Sabbat-Anfang 7 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 21. Mai, 24. Ijar. '.1 's iYrDD ,T)j?ri21 Sabbat-Ausgang 8 Uhr 40 Min. (Mainzer Uhr.) In denjenigen Staaten, in welchen mittelenropäische Zeit eingeführt ist (also bis jetzt in Baden, Bayern, Elsaß und Württemberg), ist die oben angegebene Zeit, abgesehen von der Umrechnung der Mainzer Uhr in die betreffende Ortszeit, um etwa 25 Minuten später zu berechnen.

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