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Der Israelit · 1892-05-16 · Heft 39 (16.5.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 39 (16.5.1892)
Date
1892-05-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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729 er mit feinem Takt eine Kluft überbrückt! fährt die „Allg. Ztg. d. Judenthums" auf diesem Wege der Kritik weiter fort, so werden sich bald alle doppelgängigen Pfaffen, Streber, Heuchler, Lohnprediger und Lohnschreiber bei ihr für die Rehabilitirung ihrer Ehre bedanken. Sie halten sich von nun ab für „taktvolle Brückenbauer." Altona. Im Laufe der Zeiten hat es sich herausgestellt, daß die Statuten der hiesigen Hochdeutschen Jsraelitengemeinde so vielfache Mängel und unzeitgemäße Bestimmungen enthalten, daß ein Weiterarbeiten auf Grundlage dieses vor Jahrzehnten genehmigten Statuts hemmend auf die Entwickelung der Gemeinde und ihrer zahlreichen segensreich wirkenden Institutionen einwirken würde. Zufolge dessen wurde eine Commission zur Umarbeitung der Statuten, bestehend aus den Herren Justizrath Heymann, Rechtsanwalt Marburg, Wolf, Möller und Amtsgerichtsrath Friedländer gewählt. Wünschenswerth wäre es, wenn u. A. auch der ominöse unzeitgemäße Paragraph des Statuts in Zukunft in Wegfall käme, laut welchem nicht mehr als ein Drittel der Gemeindesteuern für die Gemeindeschule aufgewendct werden darf. Es haben sich seit der Schaffung dieses Paragraphen die Zeiten wesentlich geändert und besonders seit dem Zollanschluß sind fast alle Lebensbedürfnisse sehr wesentlich im Preise gestiegen, die Erhöhung der Lehrergehälter konnte aber bedauerlicher Weise trotz des einmüthigen besten Willens des Vorstandes, der Repräsentanten und der Schulcommission der Gemeinde, infolge dieses unglücklichen Paragraphen, nicht gleichen Schritt halten. — Nun kam noch in jüngster Zeit hinzu, daß die städtischen Behörden einen Antrag der jüdischen Gemeinde, die israelitische Gemeindeschule ebenso zu subventioniren, wie dies von Seiten der Stadt mit der katholischen Gemeindeschule geschieht, abgelehnt hat angeblich mit der Begründung, daß die Israelitische Gemeindeschule keine Volksschule, sondern eine Höhere Bürgerschule sei. Da nun die jüdische Gemeinde die edle Absicht hatte, diese Subvention zur Aufbesserung der Lehrergehälter zu verwenden, so gehen vorläufig die Lehrer und Lehrerinnen leer aus. — Die Begründung der Ablehnung zeigt aber auch andererseits, daß die Commune Altona bezüglich der Klassifizirung der Israelitischen Gemeindeschule sich mit der Königl. Regierung im Widerspruch befindet; denn laut Anordnung derselben darf die Gemeindeschule kein Schulgeld erheben, rangirt also im Sinne des Gesetzes unter Volksschulen und erhält auch die übliche Staatssubvention. — Hoffentlich wird die Gemeinde sich mit der Ablehnung ihrer Petition nicht ohne Weiteres zufrieden geben. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Pesth. Bet den Mai-Beförderungen in unserem Heere wurde unser Glaubensgenosse, der Kapitän Eduard Schweizer zum Major ernannt. Es ist dies in Ungarn der erste Fall, daß ein Jude einen solch hohen militärischen Rang erreicht hat. Schweizer hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Nach dem 67er Ausgleich trat er als gemeiner Soldat in die gemeinsame Armee ein; im bosnischen Krieg avancirte er schon zum Offiziersstellvertreter. In diesem Feldzuge machte er sich durch Beschützung einer von Ungarn besetzten und verloren geglaubten Burg derart um das Vaterland verdient, daß man ihm den Baroustitel mit dem Maria Theresiaorden verleihen wollte. Da man jedoch diese seltene Auszeichnung von seiner Taufe abhängig machte, was er aber um keinen Preis thun wollte, bekam er nur den eisernen Orden und die Ungar. Ritterwürde. Schweizer ist ein religiöser Jude. Budapest. Die „Bud. Corr." schreibt: Die von mehreren Blättern reproductrte Nachricht des „Egyenlösög", wonach der Unterrichtsminister demnächst einen kurzen Gesetzentwurf über die Reception der jüdischen Confession dem Abgeordnetenhause unterbreiten werde, entbehrt — wie wir competenterseits erfahren — jeder thatsächlichen Grundlage. Es wäre übrigens auch ganz undenkbar, weil unzweckmäßig, in der in dieser Meldung dargestellten Weise die Reception der jüdischen Confession legislatorisch durchzuführen, da es sich ja nicht um die prinzipielle Deklaration, sondern um die mit der Reception verbundenen zahlreichen concreten Fragen handelt. Unterrichts - Minister Graf Csaky wird sich, wie wir hören, bei der Verhandlung des Unterrichtsbudgets im Abgeordnetenhause eingehend über die wichtige Frage der Reception der jüdischen Confession äußern. — Die Herren Alexander, Ignaz und Sigmund Schmidt haben dem ungarischen israelitischen Landes-Stipendienverein 2000 fl. in fünfprozentiger Ungar. Papierrente als Stiftung zur Verewigung des Namens ihrer Eltern mit der Bestimmung übergeben, es mögen die Zinsen hievon jährlich als „Moriz und Maria Schmidl-Stipendium" verliehen werden. Unter den gleichmäßig qualificierten Bewerbern werden die Anverwandten der Stlfter, ferner die aus Balassa-Gyarmont oder einem anderen Orte des Nerograder Comitats gebürtigen Petenten zu bevorzugen sein. Lemberg, 7. Mai. Wie aus Odessa gemeldet wird, haben dort vorgestern in Folge strenger Handhabung des Fremdengesetzes nahezu tausend ausländische Juden die Stadt verlassen müffen.

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