Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1892)
- Date
- 1892-05-12
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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722 die Mädchen am Chumeschunterrichte, der doch am besten dazu geeignet, den Sinn für alles Gute und Schöne zu pflegen, theilnehmen zu lassen, damit sie mit glühender Begeisterung und feuriger Liebe dem Judenthume huldigen. Aber auch vom pädagogischen Standpunkte aus betrachtet, halte ich es für höchst nothwendig, daß auch unsere Mädchen den Inhalt des Pentateuchs erlernen und zwar aus folgenden Gründen: 1) Es ist eine bekannte Thatsache, daß unsere Religionsschulen weit mehr von Mädchen als Knaben besucht werden, (? Red.) da letztere frühzeitig in höhere Schulen übertreten. Wirkt es daher nicht störend auf den Unterricht, wenn der Lehrer nur mit drei bis vier Knaben — mehr sind es ja selten in einer Klasse — den Chumeschunterricht betreibt und die Mädchen in dieser Zeit mit einem anderen Gegenstand beschäftigt oder ganz unbeschäftigt läßt? Es würde ihm mit dem besten Willen nicht möglich sein, seine volle Aufmerksamkeit diesem Fache zuzuwenden. Zudem ist es auch dem Lehrer viel angenehmer, wenn eine größere Anzahl von Schülern am Unterrichte theilnimmt. 2) Durch das Erlernen der Thora sollen unsere Töchter, als künftige Mütter und Hausfrauen, befähigt werden, ihren Kindern ttu Hause Nachhilfe leisten zu können. Dadurch, daß der Vater während der ganzen Woche vom Hause weg ist und das schwere Erziehnngswerk der Mutter ganz allein obliegt, wird sie es nur mit Freuden begrüßen, wenn es auch ihr möglich ist, sich von den Fortschritten ihrer Kinder zu überzeugen. Sie wird es als ihre heiligste Aufgabe betrachten, ihre Kinder zu dem Lebensquell der Thora zu führen, daß sie daraus Labsal und Erquickung trinken. Auch in der Synagoge wird sie dem Gottesdienste mit größtem Interesse anwohnen, da ihr die Abschnitte der Thora, die dortselbst vorgetragen werden, nicht unverständlich bleiben. 3) Durch das Thorastudium soll auch, wie schon oben bemerkt, der Sinn für alles Schöne und Erhabene, Edle und Heilige geweckt und gefördert werden. Die Lektüre der Lebensgeschichten unserer verdienstvollen Voreltern, in der Ursprache, muß unbedingt als das beste Mittel angesehen werden, starke, für alles Hohe und Edle begeisterte Charactere heranzubilden. Ist es doch dieselbe Sprache, deren sich auch unsere Väter und Mütter vor Jahrtausenden bedient haben. Die leuchtenden Muster von Geistesstärke und Herzensadel, Glaubenstreue und Menschenliebe, die dem Mädchen hier vorgeführt werden, werden sein Gemüth zur Bewunderung entflammen und es zur Nachahmung aneifern. Durch die Lektüre unserer heiligen Schriften wird es endlich darauf aufmerksam gemacht, wie rein und wie vollkommen unsere Gotteslehre ist. Es wird ihm gesagt, daß wir in der heil. Schrift keinen unschönen, noch viel weniger unästhetischen Ausdruck finden. Selbst da, wo er vielleicht am Platze wäre, wird er durch Umschreibung des ganzen Satzes vermieden. (Ich erinnere hier beispielsweise an eine Stelle in der Sidre ru; dortselbst wählt die heil. Schrift statt des Ausdruckes riNDton den ganzen Satz wn mnta Schließlich erlaube mir noch kurz darauf hinzuweisen, daß bereits die größten jüd. Gelehrten Deutschlands die Nothwendigkeit des Chumeschunterrichtes für unsere Mädchen erkannt haben und ging auch deren Bestreben dahin, die Mädchen mit den Knaben zugleich am Chumeschunterrichte theilnehmen zu lassen. In diesem Sinne äußert sich auch Rabb. Hirsch W in seinem „Choreb": „Jisroels Töchter sollen nicht minder den Inhalt der schriftl. Lehre erlernen und die Pflichten, die sie als Tochter und Jungfrau, als Mutter und Hausfrau in ihrem Leben zu erfüllen haben. Oft schon haben Jisroels Töchter Geist und Lebensreinheit gerettet in Israel. Selbst die Mizrajims-Erlösung war der Frauen Verdienst; und wieder kann und wird aus frommer Jungfrauen und Mütter Gemüth und Leben sich neu in Jisroel Geist und Leben erbauen." Das „Probe-Schulhalten". ©4 Von Lehrer Simo« Bambergcr. „Nun, meine Herren, ich denke, wir lassen diesen 'Herrn Bewerber auf nächsten Sabbat zum „Probe-Oren" kommen und dann soll er nächsten Sonntag früh eine „Probelection" in unserer Gegenwart halten. Es kostet ja letzteres nur eine — halbe Stunde Zeit und soviel wird hoffentlich jeder für eine solche Sache entbehren können." So lautet es wohl oft in einer Gemeindesitzung, in welcher