Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1892)
- Date
- 1892-05-12
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Inhalt: Sollen auch unsere Mädchen am Ehumeschunterricht rheil nehmend Von I. Eisemann, Gailingen. — Das „Probe- Schulhalten".?>on Lehrer Simon Bamberger. — Ans Stadt und Land: Altena (Westfalen). Aus Baden. Kassel. — Büchermarkt. MWMKH für das A R O Btthodoxe «MuderrthumÄ ~CW\A O S E S lNr. 2. 12 9Hail892] mm ML 'VSSm k&jsr i Sollen auch nnserc Mädchen am Chumcschunterricht Theil nehmen? Von I. Eisemann, Gailingen. (Zur Preisbewerbung. Nr. 2.) Bekanntlich herrschte noch vor wenigen Jahren in ganz Israel die Sitte, das weibliche Geschlecht vom Thorastudium auszuschließen. Unsere Weisen b"‘ erklärten nämlich den Vers der heil. Schrift: Qya nx um dahin, daß es Pflicht der jüdischen Eltern sei, nur die Söhne mit dem Inhalt der heiligen Lehre vertraut zu machen. Dieselben befürchteten aber auch, das weibliche Geschlecht könnte viele Stellen der heiligen Schrift mißdeuten, oder solche Fragen und Etnwände dagegen erheben,' die zu beantworten und widerlegen selbst dem größten Gelehrten außerordentlich schwer fallen würde. (Siehe auch mv j/*v njn, Cap. 246, § 6.) Abgesehen aber davon, waren in früheren Zeiten die jüd. Familienverhältnisse so gestaltet, daß es durchaus nicht nothwendig war, Israels Töchter mit besonderen Kenntnissen in den jüd. Wissenschaften auszustatten. Beide Geschlechter, Knaben wie Mädchen, wurden schon von frühester Jugend an zur Hebung der Gebote Gottes angehalten. Vater und Mutter, die gleich durchdrungen waren von der Aufgabe, das Haus zu einem Tempel alles Guten und Schönen zu machen und gegenseitig veredelnd zu wirken, sorgten dafür, daß das Gotteslicht des Judenthums in den Herzen ihrer Kinder nie ausgelöscht werde. Blicken wir doch noch heute mit größter Bewunderung auf jene Zeiten zurück, in denen der jüd. Geist und das jüd. Leben in den Familien so zu Hause waren, daß selbst Jünglinge und Jungfrauen zu jeder Zeit bereit waren, Gut und Blut ihrem Glauben zu opfern. Wie sieht es hingegen heute in Israel aus? Ist das jüdische Haus immer noch die unverletzliche Weihestätte eines priesterlicheu Lebens in Gesinnung und That? Zeigen unsere Mütter auch heute noch den ernsten Willen, ihre Töchter mit den Pflichten bekannt zu machen, die sie als Tochter und Jungfrau, als Mutter und Hausfrau, in ihrem Leben zu erfüllen haben? Haltet nur Umschau in den jüdischen Kreisen, ihr werdet gar bald finden, daß dem leider nicht mehr so ist. Der Jndifferentismus gegen unseren heiligen Glauben nimmt gerade in der Gegenwart so überhand, daß es jetzt schon der Aufbietung aller Kräfte von Seiten der isr. Neligionslehrer bedarf, wenn das heilige Erbe unserer Väter unseren Kindern unverfälscht und unverkürzt erhalten bleiben soll. Dabei ist ferner zu bedenken, daß sich der Aufenthalt des weiblichen Geschlechtes in früheren Jahren nur auf den engsten Familienkreis beschränkte, was heutzutage auch nicht mehr der Fall ist. Unsere Töchter müssen, wenn sie den Zeitverhältnissen Rechnung tragen wollen, auch in anderen Kreisen uud Zirkeln verkehren. Dortselbst wird nun gar häufig über das, was die Eltern als etwas Heiliges und Ehrwürdiges Hochhalten, die Lauge des Spottes ausgegossen, über die einzelnen Gebote Gottes, die im Elternhause gewissenhaft erfüllt werden, geringschätzend gesprochen. Schon dieses Umstandes halber, wäre es sehr zu empfehlen, auch