Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 38 (12.5.1892)
- Date
- 1892-05-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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gierigen, von Sozialdemokraten und von den angegriffenen Israeliten selbst abgesehen, die Betheiligung eben auf die muthmaßlichen Unternehmer sich beschränkt und eine Antisemiten-Partei hier nicht besteht. In der ersten Versammlung war Rector Ahlwardt aus Berlin aufgetreten; in der letzten, vor wenigen Tagen gehaltenen, wollte der bekannte Dr. Förster aus Friedenau bei Berlin sprechen, kam aber nicht zum Wort. Als er nach unendlichem Lärm von der kürzlich geschehenen Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals ausgehen wollte und sagte, daß dieses seines Ursprungs wegen, trotz der Verehrung, die er für den großen Kaiser hege, nicht nach seinem Sinne sei, löste der Polizeikommiffär die Versammlung auf. Es wird rathsam sein, Fortsetzungen zu unterlassen. Man kennt in Dessau weder Philosemitismus noch Antisemitismus, hält eine Handlung weder deswegen, weil sie von einem Juden, noch deswegen, weil sie von einem Christen geschehen, für gut oder schlecht, betrachtet sich den einzelnen Christen und weiß ebenso bei Christen wie bei Juden zwischen vornehm denkenden und handelnden Personen einerseits und eiteln, aufgeblasenen und geldgierigen anderseits wohl zu unterscheiden. Der Ruf Hepp! Hepp! aber — das mögen die Berliner Herren und ihre wenigen hiesigen Freunde ein für alle Mal sich gesagt sein lassen — wird in der Stadt des Vater Franz keinen Wiederhall finden. Frankreich. Paris, 8. Mai. In Nr. 36 des „Israelit" befindet sich eine Annonce Basel, Hotel und Pension Schump, vormals Hotel Kahn bwjn ■vonb wdv 'mb erlaube ich mir zu bemerken, daß der derzeitige Besitzer des früheren streng ieo Hotel Kahn ein Nichtjude ist. I. B. England. London, 8. Mai. Der allgemein bekannte Restaurateur Herr David Gold st ein segnete am gestrigen Sabbat das Zeitliche. Derselbe erlag einem schweren, schmerzhaften Leiden und erreichte das 64. Lebensjahr. Alle, die den Dahingeschiedenen kannten, und namentlich die vielen hier lebenden und zureisenden Deutschen, schätzten dessen Liebenswürdigkeit, mit edlem, wahren Wohlthätigkeitssinn gepaart und bedauern den Verlust, welchen unsere Gemeinde durch den Hintritt dieses Biedermannes erlitt. n":uxn. Vermischtes. Wiesbaden, ll. Mai. Nächsten Sonntag findet die Einweihung der neuerbauten Lokalitäten des Hirschberger'schen Hotel-Restaurants „Zum 710 Badischen Hoff" statt. Bei einem dieswöchentlicheu Aufenthalt in 26. hatten wir Gelegenheit, den prächtig ausgestatteten Räumen einen Besuch abzustatten und freuen wir uns sagen zu können, daß Herr H. neben seiner anerkannten streng rituellen Küche seinen Gästen nunmehr auch Restaurations-Aufenthaltsorte bietet, deren architektonische Schönheit und innere Bequemlichkeit wenigen nichtjüdischen nachsteht. Berlin. Der Magistrat hat beschlossen, zum Andenken Giacomo Meyerbeers an dem Hause Pariser Platz 6a eine bronzene Gedächtnißtafel anzubringen. Die Tafel soll die Inschrift erhalten: „Giacomo Meyerbeer wohnte hier 1*48 -1863. Seinem Gedächtniß die Stadt Berlin 1892." (Äleiwitz. Der hiesige Frauen-Berein zählte im Jahre 1891 272 Mitglieder. Feste Einnahmen an Monatsbeiträge gingen 1337 Mk. ein. Außerdem erhielt der Perein so außergewöhnlich große Spenden, daß trotz der großen Anforderungen, die an denselben gestellt wurden, das Kapital sich um 131 Mk. 5 Pfg. oerinehrt hat. Ausgegeben wurden 2049 Mk. Budapest. Die Errichtung eines jüdischen Gymnasiums wird nunmehr durch eine größere Stiftung ermöglicht werden. Herr Anton Frystädtler de Köves- Györ deponirte nämlich beim Unterrichtsministerium eine Million Gulden. Dieses Kapital wird so lange unbenutzt bleiben, bis die angesammelten Zinsen 500,000 Gulden betragen, welche dem erwähnten Zweck zugeführt werden, während das Kapital der erwähnten Familie zurückerstattet werden soll. Die antisemitische „Neue Deutsche Zeitung" muß sich von Herrn Konsistorialrath Drhander die Berichtigung gefallen lassen, daß er seit 1882 nicht mehrere Hunderte, sondern insgesammt 5 erwachsene Israeliten und 7 Kinder getauft habe. Als Zeichen der Frontveränderung des katholischen Klerus in Sachen der Iudenfrage mag es gelten, daß der Talmudfälscher Rohling zum Canonicus zu Allerheiligen in Prag ernannt worden ist. Die griechischen Blätter Alexandriens, welche ursprünglich allen Ernstes einen beabsichtigten rituellen Mord als Veranlassung der gemeldeten Ausschreitungen gegen die Juden in Port Said hinstellten, geben jetzt beschämt und kleinlaut zu, daß die traurigen Vorfälle einem Mißverständnisse entsprangen. Die Berliner Antisemiten aber lügen lustig weiter. Die Zahl der Angehörigen der einzelnen Religionsgemeinschaften, welche am 1. Dezember der Jahre 1871, 1880, 1885 und 1890 im preußischen Staatsgebiete (einschließlich des Herzogthums Lauenburg, jedoch ohne Helgoland) durch die Volkszählungen ermittelt worden sind, betrug: evangel. Kirche 16,040,685, 17,627,758, 18,244,405, 19,230,376, römisch-katholische Kirche: 8,268,301, 9,204,930, 9,620,326, 10,251,447, griechisch-katholische Kirche: 1388, 1353. 1437, 1360, Mennoniten 1.3,950, 13,849, 13,951, 13,833 , Baptisten 8818, 16,402, 22,735, 23,969, apostolische Kirche (Irving) 1710, 82,13,023, 16,081, Juden 325,601, 363,790, 366,575, 372,058, ohne Angabe des Bekenntnisses 4389, 22,006, 1357, 1492. Die Zunahmen der Angehörigen der einzelnen Kirchen, bezw. der Bekenntnißgruppen für die Zeit von 1871—1890