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Der Israelit · 1892-05-12 · Heft 38 (12.5.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 38 (12.5.1892)
Date
1892-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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705 eines jüdischen Schlächters, welcher sich zur Wehr setzte und einen christlichen Arbeiter erstach, entspann sich eine blutige Schlägerei, welche auf der Straße ihre Fortsetzung fand; die Juden setzten sich tapfer zur Wehr und vertheidigten ihr Eigenthum, indem sie die Häuser verrammelten und die Angreifer aus den Fenstern mit Steinen bewarfen und mit Revolver bedrohten. Die Tumultanten riffen das Straßenpflaster auf und begannen die Häuser durch Steinwürfe zu demoliren. Unbegreiflicher Weise erschien kein Militär, welches das Leben und Eigenthum der jüdischen Einwohner hätte schützen können. Drei jüdische Einwohner verloren bei diesen wüsten Szenen ihr Leben, ebenso einer der Angreifer, ein polnischer Arbeiter, die Zahl der Verletzten und Verwundeten läßt sich gar nicht konstatiren. Die Straßen waren bis in die späte Nacht hinein mit lärmenden und trunkenen Arbeitern gefüllt. Einige hundert Personen wurden verhaftet. Die in der Stadt herrschende Aufregung ist unbeschreiblich; es ist anzunehmen, daß die folgenden Tage noch schlimmere Auftritte bringen werden. Die Arbeiterkolonie und das Etablissement von Scheibler in Pfaffendorf , welches die meisten Arbeiter beschäftigt, ist durch zwei Kompagnien Infanterie, welche dort einquartirt wurden, geschützt! Der Gouverneur ist inzwischen aus Petrikau eingetroffen; derselbe hat die Arbeiter aufgefordert, sich ruhig zu verhalten und ihnen versprochen, den Mißstünden abzuhelfen und ihre Forderungeu, soweit dieselben begründet, zu unterstützen." Mittlerweile ist nach einer telegraphischen Mittheilung aus Petersburg der Strike durch die Truppen „beigelcgt" worden. Griechenland. Athen, im April, yn*.r©a*3;n psnn am ’Jdd n’srs' Goldene Worte hat am vergangenen Charsreitag der griechische Erzbischof von Zante, Monsignor Dionysius Lata, an seine Heerde gerichtet, indem er dieselbe ermahnte, dem neuerdings im Abendlande aufgetauchten Märchen von rituellen Morden bei den Juden keinen Glauben beizumessen, da dies alles erfunden und erlogen sei, theils aus Bosheit, theils aus Eigennutz und Raubsucht. Der ehrwürdige Prälat rief zugleich den Zorn Gottes auf sich herab, wenn er gelogen haben sollte. Er kenne die Glaubenssatzungen der Juden und ebenso auch ihre religiösen Gebräuche und wisse daher sehr gut, daß den Inden selbst der Genuß des Blutes von Thieren strengstens verboten ist. Diese Worte, gesprochen von einem Fürsten der Kirche an einem der heiligsten Tage der Christenheit, verfehlten selbstverständlich nicht, auf alle im Gotteshause Anwesenden einen tiefen Eindruck zn machen. Türkei. Konstantinopel. Dem „Deutscheu Volksblatt" in Wien blieb es Vorbehalten, auch die Diplomatie mit der Judenfrage zu beglücken. In der Abendausgabe des „Deutschen Volksblatt" vom 27. April findet sich ein Artikel unter der Ueberschrift „Das Judenthum in Konstantinopel", der folgenden Satz enthält: „Das ausschlaggebende Judenthum steht auf der dem Dreibunde feindlichen Seite." Man war bisher gewohnt, das Widerspiel des russischen und englischen Einflusses am Bosporus aufmerksam zu beobachten, den Schachzügen des russischen und englischen Botschafters seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das Antisemitenblatt hat nun noch einen spezifisch jüdischen Gesandten am goldenen Horn entdeckt, den Vertreter der Vereinigten Staaten, Herrn Hirsch, der sowohl in dieser Eigenschaft, wie als Repräsentant einer neuen Großmacht, des internationalen Judenthums, den russischen Orientplänen Vorschub leisten soll. Es fabelt von einer Verwandtschaft des amerikanischen Gesandten in Konstantinopel mit Baron Hirsch. Und doch herrschen zwischen diesen beiden Männern nicht nur keine verwandtschaftlichen, sondern nicht einmal persönliche Beziehungen vor. Der amerikanische Gesandte hält sich ängstlich allen europäischen Streitfragen fern und beschränkt sich auf die Erfüllung seiner amerikanischen Aufgaben. In welcher Weise dieser „jüdische" Gesandte seine Pflichten auffaßt, ist allgemein bekannt und davon gibt nachstehendes Beispiel Zeugniß. In der Türkei existiren viele amerikanische Schulen, gegründet und geleitet von christlichen Missionären, welche in Folge verschiedener Verträge zwischen der Türkei und den amerikanischen Staaten mannigfache Privilegien besitzen, denen diese christliche Missionsschule eine hohe Blüthe danken. Es hat nun an manigfachen Versuchen nicht gefehlt, die religiöse Eifersucht der Türken gegen diese Schulen zu wecken. Dem fanatischen Türken sind diese christlichen Missionsschulen ein Dorn im Auge. Nur dem energischen Auftreten des amerikanischen Gesandten ist es zu danken, daß alle gegen die christliche Missionsschule unternommenen Anschläge gescheitert sind. Die Berichte der amerikanischen Missionäre aus Konstantinopel erkennen das dankbar an und sind voller Lobes über das Wirken dieses jüdischen Gesandten. Als im Januar dieses Jahres ein Decret der Hohen Pforte die Wirksamkeit dieser christlichen Missionsschulen, namentlich jener! im Innern des Landes, einzuschränken versuchte, da hat kein einziger Vertreter der europäischen Großmächte auch nur einen Finger gerührt.. Erst als der amerikanische Gesandte Hirsch gegen das Vorgehen der Türkei energisch Protest eingelegt, haben

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