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Der Israelit · 1892-05-12 · Heft 38 (12.5.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 38 (12.5.1892)
Date
1892-05-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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704 feierlichst vorgetragen waren, in einer von Begeisterung für das großherzogliche Haus tief durchdrungenen und die ganze Gemeinde mit sich fortreißenden Rede vollen Ausdruck. Er wies darin nach, wie unser vielgeliebter, hochverehrter Großherzog mit Seiner Ihm ebenbürtig zur Seite stehenden Gemahlin, als würdige Enkelin der Königin Louise von Preußen, deren Namen sie auch mit Recht trägt, als Familienwie als Landesoberhaupt und als Bundesfürst des deutschen Reiches gleich groß, gleich liebenswürdig dasteht. — Mit einem dieser Rede voll entsprechenden tiefinnigen Gebete um das fernere Wohlergehen des Großherzogl. Hauses schloß die Synagogenfeier. In gehobener Festesstimmung begab sich die Gemeinde über den überaus herrlich geschmückten Marktplatz durch die überall reichlich beflaggte Stadt nach Hause. Aber wie nahe grenzen Freude an Schmerz! Noch durchzuckt alle Stadtwie alle Landbewohner das Gefühl des innigsten Dankes gegen die Vorsehung, die uns die Gnade erwiesen, einen so musterhaften Landesfürsten schon 40 Jahre zu besitzen und welche Gott im öffentlichen wie im Privatgebete bitten, Hochdenselben uns und der ganzen Menschheit noch recht, recht lange zu erhalten — mitten in diesen frohen, wohlthuenden Empfindungen, mitten in die festlich geschmückten Straßen drang die Schreckenskunde für unsere, man darf getrost sagen für die ganze Gemeinde: Der Stiftsrabbiner Nathaniel Weil! ist nicht mehr, ein plötzlicher Tod hat nach kurzem Unwohlsein seinem thatenreichen Leben ein Ende gemacht! — Wenn er auch, wie Herr Dr. Schiffer in tief empfundener Rede bemerkte, eines sanften, schmerzenslosen Todes nach einem göttlich vollbrachten Leben, geschmückt mit y\ts üw mai min -ira von der Erde geschieden, um vereint mit seiner ihm um einige Jahre vorangegangenen Gattin dort die Ernte seiner göttlichen Aussaat zu genießen haben wird, so haben wir ihn dennoch zu früh verloren. Er war eben durch seine gewissenhafte Pflichterfüllung und sein leutseliges, gewinnendes Benehmen, durch seine Liebenswürdigkeit gegen Jedermann, durch seine gemüthlichen allsabbathlichen Vorträge zu eng mit seiner Gemeinde verbunden, als daß nicht jeder die Trennng von ihm besonders schmerzlich fühlt und empfindet. Sein ganzes Leben entsprach seiner Abstammung von großen Ahnen. Auch Herr Dr. L ö w e n st e i n, Rabbiner zu Mosbach, ein vieljähriger Schüler des Verblichenen, verlieh unter Thränen mit tiefempfundenen Worten seinem Schmerze Ausdruck und nannte ihn wie VW'bit den vmBi dd") ’dk ’dn und bedauerte am Schluß, wie unausfüllbar die durch den Tod dieses sanften, liebevollen Lehrers entstandene Lücke ist. Am Schluffe des fast dreistündigen, ungemein zahlreichen Leichenbegängnisses, an welchem sich die ganze Gemeinde, Christen nicht ausgeschlossen, betheiligte, sprach Herr Dr. Marx, Rabb. in Darmstadt, im Trauerhause in gleichem Sinne. Schüler des Verstorbenen sind per Schnellzüge herbeigeeilt, um ihrem hochverehrten Lehrer das letzte Geleite zu geben. rrasun. — n. Rußland. lieber den bereits erwähnten Strike in den Webereien und Spinnereien des Lodzer Fabrikbezirkes sowie die bei dieser Gelegenheit vorgekommenen Ruhestörungen wurden dem „Berl. Tagbl." aus Lodz folgende Einzelheiten mitgetheilt: „Die Steigerung der Lebensmittelpreise und die Weigerung der Fabrikanten, die Löhne der Theuerung entsprechend zu erhöhen, haben den Anlaß zum Strike gegeben, welcher am 3. d. Mts. zum ersten Ausbruch kam. Den meisten Fabriken der Textilbranche blieb nichts übrig, als den Betrieb einzustellen. Die ersten Zusammenrottungen der zahllosen Arbeiter auf den Straßen wurden durch berittene Kosakenpatroutllen mit leichter.Mühe zerstreut. Am 4. d. Mts. Morgens versammelten sich die Arbeiter des Poznanskischen Etablissements, gegen 4000 an der Zahl, in der Nähe desselben, drangen dann in die Arbeitssäle, verjagten die wenigen noch arbeitenden Leute und zerstörten die kostbaren Maschinen. Die herbeieilende Kosaken- Abtheilung hieb mit bleigefüllten Knuten unbarmherzig in die dichtgedrängte Menge ein, viele Arbeiter trugen Verletzungen davon. Ein Kosak wurde durch einen Steinwurf am Kopfe schwer verwundet, stürzte aus dem Sattel und wurde von dem über ihn herfallenden Pöbel übel zugerichtet. Auch der Polizeimeister der Stadt Lodz, Oberstlieutenant Danilczuk, wurde von einem Steinwurfe getroffen. Erst den herbeieilenden zwei Kompagnien Infanterie (37. Jekatrinburger Regiments) gelang es, die Arbeitermassen zu zerstreuen und den Zugang zum Etablissement von allen Seiten abzusperren. Am 5. Mai zogen mehrere Tausend der Sinkenden von einer Fabrik zur anderen, besetzten sämmtliche Räume und vertrieben die arbeitende Genossen durch Drohungen und Gewalt. Leider ging es hierbei ohne Messerstiche nicht ab. Sämmtliche Straßen wimmelten von Menschen. Die Kavallerie-Patrouillen fanden jedoch keinen Grund, gegen die Arbeiter einzuschreiten. Hierauf fand in den meisten Fabriken die Auszahlung der Wochenlöhne statt. Gegen 5 Uhr Nachmittags war keine einzige Fabrik mehr im Gange. Mit Einbruch der Dunkelheit zogen etwa 20,000 Arbeiter in die Altstadt, welche fast ausschließlich von Juden bewohnt ist, und versuchten! verschiedene Läden zu plündern. In dem Laden

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