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Der Israelit · 1892-05-12 · Heft 38 (12.5.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 38 (12.5.1892)
Date
1892-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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702 in dem doppelten Maaß Manna, das am sechsten Tage siel und in den Worten dd^j wo ns wsn D’jrn wbvb nsoai ns n»in nwn ruaa, „Ich werde Euch meinen Segen entbieten im sechsten Jahre, daß es den Ertrag bringe auf drei Jahre", gibt, nicht beachteten, oder doch kein volles Vertrauen entgegenbrachten: wie werden diese Leute sich künftig dazu stellen? Haben ja Leute, die ihr Geschäft am nai? geschlossen hielten, ihre Kinder in offene Geschäfte gegeben, wo sie zur Entweihung des nat? angehalten wurden? Sie werden wahrscheinlich noch kleinmüthiger und verzagter werden und, wie sie sagen werden, gezwungen sein, am narr» ihr Geschäft zu öffnen. .nwn ."uw aib »nana ns wsi „Ich werde," spricht Gott, „euch Meinen Segen entbieten im sechsten Jahre." Daß unser Volk, sagt man, im eigenen Lande und in Zeiten, wo alle Juden ihre Läden am naw geschlossen hielten, leicht den naiy halten konnte, ist selbstredend. Wir wollen das zugeben. War es aber auch so leicht, so selbstredend, daß ein ganzes Land im siebten Jahr nicht säen durfte, also auch nicht ernten konnte?! Und doch war es göttliches Gesetz. Und nur Gott konnte Seinen Segen im Vorjahre schon verbürgen! Es war. doch wohl so gewesen, daß das sechste Jahr immer ein sehr fruchtbares war, so daß unser Volk davon im 6., 7. und 8. Jahr leben konnte. Und war es in der Wüste mit dem Manna nicht auch so, daß der sechste Tag doppeltes Maaß Manna lieferte? Diese Kleinmüthigkeit und Verzagtheit ist auch mit eine Folge jenes Uebels, daß ein Jeder es dem Neichen und Reichsten gleichthun will, daß man an sich selbst so hohe Lebensansprüche stellt, die nur äußerst schwer zu erfüllen sind. Auch dann, wenn Gott Seinen Segen schon gegeben, daß man ganz anständig davon leben könnte, vermeint man, nicht damit auskommen zu können und erkennt nicht diesen Segen Gottes. Eine Mahnung möchten wir bei dieser Gelegenheit an die Besitzer solcher Geschäfte richten, die am ö"»i nattf noch geschlossen find. Künftig nämlich nur solche junge Leute anznstellen, denen es in der That Ernst ist um die Beobachtung des nap, und nicht junge Leute aufzunehmen, die doch den natp entweihen, da diese ja anderweitig leicht Anstellung finden. Auch wäre zu wünschen, daß man mehr wie bisher sich an die betreffenden Vereine wende, wenn man einen jungen Mann im Geschäfte nöthig hat. Wie viele junge Leute suchen Stellen, wo sie jüdisch leben können, wissen aber nicht, wohin sie sich wenden sollen. Und häufig waren die betreffenden Vereine aus Mangel an Stellenmeldung nicht in der Lage, jungen Leuten eine Stelle anzuweisen. Heutzutage ist es Pflicht jedes wahren Jehudi, zu wachen und zu sorgen, wie und wo immer die Heilighaltung des naty zu ermöglichen ist, nicht nur für sich zu sorgen, sondern für!?s-w> »ja Drms, für ihre Brüder, für die Söhne Israels. Mögen diese Worte auf guten Boden fallen! Zeitungsnachrichten und Correspondeuze«. Deutschland. Berlin, 7. Mai« lieber die Fraktionssitzung der Konservativen,, in der die „Judenfrage" behandelt und für das Programm der Partei zugestutzt wurde, haben „Kreuzztg." und Genossen bis jetzt Schweigen beobachtet. Dagegen bringt ein antisemitisches Blatt einen Bericht, in dem es heißt: „Frhr. v. Wackerbarth, einer unserer glänzendsten (!) Parlamentarier, war mit dem Referat betraut worden. In längerer wirkungsvoller Rede legte er den traurigen Sachverhalt, der uns die Waffen in die Faust zwingt, dar und hatte die Genugthuung, durch seine packenden Darlegungen Alles fortzureißen. Eine herrliche Rede hielt auch Hofprediger Stöcker, der gestern dadurch am Besten bewies, wie ernst es ihm durch die Niederhaltung dieses Parasitenvolkes zu thun ist. Durch seinen Vortrag, der ebenso wie der Wackerbarth'sche wie Keulenschläge wirkte, hat er sich als mannhafter und unermüdlicher Vorkämpfer unserer nationalen Wiedergeburt wieder neue und unermüdliche Lorbeeren erworben. Darauf ergriff Baron v. Heydebrand und der Lasa das Wort. Auch er stimmte dem Herrn Referenten freudig bewegt zu. Endlich war es noch Herr v. Rauchhaupt, der in treffender Auseinandersetzung die patriotische Rothwendigkeit der vorgeschlagenen Abwehrmittel hervorhob." Berlin. Zur Ahlwardtschen Broschüre über die „Judenflinten" wird der „Germania" von einem ehemaligen Soldaten geschrieben: „Das Gefährliche dieser Broschüre liegt in der Behauptung, als sei unsere Armee in Folge der untauglichen Gewehre bei Ausbruch eines Feldzuges verloren und damit das deutsche Reich. Thatsächlich wird aber jeder Soldat, welcher einigermaßen mit Verständniß die Broschüre lieft, nur zwei Anhaltspunkte herausfinden und zwar die von den Spatzen auf den Dächern gesungene Usance des Trinkgeldgebens und die damit verbundene glattere Abwickelung der Geschäfte, selbst auf Kosten vereinzelter Unregelmäßigkeiten, von denen einzelne aber, zum Beispiel das Schmirgeln der Gewehre, bei jedem Soldaten nur ein Lächeln herausfordern. Dieses Trinkgeldgeben und Unregelmäßigkeiten sollen keineswegs vertheidigt werden; aber sehr gelinde beurtheilt, es ist doch von Herrn Rektor Ahlwardt weit, weit über das

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